Das Ostchinesische Meer (Tunghai) erstreckt sich von der Formosastraße bis zur Koreastraße; seine Nordgrenze gegen das Gelbe Meer (Hwanghai) liegt zwischen der nördlichen Yangtsemündung und der Insel Quelpart, seine Ostgrenze nach dem Stillen Ozean hin (von dem es ein Randmeer ist) bilden die Ryū-kyū-Inseln. Es ist überall tief und frei von besondern Gefahren für die Schiffahrt, abgesehen von den Taifunen (S. [220] u. [246]). Das Gebiet, in dem diese entstehen, liegt zwischen den Marshallinseln und den Philippinen sowie auch zwischen den Bonininseln und den Ryū-kyū-Inseln. Ziemlich selten beginnen sie aber auch nahe westl. von den Philippinen. Gegen Anfang und Ende des Jahres halten sie sich mehr im südl. Gebiet, in der Haupttaifunzeit mehr im mittlern und nördl. Gebiet. Nördl. von der Linie zwischen der Yangtseinündung, der Van Diemenstraße und den Bonininseln sind die Bahnrichtungen der Taifune in der Hauptzeit nördl. bis nö. Regeln zum Erkennen der Bahnrichtung eines Taifuns sowie zum Manövrieren, um der sehr gefährlichen Sturmmitte zu entgehen, sind in den deutschen Seehandbüchern des Reichsmarineamts und der deutschen Seewarte enthalten (diese Bücher sind an Bord aller deutschen Dampfer). Über Sturmwarnungsdienst in Ostasien vgl. S. [252] unter Zikawei. In allen japanischen Häfen besteht ein sehr gut geregelter Wetterbeobachtungs- und Sturmwarnungsdienst; vorzügliche tägliche Wetterkarten für die ostasiatischen Gewässer werden vom Meteorologischen Institut in Tōkyō herausgegeben, auf denen Wetterdepeschen von der chinesischen Küste, von Formosa und den Philippinen mit verwertet werden. Das internationale Zusammenwirken zum Schutze der Seefahrenden ist in Ostasien wesentlich weiter entwickelt als in Europa, dank der Tätigkeit der Jesuitenväter in Zikawei und Manila sowie der japanischen, englischen (Hongkong) und der deutschen (Tsingtau) Regierung.—Die Linie Yangtsemündung-Van Diemenstraße bezeichnet ungefähr die Nordgrenze des Monsungebiets; man trifft daher bei der Reise von Schanghai nach japanischen Häfen veränderliche Winde, und zwar im Winter vorwiegend mäßige bis frische NW.-Winde, die viel Kälte aus dem Innern Asiens bringen, im Sommer vorwiegend schwache Südwinde. Die Meeresströmung ist auf der westl. Hälfte des Weges schwach und veränderlich, auf der östl. nordöstlich unter dem Einfluß des Kuro-shiwo (Schwarzstrom), eines warmen Stroms, der am stärksten längs der Süd-und Ostküste der japanischen Inseln, aber auch vor Nagasaki und im südl. Teil der Koreastraße fühlbar ist und sich durch blaues Wasser auszeichnet, während die aus dem Golf von Petschili von November bis April ausströmende kalte, südl. gerichtete chinesische Küstenströmung trübes, gelbliches Wasser führt.
Auf der Dampferfahrt sieht man bei der Annäherung an die japanische Küste zuerst l. die bergigen Gotoinseln, deren größte und südwestlichste, Fukae, etwa 460 m hoch ist und an ihrer SW.-Spitze den Leuchtturm von Ose Saki trägt; nach etwa 3 St. Fahrt kommen die Berge der Hauptinsel Kyūshū in Sicht, man steuert auf den Leuchtturm von Iwo Shima zu, der auf einem kahlen Gipfel steht; die Insel bleibt r., sie zeigt bis 107 m hohe Hügel. Nun führt östl. Kurs auf die äußere Einfahrt der Förde von Nagasaki zu, zwischen den Inseln Kamino Shima und Papenberg (Takaboko), beide l., und Kagenoo, r. hindurch. Auf Naginata Saki, der Nordspitze von Kagenoo, steht wieder ein Leuchtturm. Etwa 2 km nö. liegt die eigentliche, nur 550 m breite Einfahrt in die nach NO. etwa 3,5 km tief einschneidende Hafenbucht von Nagasaki. Das Landschaftsbild zeigt eine neue Welt: reich gegliederte Küste mit Felsen und Bergen, deren Abhänge Nadelwälder bedecken; dazwischen verstreut liegen am Strande Fischerdörfer, einzelne Hütten, auf den Höhen Tempel und zierliche Landhäuser. Man glaubt auf einem Gebirgssee zu fahren. Überraschend wirkt bei Sonnenschein die Buntheit der japanischen Ansiedelungen zwischen dem grünen Gehölz. Im Hintergrund r. liegt die Stadt in einem Seitentale, zieht sich aber auch an den Anhöhen hinauf; gegenüber, l., liegen Schiffswerften und große Trockendocks (Mitsubishi Dock Yards).
Nagasaki.
Vgl. beifolgenden Plan.
Ankunft. Die Dampfer ankern sw. von der frühern Insel Deshima, etwa 5-10 Min. Bootsfahrt nach der Landungsbrücke beim Zollamt; Ausschiffung geschieht meist stündlich auf kleinen Dampfbooten gratis, sonst jederzeit mit Sampan (Ruderbooten): 1 Pers. ohne Gepäck 20 sen, je ein Gepäckstück 5 sen; man landet beim Zollamt. Die Zolldurchsicht ist streng, man hüte sich, etwas zu verheimlichen; getragene Kleider etc sowie gebrauchte Sportsachen, Fahrräder, Kameras zum eignen Gebrauch sind zollfrei, auch wird üblich je eine Kiste Zigarren und Zigaretten zollfrei durchgelassen, aber sonst darf Tabak, weil Staatsmonopol, nicht eingeführt werden; alle Handelssachen müssen verzollt werden. An japanischen Festtagen (S. [346]) ist das Zollamt geschlossen.
Gasthöfe: Cliff House, Pens. tägl. 4-6 Yen.—Bellevue, 3-5 Yen.—De France, 2,50-4 Yen.—Du Japon, 3,50-5 Yen.
Restaurants. Europäisches Essen: in obigen Gasthöfen.—Japanisches Essen: Fukiro in Suwa Matsunomori; —Koyote in Kami Chikugo Machi;—Fujite in Ima Machi. Als Getränk zu empfehlen: Sake (Reiswein), warm; sonst Bier.
Post und Telegraph am Bund (Hafenstraße). Das japanische Postwesen ist nach europäischem Muster eingerichtet. —Telephon 5 sen für 5 Min. innerhalb der Stadt.
Rikschas (Kuruma): 1 St. mit 1 Kuli 25 sen, jede St. mehr 71/2 sen; 1 Tag 1 Yen; für 2. Kuli doppelter Preis; auf schlechten Wegen 10 sen mehr stündl. —Sänften (Kago), unbequem, doch für Damen bei Bergbesteigungen brauchbar; Tragstühle (Chairs) etwas bequemer. —Reitpferde.
Eisenbahn nach (262 km) Moji, an der Shimonosekistraße, in 7-10 St., I. 5,30 Yen, II. 3,18 Yen; hat durch Fährdampfer nach Shimonoseki Anschluß an das Bahnnetz von Nippon, also nach Miyajima, Kōbe, Ōsaka, Yokohama etc.; nach Kagoshima und Oita auf Kyūshū.
Plan von Nagasaki