Einkäufe japanischer Kunsterzeugnisse führt man am besten in Kyōto und Tōkyō aus.
Sprache. Die japanische Schrift-und Umgangssprache ist aus einem heimischen Idiom, der Yamato-Kotoba, durch Beimischung vieler chinesischer Lehnwörter (in verdorbener Aussprache) hervorgegangen, ähnlich wie das moderne Englisch aus dem Angelsächsischen unter Beimischung normannisch-französischer Bestandteile entstanden ist. Die Japaner bedienen sich zum Schreiben der chinesischen Wortzeichen (ji, kanji), haben diese aber durch eine eigene Silbenschrift (Kana, zwei Systeme, aus chinesischen Zeichen abgeleitet) ergänzt. Die in den letzten Jahrzehnten wiederholt aufgetretenen Bestrebungen zugunsten der Einführung der europäischen (lateinischen) Schrift haben bislang wenig Erfolg aufzuweisen.— Auch wer nur wenige Wochen in Japan zubringt, sollte sich die Mühe geben, einige Redensarten zu lernen, um außerhalb der großen Städte sich verständlich zu machen. Für längern Aufenthalt sind einige, übrigens leicht zu erwerbende Sprachkenntnisse unbedingt nötig. Zu empfehlen hierfür sind Plauts Japanische Konversations-Grammatik (Heidelberg 1904), Der kleine Toussaint-Langenscheidt, Japanisch (Berlin 1910) sowie die englischen Kelly und Walsh's Handbooks im Taschenformat. Grammatiken gibt es von J. Hoffmann (1877, veraltet); B. H. Chamberlain, A Handbook of Colloquial Japanese, 1908; Lange (2. Aufl., Berl. 1906); Wörterbücher von Hepburn (1886), Brinckley (1896), Jukichi Inouye (1909) und viele andre kleine, auch japanisch-deutsche Wörterbücher, meist wenig befriedigend.
Wirtschaftsleben. Die Grundlage der japanischen Volkswirtschaft bildet der Ackerbau, und zwar im Klein-und Zwergbetrieb. 41 Proz. der Bodenfläche dienen ihm. Hauptfrucht ist der Reis, dessen Kultur durch die reichlichen Frühsommerregen und die darauffolgende Hitze sehr begünstigt wird. Außerdem baut man Getreide und Bohnen, Obst und Südfrüchte, allerlei Industriepflanzen (Baumwolle, Papiermaulbeerbaum, Indigo etc.).


Wichtig ist die Kultur des Teestrauches und des Maulbeerbaumes zur Zucht der Seidenraupe.—Die Viehzucht nimmt zwar neuerdings rasch zu, ist aber noch gering, und man bekommt nur wenig frische Milch und Fleisch zu kaufen.—Die Waldbestände Japans sind noch sehr groß und reich an Steineichen, Tschujabäumen, Kampferbäumen und Kryptomerien. Ein neues Forstgesetz steuert dem frühern Raubbau.—Der Bergbau fördert vor allem Kupfer, außerdem Gold, Silber, Eisen, Schwefel, Steinkohlen u. a. Auch Petroleum wird gewonnen.—Die Fischerei, besonders die Seefischerei, ist wichtig für die Volksernährung.—Die Jagd spielt keine Rolle.—Die Industrie blühte, solange Japan nach außen abgeschlossen war, hauptsächlich als Kunsthandwerk. Massenproduktion und Großindustrie haben sich aber seit der Öffnung des Landes dank der Gelehrigkeit der Japaner und dem unüberlegten Entgegenkommen der Weißen rasch entwickelt, und Japan strebt in vielen Industeriezweigen jetzt schon nach Selbständigkeit. Die Herstellung von Seiden-und Baumwollenstoffen, Porzellan, Lackwaren, Stahl-und Kupferarbeiten steht in hoher Blüte. Die Hauptfabrikstädte sind Tōkyō, Kyōto, Hyōgo, Nagasaki, Kanazawa, Nagoya und Ōsaka.— Handel. Dem fremden Verkehr geöffnete Vertragshäfen sind Yokohama, Nagasaki, Hakodate, Niigata, Hyōgo (Kobe) und Osaka, wo fremde Konsulate bestehen. Haupteinfuhrartikel: Baumwolle, Ölkuchen, Reis, Zucker, Petroleum, Wollengewebe, Eisenwaren, Maschinen etc., in Summa 1909: 394,2 Mill. Yen; Hauptausfuhrartikel: Rohseide und Seidenwaren, Baumwollengarn, Baumwollwaren, Kohlen, Kupfer, Tee etc., in Summa 1909: 413,1 Mill. Yen. Der Haupthandelsverkehr geht nach Großbritannien, Britisch-Indien, den Vereinigten Staaten, China, Deutschland etc.
