Nach arabischer (mohammedanischer) Sage soll Ceylon das Paradies gewesen sein, aus dem Adam vom Engel auf den Berg getrieben wurde, wo Adam so lange stand, bis sein Fuß sich in den Gneisfelsen bohrte; seine Tränen flossen zu einem kleinen See zusammen, dessen Wasser noch heute als wundertätig und heilwirkend gilt. Ehe Buddha in den Himmel zurückkehrte, berührte sein Fuß zum letzten Male den Gipfel des Samanala (so wird der Adam's Pik von den Buddhisten genannt). Ähnliches erzählen die Tamulen und Malabaren von Schiwa, die Christen vom heiligen Thomas. Die erste Beschreibung einer Besteigung des Piks stammt vom arabischen Arzt Ibn Batuta (1340); schon damals führten zwei Pilgerwege hinauf: der rauhe beschwerliche Baba- (Adams-) Weg und der bequemere Mama-(Evas-) Weg; ersterer führt zuletzt auf eingehauenen Stufen eine steile Felswand hinauf, für die fromme Pilger Festhalteketten gestiftet haben; die letzte ist die »Kette der Erkenntnis«, weil sie plötzlich einen Ausblick in einen Abgrund gewährt (nach Cäcilie von Rodt, »Reise einer Schweizerin um die Welt«).
Wenn man von Kandy Wagen, Träger und Führer vorausbestellt, kann man die Besteigung von Hatton in einem Tag ausführen; doch übernachtet man gewöhnlich in einer Hütte auf dem Gipfel, um den Sonnenaufgang und dabei den merkwürdigen Schatten des Piks zu sehen. Proviant mitnehmen! Der Aufstieg wird jährlich von Tausenden von Pilgern jedes Alters und Geschlechts ausgeführt, ist aber für Personen, die an Schwindel leiden, nicht völlig sicher! Man fährt mit Wagen von Hatton bis (22 km) Laxapana (guter Gasthof); dann ist noch Reitweg etwa 5 km (Pferde mitnehmen von Hatton). Tragsessel sollen in Laxapana zu haben sein. Der steile Aufstieg von etwa 460 m führt anfangs noch durch Teepflanzungen auf ausgetretenen Wegen zum Tempelchen auf dem Gipfel.
Von Hatton führt die Bahn zunächst etwas bergab nach (41 M) Talawakele und steigt von da gleichmäßig nach (54 M) Nanuoya (1613 m), dann umsteigen und auf Zweiglinie mit weiterer Steigung von 280 m in zahlreichen Windungen bis zur Endstation
(61 M, 98 km) Nuwara Eliya, englisch abgekürzt Nurelia (1893 m; wegen Vorausbestellung der Unterkunft vgl. S. [110]! Grand Hôtel [deutscher Manager P. Werner], 122 Z. von 31/2 Rup. an, Lunch 2, Dinner 3, Supp. 11/2, Pens. [wenigstens 3 Tage] von 11 Rup. an, gut; St. Andrews Hotel [deutscher Besitzer Humbert], Pens 8-10 Rup., einfacher, aber gut und in bester Lage; New Keena House, kleines Familienhaus, zum Grand Hôtel gehörig, Pens. 12 Rup., 18 Z.; außerdem Pensionshäuser und Klubhaus; National Bank of India Ltd., Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank), auf einer Hochebene gelegen, besteht aus vielen, zum Teil im Wald oder Garten versteckten Bungalows, darunter der Sommersitz des Gouverneurs. Von November bis April ist es von den Europäern auf Ceylon sehr besucht; in dieser Zeit heiße Tage, aber kalte Nächte. Von Mitte Mai bis Mitte September im SW.-Monsun nasses und kaltes Wetter; Mitte Oktober bei Eintritt des NO.-Monsuns Regen und Sturm. Das Klima ist sehr feucht, aber im Gegensatz zum Tropenklima sehr gesund und erfrischend, die Gegend fieberfrei; Luftwärme im Jahresmittel 14,1° C, im Januar 13,1°, im Mai 15,5°, im Juli 13,8°, im Oktober 14,4°; gelegentlich tritt Frost auf, aber die Sonnenwirkung ist doch stets kräftig. 202 Regentage im Jahre.—Nahe bei Nurelia eine Teefaktorei (Naseby Estate), wo man die Bearbeitung des Tees beobachten kann (interessant).
