Von Söul (Saidaimun, s. S. [333]) führt die Bahn über (12 km) Eitoho (Abzweigung der Linie nach Tschimulpo, s. S. [333]), (50 km) Suigen, ummauerte Stadt am Fuße bewaldeter Hügel, (93 km) Seikwan, mit Schlachtfeld aus dem japanisch-chinesischen Krieg von 1894; hinter der Stadt setzt die Bahn auf 116 m langer eiserner Brücke über den Anjogawa, weiter über (211 km) Shinsen, Sommerfrische mit 72 m hohem, schmalem Wasserfall, erreicht in (243 km) Shufurei den höchsten Punkt im Gebirge, dann (323 km) Taiku, große ummauerte Stadt mit etwa 46000 Einw. (davon 1000 Japaner).— Weiterhin folgt (428 km) Sanroshin.

Zweigbahn über den breiten Fluß Rakutōko nach (24 km) Masanpho (japanischer Gasthof), wichtigem, im Ausbau begriffenen japanischen Kriegshafen mit Marinewerft, Trockendocks, mit etwa 40000 Einw., in einer malerischen Förde, von Bergen umschlossen, mit vorzüglicher Reede.

Die Hauptlinie erreicht (445 km) Fusan (Pusan), den zweitwichtigsten Seehafen Koreas mit 46000 Einw. (die Hälfte Japaner); Hotel Oike, Hotel Fusan, in beiden Pens. etwa 6 Yen; zwei japanische Banken. Japanische Dampferlinien nach Shimonoseki, Nagasaki, Wladiwostok, koreanischen und nordchinesischen Häfen. Das deutsche Handelshaus Karl Wolter & Co. ist in Fusan vertreten; außerdem viele japanische, chinesische und einzelne europäische Firmen. In der japanischen Stadt Militärhospital, PT. Fusan ist mit saubern Straßen gut angelegt, mit Wasserleitung, elektrischer Beleuchtung, schönen Läden, großen Reisspeichern versehen und besitzt ein sehenswertes *Handelsmuseum. Ein Telegraphenkabel führt nach der japanischen Insel Kyūshū. Der Hafen ist durch Inseln geschützt, im Binnenhafen sind Anlegebrücken für die Postdampfer. Ausfuhr umfaßt hauptsächlich Reis und Bohnen. Das Klima ist sehr gesund, die Temperatur schwankt zwischen 35° und-5° C; Taifune sind selten. Fusan ist beliebt als Seebad. Die bergige Umgegend ist sehr malerisch; 2 km nördl. von der Stadt liegt nahe der Bahn bei Fusan-Chin ein ummauertes koreanisches Schloß aus dem 17. Jahrh.

Von Fusan nach Shimonoseki (Dampferverbindung vgl. S. [336]) läuft der Dampfer mit osö. Kurs quer durch die 120 Seem. breite Koreastraße, die Verbindungsstraße zwischen Japanischem und Ostchinesischem Meer, passiert r. Maru saki, das Nordende der bis 666 m hohen Inselgruppe Tsushima, in deren Nähe 27. und 28. Mai 1905 die russische Flotte vom japanischen Admiral Togo fast völlig vernichtet wurde, und erreicht nach 7-10stündiger Fahrt (122 Seem.) Shimonoseki (S. [355]).


Japan.

