»Es ist ganz spaßig, Grothuschen wieder zu hören. Meine alte Schwäche für geistreiche und verrückte Menschen scheint mit den Jahren zuzunehmen. Dieser holsteinische Görtz, der bald hierher kommt, muß auch so ein riesig behaglicher und beredter Herr sein mit großen Seelengaben.«

»Ich selbst habe seine Dienste Eurer Majestät allzeit anempfohlen, obgleich ich weiß, daß ich und Feifen dann allerschönstens in den Schatten kriechen dürfen. Ade! Ade! So ein kleiner Finanzenpfuscher wie ich taugt nicht länger in diesen schweren Tagen, da das ganze Reich auf dem Spiele steht. Hier bedarf es eines großen Höllenministers des Auswärtigen … Görtz ist kühn und geistreich, ein Krieger in den Staatskünsten, und er hat den Administratoren von Holstein Geld wie Gras aufgetrieben. Er ist schlauer als zehn Grothusens und fünfzig Müllerns oder Feifens. Aber was mir Kopfzerbrechen macht, ist die Frage, wie man ein Billett d'amour aufsetzt an eine so hochbejahrte Dame, wie meine Schöne am Knipertor.«

Wieder leuchtete der Schalk aus des Königs Auge, er reichte Grothusen die Feder hin.

»Stell dich ans Tischende und schreibe, so werde ich diktieren.«

Der König überlegte eine Weile, danach begann er:

»Edelste Dame! Ein schmutziger, alter Kriegsmann, wie ich, darf gewiß nicht um eine Audienz bei einer so edelen Dame wie Madame betteln, aber die edle Dame könnte vielleicht günstiglichst ihm ihr Konterfei schicken, aber bald, denn mein König sagt, daß hier bald alles mit fallen endigen wird, so daß es gewaltig eilt mit dem Konterfei …«

Grothusen lachte und schrieb und lachte, und von Zeit zu Zeit sprach er von Rechnungen und Staatsgeschäften und von Görtz. Als das Billett fertig war, faltete er es und küßte seines königlichen Freundes Hand, und nicht viel später marschierte er den Weg hinunter nach dem Knipertor.

Da geschah es schließlich eines Tages, daß Müllern, welcher endlich auch in Stralsund angekommen war, mit Grothusen im Vorgemach des Königs saß und arbeitete. Ein Lakai öffnete die Türe und meldete:

»Herr Baron Georg Heinrich von Görtz!«

Einäugig, ritterlich, mit perlmutterbesetztem Griff am Kammerdegen und Orden auf dem kostbaren Sammetgewand, schritt Görtz über die Schwelle. Er faßte Grothusens und des verwirrten Müllerns Hände und legte sie auf seine Brust. Auf diese Weise blieben die drei einäugigen Herren voreinander stehen.