Reisepläne für Japan. Auf 14 Tage. 1. Tag: Kōbe; 2. Tag: Nara; 3. u. 4. Tag: Kyōto; 5. Tag: Bahnfahrt über Nágoya nach Miyanóshita; 6. Tag: Miyanóshita und Hakonesee; 7. Tag: Bahnfahrt über Enóshima und Kamákura nach Yokohama; 8. Tag: Bahnfahrt über Tōkyō nach Nikkō; 9. Tag: Nikkō; 10. Tag: Bahnfahrt nach Tōkyō; 11. u. 12. Tag: Tōkyō; 13. u. 14. Tag: Yokohama. Bei sehr knapper Zeit mag man auf Osaka und Kōbe verzichten und für Yokohama nur 1 Tag ansetzen. Einkäufe japanischer Kunsterzeugnisse besorge man in Kyōto und Tōkyō.
Auf 3 Wochen. 1. Tag: Nagasaki; 2. Tag: Bahnfahrt u. Fähre nach Shimonoseki; 3. Tag: Bahnfahrt nach Kōbe mit Unterbrechung in Miyajima (oder 2. u. 3. Tag Dampferfahrt durch die Binnenlandsee nach Kōbe); 4. Tag: Hyōgo u. Kōbe; 5. Tag: Ōsaka; 6. Tag: Nara; 7. u. 8. Tag: Kyōto; 9. Tag: Biwasee und Stromschnellen; 10. Tag: Bahnfahrt nach Nagoya; 11. u. 12. Tag: Miyanóshita und Hakonesee; 13. Tag: Bahnfahrt über Enóshima u. Kamákura nach Yokohama; 14. Tag: Bahnfahrt nach Nikkō; 15. u. 16. Tag: Nikkō; 17. Tag: Bahnfahrt nach Tōkyō; 18. u. 19. Tag: Tōkyō; 20. u. 21. Tag: Yokohama.
Auf 4 Wochen: 1. u. 2. Tag: Nagasaki; 3. u. 4. Tag: Fahrt nach Kōbe (s. vorher), 1/2 Tag in Miyajima; 5. u. 6. Tag: Hyōgo und Kōbe; 7. Tag: Ōsaka; 8. Tag: Nara; 9. u. 10. Tag: Kyōto; 11. Tag: Biwasee u. Stromschnellen; 12. Tag: Bahnfahrt nach Nagoya; 13. u. 14. Tag: Miyanóshita u. Hakonesee; 15. Tag: Bahnfahrt über Enóshima und Kamákura nach Yokohama; 16. Tag: Bahnfahrt nach Nikkō; 17. u. 18. Tag: Nikkō; 19. Tag: Chuzenjisee; 20. Tag: Bahnfahrt nach Maebashi und Pferdebahn nach Ikao; 21. Tag: Ikao; 22. Tag: zu Fuß nach Harunasee und Haruna; 23. Tag: zu Fuß nach Myōgi und Bahnfahrt nach Tōkyō; 24., 25. u. 26. Tag: Tōkyō; 27. u. 28. Tag: Yokohama.
Auf 5 Wochen: wie vorher, nach dem 14. Tage schalte man eine Besteigung des Fuji mit Fußwanderungen in dessen Umgebung ein, wozu 7 Tage bequem ausreichen.
Reisezeit. Um Japan mit Ruhe kennen zu lernen, empfiehlt sich ein Aufenthalt von mehreren Monaten. Beste Reisezeit für Japan ist der Frühling, die Zeit der Kirschblüte, oder der Spätherbst von Mitte Oktober bis Mitte Dezember, die Zeit der Chrysanthemumblüte. Sommer und Spätsommer sind regnerisch, ersterer auch heiß. Des Seeklimas wegen muß man auch im Spätfrühling zwischen wunderbar schönen Tagen noch mit stürmischem und regnerischem Wetter rechnen. Ins Hochgebirge gehe man nicht vor Mai. Februar und März sind am wenigsten zu empfehlen.
Führer. Wer nur wenige Wochen für Japan Zeit hat, sollte sich, um möglichst viel zu sehen, für die ganze Zeit einen Führer nehmen; Vermittelung von Führern (auch Deutsch sprechenden) durch die Hotels oder die Welcome Society of Japan (s. unten). Man bestellt den Führer an den ersten Ort, an dem man Japan betritt.— Führer tägl. etwa 4 Yen (außer der Fahrt). Gasthofspreise 8-10 Yen tägl.; Vorausbestellung von Zimmern in der Reisezeit ratsam.
