»Aber ein ausgehungerter Soldat läßt die Muskete fallen.«

»Wenn man Schnee schmelzt, wird er zu Wasser. Wenn man auf einen Tannenzweig beißt, kann der Hunger sehr wohl für lange Zeit betäubt werden.«

»Das Volk hier haben wir wenigstens unter den Augen … Aber die Leute daheim … Die Pfarrer lehren jetzt offen von der Kanzel, die Rache von oben herabzurufen. Sie meinen, seitdem Gott die Schweden geschlagen und das Zeichen gegeben hat, daß ihr Reich zerstückt werden muß, fechte Eure Majestät für die eigne Ehre allein.«

»Sind denn ihre Ehre und die meine zwei getrennte Dinge geworden? Sie trotzten, und ich antwortete. Ich will sie zwingen, bis zum äußersten auszuhalten. Ist es nicht ebensowohl für ihre Schuld als für die meine? Sie sagen, daß ich Gott versuche. Ich antworte, daß ich ihm folge. Das ist mein Königswort! Im Namen der Gerechtigkeit, das ist mein Eid! Wer ist Schiedsrichter?«

Mit diesen Worten setzte der König die Pelzmütze auf, schlug den Mantelkragen in die Höhe und legte sich so ruhig zum Schlafen auf die Tannenzweige, als wäre kein Feind auf Gottes Erdboden zu finden gewesen.

Düker rief mit Eifer den Offizieren seine Befehle zu. Mörner schlief, stehend gegen eine Föhre gelehnt, ohne länger den Einfällen des kleinen Cronstedt zuhören zu können, und der verschmitzte Stjernroos, der ausgewesen war und spioniert hatte, kam, in eine Schafpelzjacke verkleidet, mit Holzschuhen und mit einem Fäßchen auf dem Rücken. Selbst der König schlief schon regungslos, ohne einen Gedanken an Brief und Drohung. Er hatte sich seinen Soldaten anvertraut.

Aber es waren zwei Augen, die ihm folgten. Tolle Aarasson, der am vorhergehenden Tage in das Regiment Södermanland gesteckt worden war als Korporal und Führer für die Holzhauer, konnte sich nicht zwingen, von dem Schlafenden wegzuschauen. Die Worte des reichen Fuchs lagen ihm noch im Sinn.

»Ich könnte vielleicht auch ein Haushaltungsbuch führen,« dachte er. »Fünfzig Dukaten in der Erde bei der Armleuchterbirke!«

Er stierte mit seinen klaren und freundlichen Augen so starr auf den König, daß er nicht merkte, wie der reiche Fuchs ihm auf den Leib rückte.

»Was ist's mit ihm?« sagte Fuchs und klopfte ihm seelengut auf die Schulter. »Hier ist ein Rapport nach Tistedal, denn jetzt sollen wir hinauf gegen die Festung Fredriksten und tüchtig einheizen. Nimm zwei Mann und zwei Bündel Kienspäne zum Leuchten mit … und lauf' rasch! Wer einen so prächtigen Mundvorrat unter der Haut hat, braucht weder zu biwakieren, noch öfter als jede dritte Nacht zu essen, wenn er nur mit Gottes Gaben weiter hauszuhalten weiß.«