das Wirtshaus zum Goldesel: zweitausend Reichstaler …
Hol' mich der Teufel, ist das nicht alles niedrig gerechnet, aber es ist auch das einzige, was ich in der Welt habe. Nun, was ist denn das Wirtshaus zum Goldesel für ein Ding?«
»Es ist des gnädigen Herrn Oberst Leinwandzelt!« murmelten alle Soldaten durcheinander.
»Ganz recht, ja! In dem Wirtshaus bekommt jedermann das Frühstück umsonst, denn es ist nicht das geringste zu bekommen … Laßt uns nun rechnen! Summe des Vermögens: einhundertachtundsechzigtausend Reichstaler. Aber war Null Null Schulden die Hälfte meines Reichtums, so muß ja die Hälfte auch einhundertachtundsechzigtausend wert sein. Folglich und beweislich habe ich somit, zusammengelegt, dreihundertsechsunddreißigtausend Reichstaler. Seht ihr, Jungen, das ist, was Görtz Finanzen nennt, und solches ist nützlich zu können, begreift ihr. Lernt nur, Buch zu führen und den richtigen Wert auf alles zu setzen, dann seid ihr schön reich und braucht nicht den Kopf zu hängen, wenn der Magen auch knurrt.«
»Vivat! Vivat, der reiche Fuchs!« schallte es die Reihen entlang, aber im gleichen Augenblick flogen alle Degen aus den Scheiden. Die Musketen präsentierten, und die Trommeln donnerten. In dem Schein an der Felswand bewegte sich der hohe, vergrößerte Schatten eines hinkenden Mannes mit runder Pelzmütze auf dem Kopf und einem knotigen Stock in der Hand.
Es war der König.
Er kam zwischen den Föhren, von Trabanten gefolgt, die, ihre Haudegen gezogen, in langer Reihe ihre Pferde führten. Er selbst ging zuvorderst und bahnte den Weg im Schnee. Sein narbiges und zusammengebissenes Gesicht war mit den Jahren durch Sonne und Frost in der Farbe dunkel geworden, und zwischen den Augenbrauen lag eine tiefe Falte. Als er die Pelzmütze unter den Arm steckte und nach allen Seiten hin die Begrüßung der Truppen erwiderte, fiel der Schnee über sein kahles Haupt. Die Generale versammelten sich allmählich um ihn, und die Trabanten hieben mit den Degen einige Föhrenzweige ab und breiteten sie auf den Boden. Während der ganzen Zeit stand er barhäuptig im Schneewirbel, und die ergrauten und an der Schläfe zurückgestrichenen Haarsträhnen glichen zuletzt einem Kranz bereifter Blätter. Er befahl den Soldaten, die Musketen zusammenzustellen und den Reisighaufen anzuzünden, aber die Musikanten blieben an der Felswand stehen, mit der Order, bis Sonnenuntergang zu spielen.
»Die Norweger sind ein lustiges Volk, um sich mit ihnen zu stoßen,« sagte der König. »Solche Männer wie ihr, Kruse und Kolbjörnsen, sollten, wenn sie fallen, in Goldsärgen begraben werden.«
Der Feldmarschall Mörner antwortete:
»Wir haben gerade neuerdings einige norwegische Schnapphähne eingefangen, die hier in den Büschen versteckt lagen, um auf Eure Majestät zu schießen. Sollen wir sie henken?«