Welcome Society of Japan (Kihin kai), eine vornehme Gesellschaft zur Unterstützung des Fremdenverkehrs, begründet 1893, mit der Präsidialstelle in Tōkyō (Adresse Tōkyō-Handelskammer, Nr. 1, Itchome, Yuraka-cho, Kojimachi-ku) und Zweigstellen in Yokohama und Kōbe (Präsident Marquis Hachisuka, Vizepräsident Baron E. Shibusawa) nimmt fremde Reisende gegen 3 Yen Gebühr als Mitglieder auf und gibt mit der Mitgliedskarte eine Karte, das vorzügliche Reisebuch »Guidebook of Japan« (5. Aufl. 1910) und andre Veröffentlichungen in englischer Sprache aus. Die Mitgliedschaft erwirkt Zutritt zu manchen Sehenswürdigkeiten, Behörden und Unterrichtsanstalten in Tōkyō, Kyōto etc., die Nichtmitgliedern unzugänglich sind. Für längern Aufenthalt empfiehlt es sich sehr, der Gesellschaft beizutreten. Die Gesellschaft verschafft auch zuverlässige Führer, Dolmetscher und gut erzogene japanische Gesellschafterinnen für reisende Damen.
Gasthöfe. In allen größern Städten gibt es europäisch eingerichtete Hotels (Pensionspreis tägl. 4-10 Yen und mehr). In kleinern Landstädten findet man halb europäische oder sehr gute japanische Gasthöfe, meist sehr sauber, oft mit etwas europäischer Kost. Im japanischen Gasthof zahlt man 1-3 Yen für Abendbrot, Schlafraum und Frühstück; es ist üblich, kurz nach Ankunft im japanischen Gasthof 1-2 Yen Trinkgeld (chadai = Teegeld) zu geben, wonach der Gast eingeschätzt wird. Auch in Rasthäusern, einfachen Häuschen oder Hütten an schönen Landschaftspunkten, zahlt man etwas chadai, z. B. für eine Schale Tee 10-20 sen.
Verkehrsmittel. Die japanischen Eisenbahnen sind ordentlich; das Bahnnetz besteht zwar aus Schmalspurbahnen, ist aber weitverzweigt (8000 km Länge, fast alles Staatsbahnen), so daß man alle sehenswerten Orte mit der Bahn oder im Anschluß an die Bahn mit Dampfern erreichen kann. Man kaufe stets den monatl. erscheinenden Tedzuka's Railway and Steamship Guide (30 sen); in den großen Städten geben die Touristenagenturen oder Gasthöfe europäisch gedruckte (aber häufig falsche) Fahrpläne heraus.—Eisenbahnzeit ist die Zeit des 135.° östl. L., mithin 8 St. vor gegen Mitteleuropäische Zeit; sie gilt für ganz Japan.—Fahrkarten der Tōkaidōbahn, der Sanyō- und der Kwansei-Eisenbahn gelten für 50-100 Miles 2 Tage, darüber für je 100 Miles einen Tag länger; Fahrpreis I. Kl. etwa 4 sen für 1 Mile.
