Miyajima ist etwa 550 m hoch, felsig und dicht bewaldet, mit prächtigen Aussichtspunkten und malerischen Tälern; viel zahme Hirsche; Teehäuser und Fischerdörfer; früher durfte niemand auf der Insel geboren werden oder sterben. Jetzt beliebte Sommerfrische mit Seebad und Wallfahrtsplatz. Die *Tempel der Insel sind meist den drei Töchtern des (schintoistischen) Meergottes Susanoo geweiht, weshalb die Torii (Tempeltore) und auch die Tempelanlagen vielfach im Meere stehen. Der erste Tempel wurde im 6. Jahrh. erbaut. Die Tempel sind sehr sehenswert, enthalten groteske Schnitzereien und alte Bilder. Interessant ist das Anzünden aller Opferlaternen gegen Abend (man bestelle es bei einem Bonzen für etwa 2-4 Yen). Die große Tempelhalle Senjōjiki auf einer Anhöhe l.vom Haupttempel soll Hideyoshi aus einem einzigen Kampferbaum erbaut haben; sie diente seinem Kriegsrat vor dem großen Seezug gegen Korea am Ende des 16. Jahrh. In einem Tempel auf einem Berggipfel wird das von Kōbō Daishi (S. [357]) angezündete heilige Feuer gehütet.

Die Bahn fährt von Miyajima weiter längs der Küste;

(225 km) Hiroshima (Gasthöfe: Kikkawa; Mizoguchi, in beiden europäisches Essen), Hauptstadt der Provinz Hiroshima, mit 121196 Einw., eine sehr lebhafte Gewerbestadt (für Lack, Bronze und andres Kunsthandwerk) an der Mündung des Ōtagawa sehr malerisch gelegen; Eisenbahn nach dem (5 km) Hafenort Ujina (Gasthof Naganuma; Dampfer 3mal tägl. nach Takahama, S. [356]). Rundfahrt durch die Stadt mit Rikscha zunächst zum Landschaftspark *Sentei des Asanogeschlechts, in dessen Nähe ein fünfstöckiger Wartturm (tenshu) fast der einzige Rest des alten Daimyōschlosses ist (Zutritt verboten); neben dem alten Schloß liegt der Stadtpark Kōen mit der Tempelanlage Nigi-tsu-Jinja. Überall sieht man das Wappen der Asano, zwei gekreuzte Falkenfedern, nach dem auch der Hügel Futabayama (oben schöne *Aussicht und kleine Teehäuser) hinter dem Tempel benannt ist.—Ausflug mit Dampfer nach Kure (Gasthof Miyoshi), etwa 8 Seem. ssö. von Ujina, einer wichtigen Marinestation und Kriegswerft (Erlaubnis zur Besichtigung nur durch den Marineminister zu erwirken); auf der kleinen Insel Etajima die kaiserliche Marineschule.

Hinter Hiroshima verläßt die Bahn die Küste und läuft durch gebirgiges Land über (250 km) Hachi-kon-matsu und (274 km) Kōchi, erreicht dann die Küste wieder bei (296 km) Mihara (Gasthof Go-un-rō), Stadt mit Daimyōburgruine, und läuft längs der Meerenge, die die vorgelagerte Insel Mukōjima bildet, nach—(307 km) Onomichi (Gasthof Hamakichi; Dampfer nach Tadotsu tägl. in 3 St.), lebhaftem Hafenplatz mit schönen alten Tempeln, deren schönste Senkōji und *Saikokuji (auf dem Gipfel eines steilen Hügels, auf den eine schier endlose Treppe führt; oben *Aussicht).—Dann verläßt die Bahn kurze Zeit die Küste und erreicht—(328 km) Fukuyama (Gasthöfe: Kurisada; Yoshino-Kadan, am Bahnhof, 7 Z., Pens. 3 Yen), Hauptstadt der Provinz Bingo mit *Daimyōburg (Besichtigung erlaubt); etwa 10 km südl. liegt der malerische Hafen Tomo (Gasthof Marutsune), geeignet zu Bootsausflügen nach Abuto (Tempel der Kwannon) und nach den Inseln Benten-jima und Sensuitō (Seebad), gegenüber vom Kwannon-Tempel, 4,5 km westl. von Tomo.— Weiterhin berührt die Bahn die Küste nur bei (343 km) Kasaoka und erreicht dann—(386 km) Okayama (Gasthöfe: Miyoshi-Kadan, nahe beim Bahnhof; Jiyūsha; Zweigbahn nach Tsuyama), Hauptstadt der Provinz Bizen, mit 81025 Einw.; neben dem alten, jetzt als Schule benutzten Daimyōschloß (die »Rabenburg«) der weitberühmte Garten *Kōraku-en, eine echt altjapanische Anlage mit Hügeln, Seen, zahmen Kranichen, Brücken und Pavillons; Gymnasium (Kōtōgakkō), Medizinschule und das größte Waisenhaus Japans.