Das Kaiserreich Japan im äußersten Osten Asiens, das Nippon oder Nihon der Japaner, bei Marco Polo Zipangu genannt, chines. Dschipönnkwo, das »Land der aufgehenden Sonne«, erstreckt sich in einer langen, aus drei großen Bogen mit 3850 großen und kleinen Inseln und Klippen bestehenden Reihe zwischen den verhältnismäßig flachen ostasiatischen Randmeeren und dem rasch zu außerordentlich großen Tiefen (bis 8500 m) absinkenden Stillen Ozean über 30 Breitengrade, von Formosa bis Schumschir, der nördlichsten der Kurilen. Die Inselreihe gliedert sich in sechs Gruppen: 1) Alt-Japan zwischen Colnett-und Tsugarustraße, in ältester Zeit Ō-yashima (»die großen acht Inseln«) genannt, die Inseln Hondo (Honshū), Kyūshū, Shikoku, Awaji, Sado, Okishima, Iki und Tsushima umfassend. 2) Die Insel Yezo (Yeso), seit der Restauration Hokkaidō genannt, nördl. von Hondo zwischen der Tsugaru-und der Lapérousestraße. 3) Die Kurilen (Japan. Chishima, »Tausendinseln«), 36 größere Inseln zwischen Yezo und Kap Lopatka. 4) Die Ryū-kyū-Inseln (Luchu, Liukiu), amtlich Okinawa, zwischen der Colnettstraße und der Insel Formosa. 5) Die Insel Taiwan oder Formosa (S. [245]) und die Pescadores (S. [245]). 6) Die Bonininseln, jetzt Ogasa-wara-shima genannt, im Stillen Ozean. Hierzu kommen seit 1905 die Halbinsel Kwangtung mit Dairen (Dalny) und Port Arthur, die südliche Hälfte von Sachalin, sowie neuerdings Korea. —Die Gesamtfläche des Landes beträgt 454868 qkm (Deutsches Reich 540742 qkm).—Für den Besuch seitens der Weltreisenden kommt im allgemeinen nur der Süden und die Mitte von Alt-Japan, bis nordwärts zur Mitte von Hondo, in Betracht. Auf diese allein bezieht sich daher die nachfolgende kurze Schilderung der Landesnatur. —Alt-Japan ist ganz vorwiegend ein Gebirgsland von sehr mannigfaltiger Gesteinszusammensetzung u. sehr verwickeltem Bau, der schon in der unregelmäßigen und zerrissenen Gestalt der Inseln zum Ausdruck kommt. An dem Aufbau des Landes haben außer Massen-und Schichtgesteinen aller Altersstufen auch jungvulkanische Ablagerungen einen bedeutenden Anteil, Vulkankegel beherrschen im mittlern Hondo die Landschaft. In dem vulkanischen Gürtel, der den Stillen Ozean umgibt, bildet Japan ein wichtiges Glied mit etwa 20 ab und zu noch tätigen und Hunderten von erloschenen Vulkanen. Von erstern liegen Asotake und Kirishima (Ausbruch 1896) auf Kyūshū, Asamayama, Shirane-san und Bandaisan im mittlern Hondo, Komagatake auf Yezo. Zu den erloschenen oder ruhenden gehören viele Gipfel auf Hondo, wie der berühmte Fuji-no-yama, dessen beschneiter Gipfel in die Lüfte ragt (S. [384]). Erdbeben sind sehr häufig und ein Zeichen dafür, daß die Verschiebungen in der Erdrinde, denen auch die Vulkane ihr Dasein verdanken, hier am Außenrande des asiatischen Festlandsockels noch fortdauern.


