Geschichtliches. Allahabad kommt um 250 v. Chr. unter dem Namen Prayâga (»Opferstätte«) vor. Akbar baute 1572 hier sein Fort Ilâhabâs, das Schah Jahan I. (1632-56) dann Allahabad (»Stadt Gottes«) nannte. Die Stadt gehörte zum Reiche des Großmoguls, bis sie 1753 durch den Wesir Safter Jang von Audh erobert ward. Aber schon 1765 wurde sie von den Briten besetzt und dem Großmogul Schah Alam zur Residenz angewiesen. Nachdem dieser 1771 Allahabad verlassen hatte, überließen es die Engländer durch den Vertrag vom Jahre 1773 dem Naib von Audh, der es endlich an die Ostindische Kompanie abtrat.

Die Stadt Allahabad, Hauptstadt der Nordwestprovinzen, mit 172032 Einw. (etwa 2/3 Hindu, 1/3 Mohammedaner, 6000 Christen), liegt auf der Landzunge an der Mündung der Jumna in den Ganges, an deren Spitze das große, von Akbar erbaute, von den Briten umgestaltete Fort liegt (Besichtigung nur mit Erlaubnis der Militärbehörde; längere Wagenfahrt dazu erforderlich); es umschließt Kasernen, Pulvermagazin, Arsenal für 30000 Mann, die berühmte Säule des Asoka (240 v. Chr.), einen unterirdischen Tempel mit dem ewigen Feigen-oder Banyanbaum. Allahabad besteht aus dem engen Eingebornenviertel mit ärmlichen Lehmhütten neben prächtigen Palästen und dem schönen, gartenreichen europäischen Viertel. Hervorragende Bauten hat die Stadt wenige, z. B. den Palast des Gouverneurs, Kasernen, Verwaltungs-und Gerichtsgebäude, die Große Moschee, das Serail von Khusru zur unentgeltlichen Aufnahme von Reisenden, den Khusru Bagh (mit malerischem, hohem Festungstor, durch das man in die gepflegten Gärten mit drei Mausoleen gelangt), katholische und anglikanische Kirche, Bibliothek und Museum, Stadthaus, das Muir Central College, das große Zentralgefängnis zu Náini. Allahabad ist berühmter Wallfahrtsort, wo sich, um im Ganges zu baden, im Dezember und Januar 250000, alle 12 Jahre aber eine Million Pilger versammeln. Dann wird hier die Magh Mela, eine religiöse uralte Messe, abgehalten.

Mit der Bahn über (363 M) Mughalo Sarai Junction Station (Speiseraum im Bahnhof), hier umsteigen! Dann über die fast 1,5 km lange Stahlbrücke über den Ganges nach (373 M, 560 km) Benares (82 m).

Benares.

Vgl. den Plan S. [91].