Ausflug von Samban, dem Hafenort für Okayama (3 km südl.), mit Dampfer in 11/2 St., dazu 1/2 St. Bootsfahrt nach der großen Insel Shōdoshima, wo man einen Tag zubringt, um mit Rikscha und zu Fuß einige der 88 heiligen Plätze der Insel, z. B. die Felsen von Kankake, den Wasserfall Nishi no taki, die Höhle der Göttin Beuten in Gōtō, zu besuchen. Auskunft und Führer besorgt die Agentur der Dampfer (funa-donya) an der Landungsbrücke. Gelegenheit zum Übernachten in den Hauptorten Tonoshō und Fuchizaki.—Über Uchi no Umi vgl. S. [358].

Hinter Okayama bleibt die Bahn der Küste fern und führt über unbedeutende Plätze durch bergige Landschaft nach—(475 km) Himeji (Gasthof Akamatsu; europ. Speisehaus: Daishika; Toyo, Bierhalle; Zweigbahn nach Ikuno, mit Silberminen, und nach den heißen Quellen von Kinosaki, auch Yushima genannt [Gasthof Ōmeikan], schöne Sommerfrische), Hauptstadt der Provinz Harima mit 36509 Einw. und lebhaftem Handel; sehenswerte *Daimyōburg Rojō, vorzüglich erhalten, fünfstöckig, oben *Aussicht (Erlaubnis zum Besuch beim Kenchō, Präfektur, in Himeji oder Kōbe vorher einholen), gegründet 1339 von Akamatsu Sadanori, geschichtlich berühmt, jetzt Kaserne einer Division.—Hinter Himeji ist bei (483 km) Sone (Amida) Gelegenheit zu Ausflügen mit Rikscha nach den Stranddörfern Sone und Takasago (Gasthof Shikataya); in der Nähe die sehr alten, heiligen Kiefern Ai-oi no Matsu (die »zusammenwachsenden Kiefern«, als Symbole der Langlebigkeit und der ehelichen Treue in der japanischen Poesie oft genannt) und andre in Literatur oder Geschichte berühmte Örtlichkeiten (z. B. das Tal Ichi-no-tani, wo 1184 große Schlacht zwischen den Minamoto und Taira) sowie ein Tenjintempel; man erreicht nach kurzer Rundfahrt die Bahn wieder bei (491 km) Kakogawa. Nun nähert sich die Bahn der Küste und erreicht sie bei (511 km) Akashi (Gasthof Yebisuya; europ. Speisehaus: Jiyūtei-Restaurant), mit hübschem Shintōtempel zu Ehren des alten Dichters Hitomaro und großer Daimyōburgruine, auch Nullmeridian für die japanische Zeit.—Dann folgen die hübschen Seebäder (515 km) Maiko (Gasthof Manki-rō); (520 km) Shioya (Oriental's Seaside Villa) und (523 km) Suma (Gasthof Hoyōin), wo viele Europäer aus Kōbe Sommerwohnung haben.—Nun folgen die Vorstadt (525 km) Takatori, dann (528 km) Hyōgo und Kōbe-Hauptbahnhof und schließlich (530 km) Bahnhof Sannomiya von Kōbe.

Kōbe-Hyōgo.

Vgl. [beifolgenden Plan].