Verkehrssteuerzuschlag (Tsūkō-zei) zu den Fahrpreisen I. (II.) Kl. bis 50 Miles 5 (3), bis 100 Miles 20 (10), bis 200 Miles 40 (20), über 200 Miles 50 (25) sen; Schnellzugzuschlag bei den Hauptschnellzügen I. Kl. bis 50 Miles 1 Yen, über 150 Miles 1,50 Yen; II. Kl. 60 sen und 1 Yen. Europäer fahren meist I. Kl.; in II. Kl. hat man oft Gelegenheit, japanische Sitten genauer kennen zu lernen, was aber, wenn die Hitze groß und Kinder im Abteil, nicht immer nach jedermanns Geschmack ist. Abteile für Nichtraucher sind selten vorhanden.— Schlafwagen (mäßig) findet man nur in den Schnellzügen der Sanyōeisenbahn, der Tōkaidōbahn und der Nihonbahn (Tōkyō nach Aomori). Auf der Sanyō-und Tōkaidōbahn kostet im gewöhnlichen Schlafwagen ein Bett für die Nacht 4 Yen außer der I. Klasse-Fahrkarte, im kombinierten I. Klasse- und Schlafwagen auf der Sanyō-, Tōkaidō- und Nihonbahn 3 Yen; auf der Sanyōbahn im kombinierten II.Klasse- und Schlafwagen wird für ein Unterbett 20 sen, für ein Oberbett 40 sen als Zuschlag zur Fahrkarte II. Kl. erhoben. Schlafwagenbillette möglichst 2-3 St. vor Abfahrt bestellen!—Speisewagen führen die Schnellzüge der Sanyō-, Tōkaidō-und Nihonbahn, Speisen à la carte oder Table d'hôte sowie Getränke. Auf der Kwanseibahn sind zwischen Osaka und Nagoya Verkäufer europäischer Gerichte und Getränke im Zuge. Wenn kein Speisewagen im Zuge ist (man erkundige sich), geben die Gasthöfe gute Proviantschachteln mit.—Bahnwirtschaften europäischer Art nur in Kameyama; aber fast auf jedem Bahnhof sind Verkäufer von Lebensmitteln in saubern kleinen Holzschachteln (10 sen und mehr; »bentō« genannt) mit Papierserviette, Eßstäbchen und Holzlöffel; man erhält eingemachte Früchte, gesalzene Fische, Wurzelgemüse, Reis. Flaschenbier (teuer), Tee und Limonade (man hüte sich vor Eiswasser!) sind überall zu haben.—Gepäck bis 100 Pfund in I., 60 in II. ist frei, Überfracht nach Taxe; man achte darauf, daß das Gepäck mit dem richtigen Zettel versehen und der Zettel gut festklebt! Auch auf dem Ankunftsbahnhof kümmere man sich um sein Gepäck! Gepäckträger haben rote Mützen (daher akabōshi genannt).
Neben den Eisenbahnen ist die sehr gut ausgebildete Küstenschiffahrt das Hauptverkehrsmittel. Auf den Landstraßen kommt man mit Hilfe der von Kulis gezogenen Rikschas auf ebenem Gelände überraschend schnell vorwärts.
Feiertage für alle Ämter, Banken, Schulen etc. sind: 1., 3., 5. Jan.: Neujahrsfest (Shiunen Shuku-jitsu); 30. Jan.: Todestag des verstorbenen Kaisers (Kōmei Tennō-sai); 11. Febr.: Thronbesteigung des ersten Kaisers Jimmu Tennō (Kigen-sétsu); 21. März: Frühlingsgleiche (Shunki Kōrei-sai); 3. April: Todestag von Jimmu Tennō (Jimmu Tennō-sai); 23. Sept.: Herbstgleiche (Shūki Kōrei-sai); 17. Okt.: Herbstdankesfest (Kanname-matsuri); 3. Nov.: Kaisers Geburtstag (Tenchō*setsu); 23. Nov.: Herbstfest (Niiname-matsuri). Ortsfeiertage sind später erwähnt.
Reisen in Japan. Reisezeit s. S. [345]. Für den Sommer braucht man leichte Kleidung, für den Winter warme wie in Deutschland; Tropenhelm, Sonnenschirm und Moskitoschleier sind im Sommer zu gebrauchen. Die Gasthäuser im Innern Japans haben selten Heizung. Leichtes Schuhzeug in den Ortschaften, und nur solches, das man schnell und bequem aus-und anziehen kann (also nicht zum Schnüren), weil man bei jedem Besuch eines Hauses oder Tempels die Schuhe ausziehen muß, um die japanischen Sitzmatten nicht schmutzig zu machen. Man würde einen groben Verstoß begehen und sich Unannehmlichkeiten aussetzen, wenn man diese Sitte nicht beachtet. Die japanischen Strohsandalen sind empfehlenswert auf glattem Gestein; doch muß man die dazu passenden Socken tragen und den Strang mit Baumwolle bewickeln, der zwischen die große und zweite Zehe geklemmt wird. Wer von Reis, Eiern und Fisch allein nicht leben kann, muß sich ins Innere Lebensmittel mitnehmen; auch Wein ist nicht zu bekommen, doch mäßiges Bier in den meisten Städten. Currypulver und Soya macht die Reisgerichte schmackhafter. Wasser sollte man stets nur abgekocht trinken, besser aber nur Tee.—In der Ebene benutze man Rikschas (jap. Jinrikĭsha oder Kuruma), die Wege sind gut.