Nach Marschalks Indroductorium begegnen wir den Gebeten in Deutschland in lateinischer Sprache und griechischer Uebersetzung (die nach Obigem wol zuerst Marschalks Werk war) zu wiederholten Malen und zwar in den verschiedenen Ausgaben des „Elementale Introductorium in Idioma Graecanicum“, u. A. in der 1511 zu Wittenberg in officina Jo. Gronenbergii gedruckten und von Herm. Trebellius erweiterten Ausgabe[378]. In deutscher Sprache habe ich die Gebete schon vier Jahre vor der Abfassung und dem Erscheinen des kleinen Katechismus gefunden. Die für die Geschichte des Elementarunterrichts wie für die Geschichte der Katechetik wichtige Schrift: Eyn Boͤkeschen vor de leyen vnde kinder.... die von Justus Jonas 1525 verfaßt sein soll, bis zum Jahre 1529 jährlich neu aufgelegt wurde und mir in der bis jetzt vergebens gesuchten ersten Ausgabe: „Wittemberch 1525“, vorlag[379], enthält nach den 10 Geboten, dem Glauben und dem Vaterunser mit Auslegung „Dat benedicite vnde gratias“ in folgender Zusammensetzung: „Dat Benedicite. Psalm cxliiij Aller ogen waren... mit wolgeuall. Vader vnse etc. (Bl. B 3 a). Dat bedt Here Godt hemmelsche Vader segne vns vnde desse dyne gaue... Dat Gratias Dancket dem heren.... Vader vnse. Dat bedt (Bl. B 3 b) Wy dancken dy here God vader doͤrch Ihesum....“. Das ist genau schon der Wortlaut, in dem die Gebete später in Luthers Katechismus übergegangen sind! Die Ueberschrift: „Dat bedt“ führt sie als einen bekannten und fixierten Stoff ein. Woher hat ihn nun Dr. Luther entnommen? Zunächst aus dem Laienbüchlein? Wahrscheinlich. Aber wer hat die einfachere Form, die wir bei Marschalk kennen lernten, zu der volleren im Laienbüchlein (oder, wie es auch heißt, in der Laienbiblia) erweitert? Hat dabei die ähnliche, vollere Form aus den Rudimenten des Manutius zu Grunde gelegen? Vielleicht vermag ein Leser dieses Blattes Auskunft zu geben.

Plauen im Vogtlande.

Joh. Müller.

Fußnoten:

[371] Siehe den lat. Text in J. T. Müller: Die Symbol. Bücher der evang.-luth. Kirche (Stuttgart 1860, 2. Aufl.), S. 367 f. — Die zwei Gebete beginnen im „Catechismus deutsch“ also: „Herr Gott, himmlischer Vater, segne uns und diese deine Gaben“ etc. „Wir danken dir, Herr Gott Vater, durch Jes. Christ. unsern Herrn für alle deine Woltaten“ etc.

[372] Vergl. über Marschalk (geb. 1470, 1500–1502 in Erfurt, dann in Wittenberg am Hofe Joachims I. v. Brandenburg, hierauf Professor in Rostock, † 1525) besonders: Chr. Schoettgenii Opuscula minora historiam Saxonic. illustrantia (Lips. 1767) p. 339–52. F. W. Kampschulte: Die Universität Erfurt, I (Trier 1858) S. 52 ff. O. Krabbe: Die Universität Rostock (1854), S. 281 ff. — Mir liegt von dem Introductorium ein der Orthographia Marschalks (1501 Erphord.) angebundenes Exemplar der Bibliothek zu Dresden vor. Orts-, Jahr- und Druckangabe fehlt. Am Schlusse der dazu und mit dem Introductorium zusammengehörigen „Introductio ad litteras hebraicas“ stehen aber als einzige Namensangabe und Empfehlung, welche sich im ganzen Buche außer einem kurzen Vorwort des berühmten Venediger Druckers Aldus Manutius zu diesem seinem hebräischen Elementarbuch findet, ein lat. Distichon Marschalks „de Laude litterarum hebraicarum“ und ein griech. mit lat. Uebersetzung „de laude litter. graec.“ — Da die mit dem Introductorium ein Werk bildende „Introductio perbreuis ad hebraicam linguam“ den Aldus Manutius zum Verfasser hat und erst als Anhang der im Februar 1501 gedruckten Aldi Manutii Rudimenta grammatices latinae lingua (Ex. in München) erschienen ist (vergl. Fr. Ad. Ebert, Allg. bibliogr. Lexic. Leipzig 1821 u. 30 sub Nr. 12984 u. 11735), so kann Marschalks Abdruck dieses hebräischen Elementarwerkchens nicht vor Ende des Jahres 1501 ausgegeben sein, vielleicht 1502. In die Zeit des Erfurter Aufenthalts (bis 1502) und der dasigen graecophilen Thätigkeit Marschalks gehört das Buch wol sicher. — Schon im October 1501 war mit demselben Titel: „Εἰσαγωγη“ etc. ein kürzeres Schriftchen „expressum Erphordiae per Lupambulum οινοχοον alias Schencken“ von Marschalk herausgegeben worden, welches denselben Stoff wie das obige enthielt, ausgenommen die Lesestücke (s. Anm. 3). Exempl. in Leipzig. Vergl. Graesse, Trésor des livres rares etc. Tome II [1861], p. 467.

[373] Voraus gehen, nach einer kurzen Zusammenstellung und Eintheilung der griechischen Buchstaben, Abbreviaturen und Colligaturen und Accente, folgende Lesestücke: Oratio dominica, Salutatio angelica (Ave Maria), Symbol. apostolic., Euangelium Joannis (d. i. Joh. 1, 1–14), Salut. angel. (Salue regina). Das letzte Lesestück bilden „Dictoria id est prouerbia septem sapientium metrice.“ Alle Lesestücke sind „graece et juxta latine“ gegeben, jener Text schwarz, dieser roth gedruckt.

[374] Nach dem Titelblatt sollte über dem zweiten Gebete die Ueberschrift: „Gratiae post mensam“ stehen.

[375] Bei Luther ist benedicere mit dem Dativ construiert und statt der Conjug. periphrast. das Praes. „sumimus“ gebraucht.