Längerer Aufenthalt in Nuwara Eliya bietet Ausflüge zu Pferde oder im Wagen auf der Hochebene nach dem Rambodapaß (hin und zurück 10 km; jenseit des Passes Teefaktoreien, Betrieb gern gezeigt); um den See (10 km); um die Moon Plains (15 km); 2 Tage fordert ein Ausflug zu Pferd nach den Horton Plains (großes Rasthaus, sehr gut, Platz vorausbestellen), 45 km von Nuwara Eliya, in wilder Gebirgsgegend an schroffen Abhängen. Herrlicher *Blick in der SW.-Ecke (2100 m) von Horton Plains, bei»World's End«, senkrecht 1500 m hinab ins Tiefland. Man hüte sich vor dem weichen Moorgrund, der bei Nuwara Eliya häufig vorkommt. (Horton Plains und Elk Plains sind Eldorados für Jäger: Hirsche, Rehe, Wildschweine, Hasen, Fasanen, sogar Leoparden.)—Vom Grand Hôtel 3/4 St. bequemer Weg auf den Single Tree Hill, herrliche Rundschau (man nehme einen Jungen zur Führung mit, um sich nicht zu verlaufen).—Von Nuwara Eliya mit der Bahn 3/4 St. (zu Wagen 1 St.) nach Randapola (2070 m), herrlicher Blick ins Tiefland.
Ausflug nach Hakgala, 10 km sö., mit Wagen (Zweisp. 6 Rup. hin und zurück; Rikscha 3,30 Rup.) am malerischen See entlang nach dem kleinen Botanischen Garten von Hakgala, der sehr malerische Ausblicke auf die Hakgala-Berge bietet. Von den Terrassen sieht man hinter einem tiefen Tale den Mamuna-Pik.—Von Hakgala östl. guter Fahrweg über (21 km) Wilson's Bungalow (gutes Rasthaus) durch tiefe Täler über (42 km) Etampitiya (gutes Rasthaus) nach (60 km) Badulla (gutes Rasthaus), der Hauptstadt der Provinz Uva, einer der ältesten und malerischsten Städte Ceylons, mitten zwischen Teepflanzungen.
Besteigung des *Pedrotallagalla (engl. Pidauru Talagala; 2538 m), des höchsten Berges auf Ceylon, nicht zu versäumen; von Nuwara Eliya aus sehr bequem zu Fuß (auch für Damen) in 2 St. auszuführen. Der sehr gute Promenadenweg führt am Keena House vorüber durch hochstämmigen Rhododendronwald mit Keenabäumen zwischen dichtem Gestrüpp von wilden Rosen und Farnen über verschiedene Bäche durch Dschungeln. Oft trifft man Scharen schwarzer Affen.
»Die Spitze trägt eine kreisrunde Steinmauer mit einem trigonometrischen Signalkreuz. Die *Aussicht trifft ringsum auf Bergland; von unten blinkt der See von Nuwara Eliya herauf, um den sich die Häuschen als dunkle Punkte gruppieren; die Straßen winden sich wie Schlangen in die Berge« (Hans Meyer). Auch der Adam's Peak und das Meer sind bei klarem Wetter zu sehen. Da der Berg Wetterscheide ist, trifft man oben meist sehr kalten Wind (also zuletzt langsam steigen und oben Decke oder Mantel benutzen!). Achtung beim Abstieg, der lehmige, feuchte Boden ist oft sehr schlüpfrig.
Ausflug nach Bandarawela: Mit der Bahn von Nuwara Eliya über (16 km) Nanuoya (S. 122) und weiter über (49 km) Haputale (Rasthaus) und den höchsten Punkt der Bahn (1896 m) nach (71 km) Bandarawela (guter Gasthof), einer aufblühenden Sommerfrische, einfacher als Nuwara Eliya, aber mit dem angenehmsten Klima; von hier mit Postwagen über (23 km) Dikwella nach (etwa 30 km) Badulla (s. vorher).
Von Bandarawela sehr schöne Autofahrt (s. S. [110]) über Haputale (s. oben) nach (24 km) Haldamulla (Rasthaus)—von hier Seitenweg nach Koslande (Rasthaus), am sehr schönen Naulawasserfall vorbei in das Jagdgebiet von Wellawaya (Rasthaus), dann zurück nach Haldamulla und auf der Hauptchaussee weiter über (37 km) Beliholoya (Rasthaus) in romantischer Landschaft nach (56 km) Balangoda (Rasthaus); von da durch prächtige, abwechselungsreiche Tropenflora nach (102 km) *Ratnapura (gutes Rasthaus), Provinzhauptstadt mit berühmter Edelsteingewinnung (Katzenaugen, Rubine, Türkisen, Opale, Saphire, Topase) durch Auswaschung des Lehmbodens; schönste Landschaftsbilder bieten Blicke vom Gipfel des Forts, von der Hängebrücke und der Circular Road; nahebei auf dem Saumpfad, der von der Brücke nach Gilimale führt, prächtiger *Ausblick auf den Adam's Peak (S. [121]), der auch von Ratnapura aus bestiegen werden kann: Man reitet bis (11 km) Gilimale, einem großen Dorf, wandert von da zu Fuß über (8 km) Palabaddala, Pilgerhaltestelle, steigt dann steil nach (21 km von Gilimale) Heramitipana (großer Pilgerbungalow) am Fuß des Peaks und hat dann noch 5 km steilen Aufstieg zum Gipfel (S. [121]).