Ankunft zur See. Von Shimonoseki durch die Binnenlandsee kommend, vgl. S. [356]; von Schanghai außen herum vgl. S. [347]. In die Linschotenstraße steuert man mit südlichem Kurs hinein, wobei das hohe Kap Murotosaki und die bergige Landspitze Hi no Misaki (mit Leuchtturm) die besten Landmarken sind. Weiter innen erkennt man bald die scharfen Gipfel von Numashima, Tomagashima und die Kuppe des Takayama, des höchsten Berges im südlichen Teile der Insel Awaji. Durch die mit zwei Inseln besetzte Izumistraße (Tomagashima suido) steuert man dann in die Izumi Nada (den Golf von Ōsaka) ein und ankert nach kaum 2 St. auf der schönen malerischen Reede von Kōbe, hinter deren flachen Küste sich die bis 914 m hohen Berge erheben. Ausschiffung mit Dampfbooten der Schiffsagenturen oder Hotels 1-2stündl. frei oder mit Sampan, etwa 20-50 sen für eine Person je nach Entfernung (Tarif auf Tafel der Landungsbrücke). Zolldurchsicht (S. [349]) für Schiffsreisende, die aus dem Auslande kommen, im Zollamt der East Hatoba (östl. Bootshafen) beim Fremdenviertel.
Gasthöfe: Tor Hotel (deutscher Leiter), Prachtbau I. Ranges, auf dem Hügel schön gelegen, Garten, Pens. von 8 Yen an; sehr zu empfehlen, Auto zur Stadt frei. — Oriental, Kyō-Machi 80 (Neubau am Bund), Pens. von 8 Yen an. — Mikado, in der Nähe des Kōbe-Bahnhofs, 15 Min. Rikschafahrt von der Fremdenniederlassung, II. Ranges; ebenso Pleasanton, California u. a. — Restaurants: Grill Room im Oriental Hotel sowie bei Sannomiya und Kōbe-Station; japanisch: Nishimura, Gotō. — Tokiwa-Kadan, beim Kōbe-Bahnhof, oder Nishi-Tokiwa, beim Suwayama, Teehäuser für japanische Gastmahlzeit mit Tanz (vorauszubestellen, teuer).
Post (Sannomiya Postoffice) in der Fremdenniederlassung Nr. 33. — Telegraph neben der Sannomiya-Bahnstation (s. oben). — Rikschas 1 St. 25 sen mit 1 Kuli, 50 sen mit 2 Kulis; jede Stunde mehr 20 sen, für 2 Kulis doppelt; 1/2 Tag 1 Yen, 1 Tag 1,50 Yen; bei Dunkelheit 20 Proz., bei Regenwetter 30 Proz. mehr; innerhalb der Stadt kleinere Taxe, für die man an den Bahnhofsausgängen Tickets lösen kann.
Wagen (Mikado Hotel): Einspänner 1/2 Tag 3 Yen, 1 Tag 5 Yen; Zweispänner (3-4 Pers.) 1/2 Tag 5 Yen, 1 Tag 9 Yen.
Elektrische Stadtbahn vom Bahnhof Hyōgo nach Kōbe am Settlement vorbei; vom Hyōgo-Bahnhof nach Suma, alle 5-10 Min.
Eisenbahnen: Hauptbahnhof am Südende der Stadt, nahe bei Hyōgo; für die Fremdenniederlassung ist der Bahnhof Sannomiya am nächsten, weshalb man Fahrkarte stets nach dieser Station lösen soll. Von Kōbe fährt die Sanyōbahn nach Shimonoseki (S. [355]), die Tōkaidōstaatsbahn nach Tōkyō (S. [393]).
Dampfer: Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd (Agentur H. Ahrens & Co. Nachf., Bund Nr. 10, Tel.-Adresse »Nordlloyd«), 14tägig mit Dampfer der Europa-Linie über Nagasaki oder Tsingtau nach Europa sowie nach Yokohama; mit Dampfer der Austral-Japan-Linie jede 4. Woche nach Australien über Hongkong, Manila und Neuguinea, oder nach Yokohama. — Hamburg-Amerika Linie (Agentur C. Illies & Co.). — Österreichischer Lloyd (Agentur Samuel, Samuel & Co.), monatl. nach Schanghai. — Messageries Maritimes (Agentur G. Abily, Mayemachi Nr. 8), 14tägig nach Yokohama und Europa über Schanghai.