Münzwesen. In Japan besteht seit 1897 Goldwährung, doch bekommt man Goldmünzen selten zu sehen; 1 Yen (Gold) hat 100 sen; 1 sen hat 10 rin. 1 Yen nach Berliner Kurswert ungefähr 2,09 M. Im Verkehr sind an Goldmünzen: 20, 10 u. 5 Yen; Silbermünzen: 50, 20, 10 sen; Nickelmünzen: 5 sen; Kupfermünzen: 2, 1, 1/2 sen. Papiergeld (viel im Umlauf) 1, 5, 10, 100 Yen und größere Scheine. Falsches Geld ist selten. Bei Reisen über Land fern von großen Städten nehme man hauptsächlich Papiergeld mit, aber nicht größere Scheine als 10 Yen, weil das Wechseln in kleinern Städten oft sehr schwierig ist. Fremde Banknoten kann man nur bei Bankgeschäften und Geldwechslern in Nagasaki, Kōbe und Yokohama wechseln.
Staatsverfassung. Japan ist seit 11. Febr. 1889 eine konstitutionelle erbliche Monarchie, deren Haupt »Tennō« (veralteter Name Mikado) in Tōkyō residiert. Der Kaiser hat die Entscheidung über Organisation des Heeres, der Flotte und der Zivilverwaltung und übt mit den zehn Ministern und einem Geheimen Rat (Sūmitsu-in) die vollstreckende Gewalt aus. Der Landtag (Kokkai) besteht aus einem Herrenhaus (Kizoku-in) und einem Abgeordnetenhaus (Shūgi-in). Das Herrenhaus (364 Mitglieder) bestand im Dezember 1910 aus 200 Mitgliedern des Adels (von ihren Standesgenossen gewählt), nämlich 14 Prinzen von Geblüt, 13 Fürsten, 30 Marquis, 17 Grafen, 70 Vicomtes, 56 Baronen, ferner 121 vom Kaiser Ernannten und 43 Vertretern der höchsten Steuerzahler. Das Abgeordnetenhaus zählt 379 Mitglieder, die bezirksweise von allen männlichen Untertanen, die wenigstens 10 Yen Steuern zahlen, öffentlich zu wählen sind. Nicht wählbar sind Offiziere, Priester und die meisten Beamten. Die Landtagsmitglieder erhalten Diäten (2000 Yen pro Jahr).—In der Verwaltung bestehen Tōkyō, Osaka und Kyōto als Großstadtbezirke (Fu), außerdem 43 Landbezirke (Ken) unter Gouverneuren (Hokkaidō und Ōkinawa nicht eingeschlossen); diese Bezirke zerfielen Ende 1908 in 538 Gun oder Kōri (Kreise) mit 61 Städten, 1140 Landstädtchen (Flecken) und 10751 Dörfern. Die Namen der frühern Provinzen sind jedoch noch vielfach in Gebrauch.— Die Rechtspflege (früher willkürlich und grausam) ist jetzt nach europäischen Rechtsgrundsätzen umgestaltet. Die Richter werden vom Kaiser oder vom Justizminister ernannt und sind unabsetzbar.