Ankunft auf Cantonment Station der Oudh and Rohilkhand Railway; auch direkt von Lucknow (S. [88]) über (88 M) Fyzabad und (118 M) Jampur nach (199 M, 320 km) Benares; letztere Strecke ist etwa 88 km kürzer.
Gasthöfe (beide liegen 4,5 km landeinwärts vom Ganges und von der Eingebornenstadt): Clark's Hotel, 25 Z., Pens. von 7 Rup. an, gelobt; Hôtel de Paris, 60 Z., gelobt; beide Hotels mit Garten.—Bank: Bank of Bengal, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft. —Führer zum Besuch der Eingebornenstadt und Basare sind unentbehrlich wegen der engen, wirren Straßen.—Wagen besorgt das Hotel, Zweispänner 8 Rup. für 1, 4 Rup. für 1/2 Tag; Droschken nach Tarif; empfohlenen Fremden stellt zuweilen der Maharadschah von Vijayanagrum seinen Staatswagen.—Kuriositäten: Seidenstickereien, Schals, Messinggefäße, indische Nippsachen, Malereien, Goldschmiedearbeiten in den Basaren der Eingebornenstadt.
Geschichtliches. Benares war schon im 6. Jahrh. v. Chr. der Mittelpunkt der Religion des Buddha, der hier zuerst »das Rad seiner Lehre drehte«, was durch eine riesige Stûpa (Reliquienbehälter) 5 km nördl. von Benares der Nachwelt überliefert wurde. Später, nach dem Untergang des indischen Buddhismus, war es einer der Hauptsitze des Brahmanismus und wurde dann nach seiner Einnahme durch die Mogulkaiser (1194) 600 Jahre lang von Mohammedanern beherrscht. Diese vermochten den Brahmanismus nicht ganz zu unterdrücken, der sich seit dem 18. Jahrhundert, nach dem Sturz der Herrschaft der Großmoguln, rasch von neuem erhob und heute in Benares wieder eine der Hauptpflegestätten brahmanischer Philosophie verehrt. So ist Benares durch die Mannigfaltigkeit der in seinen Mauern gepflegten Religionen wie seiner Denkmäler religiöser Baukunst eine der merkwürdigsten Städte der Erde geworden: Buddhismus, Brahmanismus und Islam haben ihre Andachtsstätten hier errichtet, Brahmanismus (Hindu-Religion) und Islam blühen noch heute, dazu der Schiwa-Kult, der in ziemlich starkem Gegensatze zum Brahmanismus steht, da seine Anhänger (die Lingaiten, nach dem Symbol des Schiwa, dem Lingam, genannt) die Vorrechte der Brahmanen verwerfen, und schließlich die Sekte der Dschain, die ebenso alt wie der Buddhismus ist und diesem in mancher Hinsicht ähnelt.
Zeiteinteilung. 1. Tag: Vor Sonnenaufgang Stromfahrt auf dem Ganges vom Dasaswamedh Ghat aufwärts mit Besichtigung der Leichenverbrennungsstätte Manikarnika Ghat, der Aurangzeb-Moschee und des nur vom Boot aus besuchbaren Nepalese-Tempels (Boot für 2 St. 3 Rup.—Frühstück mitnehmen). Nach Frühstück mit Boot zum Affentempel, Goldenen Tempel, kleine Aurangzeb-Moschee, andere Tempel, den Brass Market (Messingarbeiten sind Spezialität von Benares). Dann Lunch im Hotel; nachher Fahrt nach Sarnath (Museum).—2. Tag: Droschkenfahrt zum Kuhtempel Annapurna, dann verschiedene Tempel, Brunnen des Wissens, Anand-Bagh-Garten, Annie Besant's Hindu College (theosophische Gesellschaft), Basare in der Eingebornenstadt.—Nm. Fahrt nach Belipur, Spazierfahrt im englischen Viertel.

Plan von Benares.

Benares (82 m), Banaras, Warânasi (»im Besitz des besten Wassers«, früher auch Kasi genannt), Bezirkshauptstadt mit 209331 Einw. (vorwiegend Hindu), ist seit 21/2 Jahrtausenden Hauptsitz brahmanischer Gelehrsamkeit und als heiligste Stadt der Hindu der besuchteste indische Wallfahrtsort. Viele reiche Hindu haben sich hier Paläste erbaut, wo sie ihre letzten Tage hinbringen; wer in der heiligen Stadt in der Gunst der Brahmanen stirbt, ist sicher, unmittelbar in den Schoß der Gottheit aufgenommen zu werden. Täglich pilgern Tausende, an Festtagen Hunderttausende hierher, um im Ganges Gebete und Waschungen zu verrichten oder Krüge mit dem Wasser des heiligen Stromes zu füllen, das bis zur Südspitze Indiens getragen wird; seine Versendung ist ein wichtiger Industriezweig. Kranke lassen sich hierhertragen, um angesichts des heiligen Stromes zu sterben. Benares hat 1454 meist kleine Hindutempel, 272 Moscheen, mehrere Dschaintempel, einen buddhistischen Tempel. NB. Eintritt in alle Tempel, außer Affentempel und Kuhtempel, ist Europäern verboten! Die prächtigste Ansicht gewährt die Stadt von dem 540-780 m breiten Ganges aus, an dessen weitem Bogen sie sich hinzieht. Alle andern Gebäude überragt die Moschee Aurangzebs mit ihren schlanken, 35 m hohen Minarets. Ein mächtiger Bau ist auch die 1693 errichtete Sternwarte (s. unten). Zwischen Paläste und Tempel drängen sich elende Hütten, das Innere der Stadt ist ein Gewirr enger, schmutziger Gassen. Das saubere englische Viertel (Sikraul) enthält eine Kirche, ein Hospital, Kasernen, 3 höhere Schulen, 3 englische Missionsanstalten, eine Bank. Die durch den Fremdenverkehr geförderte Industrie erzeugt Seidenstoffe, Schals, Gold-und Silberstickereien, Juwelierwaren, Messinggefäße (berühmt auf dem Messingmarkt, Brass market), Lackwaren. Der Handel, unterstützt durch Dampfschiffahrt auf dem Ganges und die Bahnen, vertreibt heimischen Zucker, Indigo, Salpeter und führt europäische Waren ein. Benares enthält eine höhere Hindu-und eine höhere Sanskritschule, das Benaresinstitut, eine Gesellschaft meist eingeborner Männer, und die Carmichael-Bibliothek.