Fig. 1.

So ist reiches wissenschaftliches Material in den bildlichen Darstellungen aufgehäuft, das alle Gebiete der Kunst- und Kulturgeschichte berührt. Ebensolches aber befindet sich auch in den Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg, die, im germanischen Museum bewahrt, eine Gemäldesammlung, eine Sammlung von Handzeichnungen, Kupferstichen und Holzschnitten umfassen, zu der kostbare plastische Werke, Glasgemälde u. v. A. hinzukommen, die neben ihrem Kunstwerthe auch kunstgeschichtliche Bedeutung haben, und deren Darstellungen gleichfalls eine Fülle kulturgeschichtlich interessanter Beiträge für die wissenschaftliche Forschung bieten. Freilich ist unter allen diesen Schätzen von Darstellungen auch Manches, was nicht gerade als neu gelten kann, aber doch immerhin nicht zu unterschätzende neue Beispiele und Belege für Folgerungen gibt, die bereits aus anderen Quellen gezogen sind. Insofern der Anzeiger die Aufgabe hat, unbekanntes Quellenmaterial zur Veröffentlichung zu bringen, und in erster Linie auf den Bestand des Museums eingehen und daraus bringen soll, was in irgend einer Beziehung interessant ist, liegt allerdings die Veranlassung nahe, nunmehr die bildlichen Quellen zur Kulturgeschichte einmal eingehend zu prüfen und daraus Manches zu veröffentlichen. Allerdings wird dabei nicht die Veranlassung vorliegen, zu jedem Bilde eine umfassende Erläuterung zu geben. Wie so manche schriftliche Quelle genügend für sich spricht und der Fachmann auch ohne Erläuterung sie gerne hinnimmt, so auch hier. Nur weil unser Blatt nicht ausschließlich einem bestimmten Kreise von Gelehrten angehört, sondern Vertreter der verschiedensten Fächer, selbst absolute Laien zu seinen Freunden zählt, müssen wir dann und wann nicht den Kunstgelehrten, nicht den Forscher auf dem Gebiete der Waffen und Trachten oder anderer Zweige der Kulturgeschichte, sondern die Laien darauf aufmerksam machen, wie Manches, was ihnen im Einzelnen unbedeutend erscheint, doch für die wissenschaftliche Forschung werth ist, beachtet zu werden.

Fig. 2.

Soweit es sich hier um die bildlichen Quellen handelt, die aus Handschriften geschöpft sind, liegt für uns keine Veranlassung vor, die literarische Bedeutung der betreffenden Handschriften zu beleuchten. Zum Theil ist dies schon geschehen; denn wir werden auf manchen Codex zurückzukommen haben, der bereits im Anzeiger besprochen, oder an anderer Stelle von competenten Gelehrten gewürdigt worden ist. So weit dies noch nicht geschehen, mögen literargeschichtliche Forscher dies noch thun. Nur wo sich etwa aus dem textlichen Inhalte eine Erklärung für die kulturgeschichtliche Bedeutung ergibt, haben wir Veranlassung, darauf einzugehen.

Fig. 3.

Es dürfte wol kaum ein Gebiet der Kulturgeschichte sein, für welches nicht neue Quellen aus unseren bildlichen Darstellungen erschlossen werden. Welche Fülle schöner Motive liegt in so vielen Initialen, und welche Beiträge zur Kunstgeschichte vom 10. bis 17. Jahrh. liegen darin! Welche reiche Quelle für die Geschichte der Trachten, des Schmuckes, der Waffen fließt aus diesen Bildern! Welche merkwürdige Illustration erhält das häusliche Leben auf der Burg, im Kloster, wie im Bürgerhause! Das Leben auf den Strassen der Stadt, wie auf der Landstrasse wird beleuchtet; Handel und Verkehr treten uns vor Augen. Zur Geschichte der Mechanik bieten sich die interessantesten Beiträge. Die christliche Ikonographie, die Heraldik erhalten Förderungen.

Es würde nun allerdings die Versuchung nahe liegen, chronologisch oder nach einzelnen Gebieten das gesammte Material systematisch vorzunehmen; wir fürchten jedoch, daß nur der jeweilige Fachmann dadurch befriedigt würde, glauben dagegen, daß die Mehrzahl der Leser uns mehr Dank wissen wird, wenn wir, dem Charakter einer Zeitschrift entsprechend, eine etwas bunte Reihe folgen lassen.