Heer und Flotte. Der Kriegsdienst war früher ein Vorrecht der Samurai, seit 1889 besteht allgemeine Wehrpflicht nach deutschem Muster; das Oberkommando führt der Kaiser, Bewaffnung nach europäischem Muster. Stärke der japanischen Armee 1911: 9820 Offiziere im Frieden, wozu im Krieg 12200 Reserve-und Landwehroffiziere treten; 255000 Mannschaften im Frieden, 740000 im Krieg außer Reserveformationen; 24000 Pferde (Kriegsstärke nicht bekannt); 990 Feldgeschütze im Frieden, Kriegsstärke etwa 1400.—Die vorzügliche Flotte verfügte 1911 über 13 Linienschiffe, 13 Panzerkreuzer, 2 Küstenpanzerschiffe, 12 geschützte Kreuzer, 4 Avisos, 58 Torpedobootszerstörer, 69 Torpedoboote, 12 Unterseeboote; im Bau waren noch 3 Linienschiffe, 4 Panzerkreuzer, 3 geschützte Kreuzer. Personal der Flotte 48000 Mann. Heer und Flotte haben ihre offensive Kraft im Kriege gegen Rußland bewährt.
Geschichte. Von den ältesten Bewohnern Japans haben sich nur geringe Spuren in Form von Wohngruben erhalten. Jünger sind schon die Ainu, Verwandte der weißen Rasse, die mindestens ganz Hokkaido bewohnten, bis sie durch Einwanderer mongolischer Rasse, die von Korea herüberkamen, zurückgedrängt wurden. Die politische Einigung erfolgte im 7. Jahrh. v. Chr. durch Jimmu Tennō, den Stammvater des heute noch regierenden Herrscherhauses. Der Tennō wurde unumschränkter Herrscher, die Provinzen wurden von Statthaltern verwaltet; Hauptstadt war 719-784 Nara, 794-1868 Kyōto. Der Mikado, mit dem chinesischen Titel »Tenshi« (Himmelssohn) und »Tennō« (himmlischer Herrscher), überließ aber allmählich die Regierungsgeschäfte ganz seinen Beamten und zog sich von der Öffentlichkeit zurück, so daß die Macht der Statthalter wuchs, die vielfach untereinander kämpften; seit dem 12. Jahrh. verwüsteten Bürgerkriege fünf Jahrhunderte das Land, der Kaiser wurde Spielball der Parteien. Gegen Ende des 12. Jahrh. vereinigte Yoritomo aus der Minamotofamilie die gesamte Zivil-und Militärgewalt in seiner Hand (Sitz in Kamakura), ließ sich vom machtlosen Mikado 1186 zum Polizeiminister, 1192 zum Sei-i-tai Shōgun (der die Barbaren besiegende große Feldherr) machen; diese Würde des Shōgunats blieb erblich. Aber nach Yoritomos Tod wiederholte sich am Hofe des Shōguns wie vorher am Hofe des Mikado die Erscheinung des Hausmeiertums, die Shikken (die ersten Beamten der Shōgune) rissen die Macht an sich. Erst im 14. Jahrh. gelang es Ashikaga Takauji, das mächtige Shōgunat der Ashikaga zu begründen, das von 1335-1573 dauerte; der Mikado war nur Schattenkaiser. Gegen Ende des 15. Jahrh. bildete sich unter den Territorialfürsten, den Daimyō, ein starker Kriegsadel (Buke), der die Ursache vieler Bürgerkriege wurde. In der 2. Hälfte des 16. Jahrh. gelang es Ōta Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi, die Ruhe im Lande herzustellen, die Macht des letzten Ashikaga-Shōgun und den Übermut der buddhistischen Bonzen zu brechen. Spätere Fehden zwischen den Daimyō endeten mit der Schlacht bei Sekigahara 1600; der Sieger, Tokugawa Ieyasu, begründete das Shōgunat der Tokugawa, das bis 1868 bestand. Fortan lag der Schwerpunkt der japanischen Politik in Yedo (jetzt Tōkyō), wo die Tokugawa-Shōgune regierten. Unter der Herrschaft der Tokugawa entwickelte sich die japanische Kultur in langem Frieden zu hoher Blüte, die Stände nahmen die S. [339] gegebenen Formen an. Aber das Drängen der fremden Mächte auf Öffnung des Handels mit dem bisher gänzlich abgeschlossenen Japan wurde für die Shōgune verhängnisvoll; nach Abschluß der Handelsverträge mit den Vereinigten Staaten und den europäischen Mächten (1854-61) verlangten die Gegner des unfähigen Shōguns Iesada die Vertreibung der fremden Barbaren und versicherten sich dabei der Zustimmung des Mikado. Gewaltakte der Daimyō von Satsuma und von Chōshū wurden 1864 durch die Beschießung von Kagoshima durch eine englische Flotte und von Shimonoseki durch eine englisch-französisch-holländisch-amerikanische Flotte gerächt, wobei die Daimyō ihre Machtlosigkeit gegen die fremden Barbaren erkannten, aber nun erst recht alle Mittel anwandten, um die alte Mikadoherrschaft wiederherzustellen.


