Tolle Aarasson begab sich mit seinen zwei Soldaten abseits in den Wald hinein, aber noch in weitem Abstand wendete er sich zwischen den Tannen um und sah nach dem König.

Als er bei Tagesanbruch zum Dorf Tistedal kam, blieb er unter der Armleuchterbirke stehen und steckte den letzten Kienspan in den Boden, mit dem brennenden Ende nach unten.

»Ich bin weit umhergestrichen, um zu studieren und zu lernen,« sagte er zu den Soldaten. »Ich bin guten wie schlechten Menschen begegnet. Ob wohl die Tiere und Bäume auch gut und böse sein können? Bei jeder Mittagsrast, wenn ich mit den Holzhauern ausgewesen bin, habe ich mich zum Schlafen hierher gelegt, aber nie kam mir ein Schlummer in die Augen. Es lastet ein Fluch auf dem Baum! Seht ihr, da oben in den einen Ast habe ich eine Axt fest eingehauen. Es wird ein Morgen kommen, da setze ich die Axt an die Wurzel …«

Er blieb noch zurück und betrachtete den erlöschenden Kienspan.

»Gute Menschen und böse, sagte ich … Nie sah ich einen herrlicheren Mann als unseren großen König, aber die Jahre machen ihn immer strenger und härter. Er hat weder mit dem Wimmern der Tiere noch mit dem der Menschen Mitleid. Ein Jammerschrei kann ihn nicht einmal verlocken, den Kopf zu wenden. Sein Winter mit dem langsamen Tod ist gekommen. Wie würden wir ihn beweint haben, wenn er in seinen jungen Jahren hätte fallen dürfen! Keine Zeit würde einen größeren und reineren Mann gegrüßt haben als die seine. Seht diesen Kienspan, wie langsam er erlischt, wie er raucht und die Luft verpestet mit seinem feuchten Brandgeruch! Warum nicht lieber mit einer einzigen kleinen Handbewegung ihn tief hinunterdrücken, ohne Säumen … daß er noch hell glühend in die Erde kommt …«

Die Soldaten verstanden ihn nicht, sondern antworteten schließlich:

»Möge unserem geliebten Herrn und König nie etwas Böses geschehen!«

Er tat ein paar Schritte, um ihnen zu folgen, aber die Armleuchterbirke streckte beschwörend ihre Äste über ihn, und er blieb abermals stehen und sprach mit sich selbst:

»Wer denkt an Böses? Tolle Aarasson faßt die Muskete, er, der Verachtete, der Ausgestoßene, der von Hof zu Hof hat wandern müssen, um das Gnadenbrot zu erbetteln. Er faßt die Muskete und legt den Finger auf den Hahn. Der Schuß wird das ganze Volk zur Versöhnung rufen. Wenn auch alle Kanonen von Fredriksten durch die Nacht donnern, niemand wird sie hören. Die Soldaten werden finden, daß es so still ist wie auf einem entlegenen, zugefrorenen Alpsee. Sie werden nur den einzigen Schuß hören. Der wird Nacht um Nacht, Tag um Tag widerhallen, so lange die Menschen auf der Erde leben. Wenn ich die fünfzig Dukaten ausgegraben habe, werde ich zu den Generalen vortreten und alle Geldstücke über ihre Hüte und Perücken werfen und sagen: Heraus mit den Handschellen, gute Herren! Hier habt ihr das Trinkgeld für die Bemühung. Trinkt meine Gesundheit mit echtem Wein! Ich bin es, der Seine Königliche Majestät erschossen hat! Von euch wird niemand reden, aber so lange sein Name lebt, so lange lebt der meine. – Und dann werden die Handschellen zusammengeschraubt. Ich werde auf den Henkerskarren gesetzt und fahre die Götegatan hinauf in Stockholm, aber es wird kein Fenster, keinen Treppenabsatz, kein Dach geben, wo die Menschen sich nicht drängen werden, um Tolle Aarasson zu sehen. Und auf den Herrenhöfen, wo ich am Küchentisch zu essen bekam, und in den Pfarrhäusern, wo ich mich für einen Teller Biersuppe verbeugen mußte, da wird es heißen: In dem Stuhl saß Tolle Aarasson, aus der Pfeife rauchte Tolle Aarasson, auf diesem Türgriff hielt er den Finger, der den Schuß abdrückte. Die Studenten in Uppsala, die hochmütigen, die falschen Freunde, die sich zuletzt für zu gut hielten, um mich eine Regennacht über zu beherbergen … sie werden altern, sie werden weiß werden auf dem Schädel, aber nie werden sie ermüden, zu sagen: Wir kannten Tolle Aarasson, wir nannten ihn du. – So wird es gehen. Und so oft ein Reisewagen in die Stadt Stockholm einfährt, wird der eine Herr durch das Fenster zeigen und sagen: Hier ist der Galgenhügel! – Es können hundert Hingerichtete in dem Acker liegen, aber er wird nur sagen: Da liegt Tolle Aarasson, der elende Lump! – Und dann antworten die anderen Herren: Der Volksbefreier!«

Tolle Aarasson hob den Arm, um sich zu stützen, aber in dem Augenblick, wo er die Hand gegen die glatte, kalte Rinde des Birkenstammes lehnte, riß er sie mit einem unterdrückten Ruf des Entsetzens zurück.