)[367] (Probationes zum Bürgerchor im Pf.-A.). Was von all dem noch gegenwärtig vorhanden, hatte ich nicht Gelegenheit festzustellen. Manches mag bei der schwedischen Occupation der Stadt 1642 verloren gegangen sein.[368]

Unter den Schätzen der Kirche selbst sei zunächst ein historischer hervorgehoben, der Mantel der Herzogin Agnes († 1392), Gemahlin Bolko’s II., welcher nach der Tradition 1330 den Grundstein zum Neubau des Gotteshauses gelegt hatte. Der Mantel war 1644 noch vorhanden (Inventarium post hostem) und wurde neben den Kelchen, Patenen, Naviculä, Kaselen etc. im Obergewölbe der Sakristei aufbewahrt. Nach der Abbildung ihres hölzernen Epitaphs (1757 bei Beschießung der Stadt zerstört) in Luchs’ Schles. Fürstenbildern 29c war er blau und mit Hermelin gefüttert. Hinter diesem Kleidungsstücke steht verzeichnet (Inv. a. a. O.) ein roth geblümter, alter, sammeter Himmel, eine Stiftung des Breslauer Bürgers H. Bockewitz, welcher dem Schweidnitzer Magistrate eine Schuldforderung von 36 Gulden 1483 abtrat „zcu eynem hymmel, den man czewgen (anfertigen) sal vnd tragen in des heiligen leychnamsz woch vber dem heyligen sacrament.“ (Stadtb. III, f. 93). An alten Chorröcken besaß die Kirche 1644 37 Stück. Die Supellex templi residentiae soc. Jesu von 1651 (Pf.-A.) nennt folgende Kostbarkeiten: Ein vergoldetes Kreuz mit Reliquien, welches der eingegangenen Thorkirche St. Wolfgang entnommen war; eine große perlene und von vergoldetem Draht verfertigte kaiserliche Krone, welche vom Begräbniß des Grafen Schlick mit dem Spolio bekommen; eine andre dergl. Krone mit ganz güldenen Spangen von der Leiche der Sibylla v. Pannewitz; einen silbernen, vergoldeten Kelch mit weißen Zieraten (ist ein Meisterstück, wägt 4 Mk. 4 Lot) von der Erbschaft des Joh. Fränle; drei Meßgewänder von Brokat, herrührend aus den Sachen des schwedischen Kapitäns (Caspar Drostvol?), welche nach Wiedereroberung der Stadt Schweidnitz allhier gefunden worden und Graf Stahremberg uns zum Gottesdienste assigniret. Sub voce Reliquiaria und Agnus Dei: Ein Bildnis U. L. Frauen de Misericordia, welches seliger P. M. Cromerus der Residenz verlassen, das er mit sich aus Niederland gebracht, dessen Fuß schwarz gebeizt und mit Reliquien in silbernen Spangen versetzt; im silbernen Mond ein guter orientalischer Topazius, welcher aus der Schatzkammer von Mantua herrühret[369]. Bilder: Auf Kupfer gemalet Maria und Joseph, ein Bild des letzteren „auf Bergamen gemahlt;“ ein Moskowitisch Altärlein (wovon das Museum schlesischer Alterthümer eine ansehnliche Zahl enthält,) zusammengelegt, mit dem Bildnis U. L. Frauen und der griechischen Patriarchen, verlassen von Charis. Joh. Wolffstein; imagines 4or nostrorum Sanctorum in lanella aurea super lignum nigrum extensae. Musikalische Instrumente: Drei Posaunen von 1642, eine Feldtrompete, welche die Schweden aus dem Rathhaus sollen genommen haben; sie entführten auch die Discantgeige und ein weißes Regal. Der gen. Wolffstein hinterließ auch: Schöne, gelbe, saubere Frauenhaare zur Zier U. L. Fr. Bild — (Bei einer Schnitzerei in einer der südlichen Kapellen der Breslauer Elisabethkirche haben die Holzfiguren auch natürliches Haar!) — und eine blechene Laterne mit Moskowitischem Glas, welche man zusammenlegt.

Noch gegen Ende des 16. Jahrhunderts war der Reichthum der Schweidnitzer Pfarrkirche außerordentlich, und der poetische Lobredner der Stadt Nic. Thomas (Encomion Swidnicii. Lipsiae, 1597. S. 15) konnte noch sprechen von einer gewaltigen Zahl von Truhen für die kostbaren Kelche und andere metallische Kultgeräthe, von Kaselen für jeden Festtag des Jahres, von einem Bilde des Heilands, strahlend von Gold und mit Smaragd besetzt. Das Schicksal dieser Kostbarkeiten zu verfolgen, ist mir noch nicht möglich gewesen. Viele mögen bei dem Uebergange des Gotteshauses in lutherische Hände antiquiert oder anderweitig verwendet worden oder während der mannigfachen Kriegsdrangsale[370] der Stadt abhanden gekommen sein.

Bunzlau.

Dr. Ewald Wernicke.

Fußnoten:

[362] Die älteste bekannte Erwähnung der Bruderschaft 1370 im Schw. Landbuch B. f. 38; in ihren Händen befand sich der älteste Ablaßbrief der Kirche d. d. Reate 1288. Die Neuconstituierung erfolgte nach den Eingangsworten ihrer Statuten nach den Hussitenkämpfen. Ihre alte Matrikel wird im Schw. Rathsarchiv aufbewahrt; sie gleicht in der äußern Form ganz dem a. a. O. beschriebenen Kircheninventar und führt unter den Personen, für welche Anniversarien zu halten, u. a. an den Kardinal Spigneus von Krakau, die Bischöfe Peter und Jodocus von Breslau, die Schw. Pfarrer Franz Ziegenbein und Dr. Caspar Weigel.

[363] 1468–71. Landeshauptmann der Fürstenthümer Schweidnitz-Jauer (Zeitschr. d. hist. Ver. in Breslau, XII, 50.)

[364] Der ihr geweihte, desolate Flügelaltar von 1492 enthält im Schrein die kunstreich geschnitzte Darstellung ihres Todes; er wurde 1588 von dem Maler Pantaleon Beuchel nach noch vorhandener Instruction renoviert. cf. Schles. Vorzeit, 21. Ber., S. 189 ff.

[365] Ein Altar derselben bestand seit etwa 1413 in der südlichen Thurmhalle.