Am 9. Nov. 1867 gab der letzte Shōgun freiwillig seine Gewalt dem damals kaum 15jährigen Mikado Mutsuhito zurück. Nun richtete der Mikado am 6. Nov. 1868 eine moderne Regierung, die Periode der Erleuchteten Regierung (Meiji) ein, nach der seitdem die Jahre amtlich gezählt werden, also 1912 = 45. Jahr Meiji; am 26. Nov. 1868 verlegte der Mikado seine Residenz von Kyōto nach Yedo, das seitdem Tōkyō (Hauptstadt des Ostens) heißt. Aus dem bisherigen mittelalterlichen Feudalstaat ging ein neuzeitlicher Beamtenstaat mit monarchischer Spitze hervor. Die alte Ständeordnung wurde aufgehoben, der Adel reformiert, Eisenbahnen, Telegraphen, Dampferlinien wurden begründet, Heer und Flotte europäisch bewaffnet und geschult, Schulzwang eingeführt, Universität und wissenschaftliche Institute wurden begründet. Unzufrieden waren nur die 400000 Samuraifamilien, die die Aufhebung ihrer Privilegien, besonders des Schwertertragens, als persönliche Schmach empfanden, und die, ebenso wie die großen Daimyō, mit 10 Proz. ihrer frühern Einkünfte abgefunden wurden. So entstanden mehrere Aufstände, deren gefährlichster, der Satsuma-Aufstand 1877, unter dem tapfern Saigō Takamori, erst nach 8 Monaten unterdrückt werden konnte und die Staatsfinanzen gänzlich erschöpfte. Um den Samurai Mitwirkung bei der Regierung zu gewähren, wurde 1889 das japanische Parlament eingerichtet und 1890 zuerst eröffnet. Noch bessere Gelegenheit, die Unzufriedenheit der patriotischen Samurai zu beheben, boten die siegreichen Kriege gegen China 1894 und 1900 sowie besonders gegen Rußland 1904, die für Japan großen Gebietszuwachs (Formosa, Korea, Sachalin, Kwangtunghalbinsel mit Port Arthur und Dalni) brachten. Seit dem Abschluß des Bündnisses mit England (am 30. Jan. 1902) rechnet Japan zu den Großmächten; durch den Sieg über Rußland ist Japans politische Bedeutung als ostasiatische Vormacht zur vollsten Geltung gelangt.
Die Literatur enthält Arbeiten über Reichsgeschichte, große Enzyklopädien, Länderbeschreibungen etc. und erzeugt geschichtliche, moralische, geographische Werke, Gedichte, Romane und Novellen, Schauspiele etc. in Menge, zum Teil illustriert. Vgl. K. Florenz, Geschichte der japanischen Literatur (Leipzig, 2 Bände, 2. Aufl. 1910); Aston, Japanese Literature, London 1899; B. H. Chamberlain, Japanese Poetry, London 1910; K. Florenz, Dichtergrüße aus dem Osten; Weißaster, ein Epos; Japanische Dramen (sämtlich Leipzig, Amelangs Verlag, illustriert und in Japan hergestellt).— Zeitungen: Die erste Tageszeitung erschien 1872; 1900 betrug die Zahl der Zeitungen und Zeitschriften 944. Es besteht nominell Preßfreiheit, doch sind die Gesetze sehr streng und gestatten leicht die Unterdrückung einer Zeitschrift.