Als die Schweden am Abend nach Timurtasch kamen, überreichte ein Pascha dem König, als Geschenk vom Sultan, ein seidenes Zelt und einen Säbel mit edelsteinbesetztem Handgriff.
»Jetzt geht mein Zobelpelz dahin!« sagte Grothusen halblaut zum König. »Eine andere Gegengabe ist nicht aufzutreiben, und Eure Majestät selbst haben ja nichts als einen verstaubten Rock und ein halbes Dutzend grober Soldatenhemden.«
»Leihe mir auch das Tintenfaß und die Pfeife, die du neuerdings bekamst,« antwortete der König, den Schalk im Auge. »Ich müßte dem Häuptling des Janitscharengeleites auch etwas verehren.«
»Schenke den ganzen alten Grothusen als Eunuchen in des Sultans Serail!« jubelte Grothusen und rieb sich die Hände und wurde immer mutwilliger, je spaßiger es ward. In dem Augenblick fiel sein Blick auf seinen kleinen Tambour, der mit den Schlegeln unter dem Arm mutlos seines Weges ging.
»Deine Trommel hat keine Stimme im Maul! Da steckt irgend etwas Gestohlenes drin!« riefen die Kameraden des Knaben höhnend.
Als sie die Trommel untersuchten, fanden sie, daß sie mit vier Siegeln versiegelt war, und dem Knaben standen große Tränen in den Augen.
»Schlage du nur tapfer deine verstimmte Trommel!« befahl Grothusen. »Ich war es, der sie versiegelte wie Pilatus Christi Grab … Und ein wenig Trauermusik müssen wohl doch die türkischen Wucherer hier hinter uns haben, die nun ins Exil reiten müssen an unserer Stelle.«
Aber abends, wenn die Schweden einige kurze Stunden beim Schein des Lagerfeuers ruhten, klopften und rüttelten die Musikanten an der Trommel und meinten, daß sie gefüllt sei mit unterschlagenem Königsgeld und Wertpapieren.
»So ein Spitzbube!« flüsterten sie. »Es ist keine Kunst, freigebig die linke Rocktasche zu leeren, wenn man die langen Finger in die rechte steckt!«
Schon um zwei Uhr in der Nacht ließ der König zum Aufbruch blasen. Er sprengte bei dem Lagerlicht zwischen den Felswänden hervor. Als er sich in Pitesti wieder an der Grenze der Christenheit befand, begegneten ihm die in Bender zurückgelassenen Scharen, und die letzten Saporoger, die in so manchen Gefahren treu geblieben waren, nahmen kniend seine Abschiedsworte entgegen. Dann ging er zu Grothusen.