»Wir binden die Gäule hier an die Sträucher,« sagte er ausgelassen und mit starker Farbe auf den Wangen. »Sodann gehen wir hinauf und stechen jeden nieder, daß es nur so pfeift.«
Sie verließen die keuchenden Pferde und kletterten vorgebeugt durch das Gebüsch hinauf. Oberhalb der Mauer blickten einige Kosakenköpfe mit hängendem Haar und gelb und grinsend wie geköpfte Missetäter herunter.
»Siehe,« flüsterte der König und klatschte in die Hände. »Dort versuchen sie das morsche Tor zuzuziehen, die Fuchsschwänze!«
Sein vorhin noch nichtssagender Blick wurde jetzt abwechselnd unstet, weit und glänzend. Er zog den Haudegen und hob ihn mit beiden Händen über seinen Kopf.
Gleich einem Gott der Jugend stürmte er durch das halboffene Tor. Der Fähnrich, der an seiner Seite hieb und stach, war oft nahe daran, hinter ihm von seiner Waffe getroffen zu werden, und ein Musketenschuß schwärzte die rechte Schläfe des Königs. Vier Mann wurden im Torweg niedergehauen, und der fünfte der Schar floh mit einer Feuerschaufel nach dem Hof hinein, vom König verfolgt.
Dort strich der König auf dem Schnee das Blut vom Degen, legte zwei Dukaten in die Feuerschaufel des Kosaken und brach in zunehmender Heiterkeit aus: »Es ist kein Pläsier, sich mit diesen Tröpfen zu schlagen, die nie zurückhauen, sondern nur laufen. Komm zurück, wenn du dir einen ordentlichen Degen erstanden hast!«
Der Kosak, der nichts verstand, stierte die Goldmünzen an, schlich sich der Mauer entlang nach dem Tor und entfloh. Immer weiter und weiter draußen auf dem Felde rief er seine umherstreifenden Kameraden mit einem unheimlichen und klagenden: Ohaho! Ohaho! zusammen.
Der König sang leise vor sich hin, wie um einen unsichtbaren Feind zu reizen: »Kosakenmännlein, Kosakenmännlein, sammle deine Schelme!«
Die Mauern rings um den Hof waren schimmelig und schwarz. Aus dem Boden hörte man einen endlos gesponnenen Mollton wie von einer Äolsharfe, und forschend stieß der König die Tür zum Wohnhaus auf. Das bestand aus einem einzigen, großen und halbdunklen Zimmer, und vor dem Feuer lag ein Haufen blutbefleckter Kleider, die die Leichenplünderer von gefallenen Schweden genommen hatten. Die Tür wurde vom Zug wieder zugeworfen, und der König ging nach dem Stallgebäude nebenan. Da gab es keine Tür, und den Laut hörte man immer deutlicher. Drinnen im Dunkeln lag ein zu Tode gehungertes Pferd, das an eine der eisernen Ösen in der Wand gebunden war.
Ein erhobener Haudegen würde den König nicht gehindert haben, aber die ungewisse Dämmerung erregte seine Einbildungskraft, daß sie ihn auf der Schwelle zum Stehen brachte. Doch ließ er sich nichts anmerken, sondern rief den Fähnrich. Sie stiegen eine steile Treppe zu einem Keller hinunter. Dort war ein Brunnen, und an dem Kran der singenden Winde, die das Wasser heraufholte, kutschierte ein tauber Kosake mit Peitsche und Zügel, ohne die geringste Ahnung einer Gefahr, eine menschliche Gestalt in schwedischer Offiziersuniform.