»Gott im Himmel, rede nicht so! Du pflegst ja sonst zu denen zu gehören, die nicht verzweifeln. Dies ist eine fremde Sprache in deinem Mund.«

»Seitdem Seine Majestät die volle Gewißheit hat, daß seine Untertanen anfangen, ihn herauszufordern und ihm zu trotzen, reitet er mit der gleichen Hitze heimwärts wie zu einer Schlacht … Was soll man auch nach den letzten Neuigkeiten glauben? Das Land ist ohne Regierung … Die Ämter stehen still wie das Mühlrad an einem versiegten Bache. Die Reichstags- und die Ratsherren sprechen von Absetzen … Wir hätten einen brennenden Aufruhr, wenn die Schweden nicht ein so gesetztreues Volk wären … Und dann ist es eben das, daß er der Fürst ist! Wimmre und jammre nur nicht, lieber Müller, denn alles das ist ja nur dein eigenes altes Lied … Und sei nicht so verflucht geizig mit dem Zucker, sondern schütte des Mannes ganze Tüte über die Pfannkuchen aus … Und halte den Kopf hoch! Adieu!«

Müller stand bekümmert und ohne antworten zu können mitten im Zimmer. Auf seinem Gesichte malte sich die größte Verwunderung, denn er hörte durch die Tür Grothusen einem kleinen Tambour zurufen:

»August! Such einmal eine ordentliche Trommel heraus! Häng sie dir um, und komm mit mir in den Basar.«

Müller schüttelte den Kopf und setzte sich wieder zu seinen Pfannkuchen.

»Was in Jesu Namen wird Grothusen jetzt für Tollheiten begehen mit der Trommel?«


Am nächsten Morgen zogen die Schweden frühzeitig von Demotica aus, um endlich die Heimfahrt nach der Ostseeküste anzutreten. Hunderte von Meilen hatten sie zu wandern durch Bergpässe und durch Wälder. Hinter ihnen ritt eine lange Reihe Türken, Juden und Armenier mit ihren Säcken und Bündeln. Es waren ihrer siebzig der gierigsten Gläubiger. Der König war froh und strahlend, und die Stadtbewohner mit ihren verschleierten Frauen flehten Gottes Segen herab auf den fortziehenden Helden. Nur Grothusen blieb zurück, denn seine türkischen Freunde hielten ihn noch in der Tür fest. Der eine stopfte ihm ein Tintenfaß in die Hand, der andere steckte ihm eine Tabakspfeife in den Mund, und die schwarzen Diener zogen ihn an seinem Rock. Seine großen Nasenlöcher hielt er hoch in die Luft, und mit Grandezza entleerte er seine Rockschöße über die Hände der Diener. Dann öffnete er das Schloß zu seiner Kleiderkiste.

»Liebster, liebster Freund,« sagte er, »diese ausgesuchte Nachtmütze habe ich eigens für dich anfertigen lassen und selbst benutzt, damit sie dir ein wirkliches Andenken an mich werden solle … Und du, mein Vater! Diese splitterneuen Pantoffel … Du wunderst dich, daß sie so niedergetreten sind … In höchst eigner Person bin ich fleißig in ihnen gegangen, um herauszufinden, ob sie nicht zu hart für deine Füße sind … Und du nimm diesen seidenen Schlafrock …«

Wie ein Verfolgter sprang er auf seinen Wagen und befahl dem Kutscher, davonzufahren.