In Hondo erreicht das Land in einigen vulkanischen Gipfeln (Fuji-san oder Fuji-no-yama 3778, Ontake 3185 m) seine höchste Erhebung und in der Meridiankette zwischen den Provinzen Shinano und Hida, den »japanischen Alpen«, den großartigsten Gebirgscharakter; mauerartig ansteigender Granit und zerklüftete Porphyrmassen erheben sich hier im Yatsugatake, bis 2932 m, während die Paßübergänge (1800-1900 m) fast nie ganz schneefrei werden. Gipfel von 2200 m Höhe und mehr sind im mittlern Hondo zahlreich; dagegen bleiben alle Berge der Hauptinsel westl. des Biwasees und der Bucht von Owari unter 2000 m.
Das Klima ist gesund. Es steht, wie in ganz Ostasien, unter der Herrschaft der Monsunwinde, also warmer, feuchter Südwinde im Sommer, kalter und lebhafter NW.-Winde im Winter. Von dem Klima des benachbarten Festlands unterscheidet es sich aber vorteilhaft durch wärmere Winter, die in erster Linie dem mildernden Einfluß der Meeresumgebung verdankt werden. Die Niederschläge sind nicht in dem Maße wie in Nordchina auf wenige Sommermonate zusammengedrängt, sondern mehr über das ganze Jahr verteilt und anderthalb bis dreimal so reichlich wie in Deutschland. Hauptregenzeiten sind Mitte Juni bis Mitte Juli sowie September und Oktober. Die dazwischen liegenden anderthalb Monate sind trockner und heiß (Mitteltemperatur des August im Süden und in der Mitte von Alt-Japan 25,5-27°, die Maxima erreichen etwa 37°). Die tiefsten im Winter vorkommenden Kältegrade sind durchaus mäßig (in Nagasaki-5°, in Kyoto -12°), aber für die Japaner in ihren unheizbaren Holzhäuschen immerhin empfindlich. Januar und Februar sind in Hondo etwa so warm, wie in Süddeutschland der März, in Kyūshū noch wärmer. Der Winter ist also bedeutend kühler als in den in gleicher Breite liegenden Mittelmeergebieten und bringt dem südl. Kyūshū (auf gleicher Breite mit dem Nildelta) gelegentlich noch Frostnächte und Schnee, den Gebirgen überall und im N. auch dem Flachlande große Schneemassen, doch keine hohen Kältegrade. Die Temperaturverhältnisse der Hauptbesuchsmonate April und Mai entsprechen etwa denen des Mai und Juni in Mittel-u. Süddeutschland. Der September ist erheblich wärmer, der Oktober nur wenig kühler als unser Juli.
Das Pflanzenkleid Japans ist infolge der milden Winter und feuchtheißen Sommer üppiger als sonst irgendwo unter gleicher Breite. Die Vegetation der niedrigeren Teile von Kyūshū, Shikoku und der Südhälfte Hondos trägt subtropischen Charakter, gegen die Südspitze hin mit Anklängen an die Tropen. Immergrüne Sträucher (Kamelien, Teestrauch, Rhododendren, Buchsbaum etc.) und Bäume walten hier vor, daneben spielen Nadelbäume —Kiefern und die schönen Kryptomerien sowie der merkwürdige Gingkobaum —eine wichtige Rolle, außerdem der Lackbaum und im Süden der Bambus. Zwergpalmen kommen auf der Westküste von Hondo nordwärts bis Tōkyō fort, eigentliche Palmen nur im Süden am Kyūshū. Das Waldkleid ist zwar in der untern, subtropischen Zone bis auf schöne Tempelwälder großenteils beseitigt, aber in den Gebirgen noch überall erhalten.
Die Bevölkerung betrug im eigentlichen Japan, ausschl. Formosa 1910: 50751919 Ew. Die Japaner sind, wenn man von den Ainu, den Ureinwohnern der Insel Yezo (vgl. S. [343]), absieht, heute ein einheitliches Volk nach Sprache, Sitte und Lebensweise, ursprünglich aber wohl ein Mischvolk, da sich außer der mongolischen Grundmasse auch mancherlei malaiische Einflüsse nachweisen lassen. Sie sind von kleinem, kräftigem Wuchs. Wie in Korea kann man einen feinern, vornehmen und einen gröbern, gewöhnlichen Typus deutlich unterscheiden. In der Entwickelung des Volkes spielte die Trennung nach Ständen eine wichtige Rolle. Diesen Ständen nach gab es 1903: 5055 Kwazoku (Edle), 2167389 Shizoku (alte Kriegerkaste, Samurai) und 44560397 Heimin (spr. hēmin, gewöhnliches Volk). Die Kwazoku (»Blume der Familien«) sind entstanden aus der Vereinigung des frühern Hofadels (Kuge) mit dem Feudaladel (Daimyō).