Von Ratnapura Rückfahrt über Pussella, Avisawella, Hanwella und Kaduwella (Orte mit Rasthäusern) nach Colombo.
Die Rückfahrt von Nuwara Eliya nach Kandy über (64 km) Gampola (Rasthaus), Wagenfahrt auf guter Straße meist bergab, bietet bessere Gelegenheit als die Bahnfahrt, die Veränderungen des Pflanzenwuchses nach der Höhenlage zu beobachten. Etwa halbwegs in Ramboda (gutes Rasthaus mit Verpflegung) liegt etwa ein Dutzend schöner Wasserfälle nahe beieinander. Von Gampola mit der Bahn zurück nach Kandy.
Nach Lanka Telika s. S. [118].
Küstenfahrt rund um Ceylon.
Dampfer der Ceylon Steamship Co. (Agent Walker, Sons & Co., Colombo) von Colombo jeden zweiten Mi. u. Fr. Nm. abwechselnd nach Norden oder nach Süden; Fahrzeit etwa 8 Tage; Fahrpreis 125 Rup.
Die Nordrundfahrt führt zunächst nach Pambam auf dem Westende der Insel Rameswaram, am Westende der Adamsbrücke, einer 23 km langen Kette kleiner Inseln und großer Riffe zwischen der Westspitze der Insel Manár und der Ostspitze der flachen, sandigen Insel Rameswaram (Eisenbahnüberbrückung nach Indien im Bau). Nach mohammedanischem Glauben soll Adam über die Adamsbrücke aus dem Paradiese (Ceylon) vertrieben sein. Pambam liegt an der einzigen Durchfahrt (Pambam Passage) zwischen dem Golf von Manár und der Palkstraße.
*Rameswaram (Ramisseram), Überfahrt von Mandapam (Endpunkt der Zweigbahn von Madura, S. [126]) mit Dampfboot, hat den schönsten drawidischen *Tempel Indiens mit berühmten Heiligtümern, die von großen Pilgerscharen besucht werden. Der große Tempel steht im nördl. Teil der Insel, südl. von ihm liegt ein Frischwassersee; besonders schön sind die fast 120 m langen Tempelhallen.
Von Pambam nordwärts dampfend, erreicht man am nächsten Morgen Kankesanturai, den Hafen von Jaffna (Rasthaus), einer blühenden Stadt mit alten holländischen Forts und Kirchen, Sitz amerikanischer Missionsgesellschaften. Jaffna hat sehenswerte Hindutempel sowie schöne Umgebung. Eisenbahn von Jaffna über Pallai nach Anuradhapura (S. [119]).—Point Pedro, der nächste Anlegeplatz des Dampfers, bietet nichts.—Dann steuert der Dampfer sö.
Trincomali (Rasthaus); Postautomobile nach Anuradhapura (S. [119]) und Dambulla (S. [119]), wichtiger Kriegshafen in der Geschichte der Seekriege des 17. und 18. Jahrhunderts, wurde 1622 den Malabaren von den Portugiesen entrissen, 1639 von den Holländern erobert, 1673 den Franzosen, 1674 den Holländern, 1782 den Franzosen, 1783 den Holländern und schließlich von den Engländern seit 1795 behauptet. Im innern Hafen eine Marinewerft; der Ort ist stark befestigt und hat etwa 10000 Einw. Guter Fahrweg nach (92 km) Anuradhapura (S. [119]).—In der nächsten Nacht läuft der Dampfer nach
Batticaloa oder Baticalia (Rasthaus), Hauptstadt der Ostprovinz Ceylons, mit berühmten Webereien, auf einer Insel in einem tief einschneidenden Meeresarm; im Gewässer nahe der Stadt leben die berühmten singenden Fische (Cerithium palustre), eine Art Muschelfisch, deren volle, sonore Töne man in den Nächten vor und nach Vollmond im Boot belauschen kann (sehr wirkungsvoll, wenn man das Ohr durch einen Stock oder Zweig mit dem Wasser verbindet).— Der Dampfer fährt weiter nach Hambantota (Rasthaus), einem kleinen, schlechten Hafen; in dessen Nähe an der Küste nö. liegt (34 km) Kirinde (Rasthaus), von wo ein Weg nach (13 km) Tissamaharama, einer der ältesten verlassenen Königsstädte von Ceylon mit sehr alten, sehenswerten Ruinen, führt.