Als er in strömendem Nachtregen an dem Schonenwall ans Land stieg, kniete er nicht und zeigte keinen Seufzer der Wehmut oder Erleichterung. Eilig und ohne ein einziges Wort ging er zu einem großen Stein, der Stafstein genannt wurde. Er, der Reiter von Demotica, der Soldat, der unbekümmert sich auf Schneewehen zur Ruhe gelegt hatte, vergaß sich so ganz in dieser Stunde, daß er an der Leeseite hinter einem Stein Schutz suchte gegen einige harmlose Wassertropfen. Hier blieb er stehen.

Es läutete nicht in den Kirchen. Es wurde nicht geputzt und gefeuert in den Königshöfen. Während der Nachtregen in den Dachrinnen platschte, schliefen die Schweden in ihrem Heim und ahnten nicht, daß ihr König nach fünfzehn Jahren märchenhafter Siege und namenlosen Elendes und mit dem Zorne des Verunglückten in seiner Seele den Boden seines Reiches betrat, von niemand empfangen und begrüßt. Er sah nicht länger zurück, nur vorwärts. Rache! Dies Wort arbeitete wie ein Hammer in seinem Gehirn, Rache an den Wortbrüchigen, Rache an der Welt, die ihn zu einem armseligen Flüchtling stempelte, ohne Geld, ohne Macht … aber eine große königliche Rache! Er wußte, daß am nächsten Tage viele von seinen Untertanen jubeln würden, aber daß auch viele zitternd Galgen und Schafott voraussahen. Er lächelte dazu. Seine Erbitterung war die des Schamgefühles und der verwundeten Liebe. Aus diesem Grund hatte er in den letzten Jahren es vermieden, von Schweden zu sprechen. Er wollte diese letzten Feinde bestrafen und besiegen, aber nicht auf dem Richtplatz. Ruhig und befehlend beabsichtigte er den Boden zu betreten, den sie nahe gewesen waren ihm zu entreißen. Er wollte sich mitten unter die düsteren Angesichter stellen. Gleich sorglos wie ein Hirte unter dem Gebüsch des Waldes, wollte er mitten unter den Verschworenen schlafen, falls sich welche fänden, und sie noch einmal zwingen, die Fahnen zu senken und ihm zu folgen, wohin er ginge. Er wollte die schwedischen Feinde besiegen, dadurch daß er ihnen zeigte, daß sie noch getreu waren.

Der Tag begann zu grauen, und einige Erdarbeiter kamen vom Feld, aber alle Farben leuchteten so hart und stark. Alles schien ihm so kalt und fremd.

»Ist das nun Schweden,« murmelte Rosen hinter seinem aufgeschlagenen Kragen. »Ich erkenne es kaum wieder.«

»Eure Augen sind vom Winde gerötet,« antwortete der König. Danach fügte er hinzu: »Wenn wir nicht alles hier zu Hause wieder erkennen, so werden andere uns wiedererkennen!«

Er ließ sich von einem der Feldarbeiter den Weg nach Trelleborg zeigen. Mit dem ruhigsten Gesicht sprach er von seiner Sehnsucht, die gelehrten Professoren in Lund und den großen Polhem zu treffen, die ihm helfen sollten, einen Kanal quer durch Schweden zu bauen. In des Reiches unterster Ecke gingen die drei Herren zwischen den Planken und Schlafhütten der Kleinstadt gleich schiffbrüchigen Abenteurern, die im eigenen Lande fremd geworden sind, und unter dem tief herabgezogenen Hut weinte Rosen wie ein Kind.

Als der König dem Wegweiser seinen Lohn geben wollte, merkte er, daß alle Dukaten während der Fahrt weggeschenkt worden waren. Er fand nur die türkische Münze, die Grothusen in der Trommel mit sich geführt und ihm mit dem Wunsche geschenkt hatte, daß das Gold einmal in Friedenszeiten möge umgeschmolzen werden zu einem ehrlichen schwedischen Geldstück. Es war des Königs letzte Münze, und sie war nicht sein, denn sie war von einem türkischen Juden geborgt. –

Ohne ein Wort legte er die fremde Münze in die Hand des schwedischen Bauernsohnes.

Fredrikshall

Die Landeshauptleute riefen jetzt die Bevölkerung zusammen und rechneten einem jeden fünfzig Taler auf den Tisch, der gutwillig Reiter, und hundert einem jeden, der Fußsoldat wurde. Viele Widerspenstige hieben ihre Finger ab oder schnitten sich mit dem Messer, um zum Kriegsdienst untauglich zu werden, aber sie wurden zu fünfzig Rutenstreichen verurteilt oder zu lebenslänglicher Strafarbeit auf Marstrand gesetzt. Wilde Soldatenhorden zogen Gewalt ausübend durch die Gegenden. Wenn der Bauer ihre Stimmen am Weidenzaun hörte, ließ er die Schlüssel im Schloß stecken und verbarg sich unter Heuhaufen oder floh mit Gesinde und Vieh nach der Wildung hinauf. Zu Stockholm schlossen sich die Ratsherren in ihre Stuben ein, um nicht gesehen und befragt zu werden. Von Gardisten begleitet, streiften die Untersuchungsleute von Tür zu Tür und brachen Keller und Vorratskammern auf, und die Wölfe kamen bis auf die Straßen. Es gab keine Waren in den Kaufläden, kein Getreide in den Mühlen, keine Hände, die den Hammer schwangen, kein frohes Lachen, keine gemütlichen Winterabende um das Feuer des Heimes.