FRÜHLING UND FRAUEN. [], wenn. – [same], sam, gleichwie, als wenn. – [spilede] = spilende, funkelnd. – [wîse], Melodie. – [sich genôzen], sich gleichstellen, vergleichen. – [sich gelîchen], gleich sein, gleichen. – [dicke baz], oft noch besser. – [wol gekleidet], geputzt, in festlicher Kleidung. – [wol gebunden], mit schönem gebénde, mit schön aufgebundenem, geschmücktem, mit Blumen bekränztem Haar. – [durch kurzewîle], wegen (zur) Kurzweil, Unterhaltung; in große Gesellschaft. – [hovelîchen hôchgemuot], in edler sittsamer Heiterkeit. – [niht eine], nicht allein = in Begleitung. – [under stunden], von Zeit zu Zeit: zuweilen ein wenig sich umsehend. – [alsam], gleichwie. – [kapfen], offenen Mundes schauen, gaffen. – [welt], wollt. – [hôchgezît], Freudenfest. – [krefte], von kraft, Macht, Fülle. – [wederez], welches von beiden. – [überstrîten], im Kampfe, Wettstreit übertreffen. – [ôwê], ach. – [küre], von kiesen, auswählen, aussuchen. – [hêr Meie], Personifikation. Der Sinn ist: lieber mags wieder Winter werden, als daß ich meine Herrin hergäbe.

LIEBESTRAUM. [sêt], sieh, da nimm. – [iu], euch. – [hân], habe, besitze. – [sule wir] = sulen wir, wollen wir. Das Blumenbrechen vor dem Walde oder auf ferner Aue gilt für bedenklich, und der Ausdruck wird doppelsinnig gebraucht. Rosen lesen und ein Kuß von rotem Munde sind gleichbedeutend. – [kint], junges Mädchen. – [êre], Ehrgefühl, Scham. – [sich erschamen], in Scham geraten; da schlug sie ihre leuchtenden Augen verschämt nieder. – [neic], sie verneigte sich dankend. – [schône], freundlich. – [tougen], heimlich. – [ie], allezeit, fortwährend. – [bî uns], neben uns. – [von], vor, aus. Aus Freude über dieses wonnevolle Glück, das mir im Traume beschert war, mußte ich lachen. – [muose], mußte. – [meiden] = megeden, Jungfrauen. – [vast'] = vaste, sehr, genau, eifrig. – [under diu ougen] oder under ougen, ins Gesicht. – [lîhte], vielleicht. – [eniu], jene: die ich im Traume sah. – [mir ist buoz], ich werde von etwas erledigt, befreit: so bin ich meiner Sorgen, meines Kummers quitt. – [waz obe], wie wenn, wer weiß ob nicht. Der auch anderwärts begegnende Ausdruck [an dem tanze gên] deutet auf eine mehr ruhige Bewegung.

SCHÖNHEIT UND TUGEND. [Wol mich], wohl mir: Heil der Stunde. – [erkennen], kennen lernen. – [muot], Seele, Gemüt: mich an Leib und Seele. – [betwingen], bezwingen, unterwerfen. – [sît deich], seitdem ich. – [sô gar], so gänzlich. – [wande], wandte, richtete. – [verdringen einen eines dinges], wegdrängen von etwas: deren sie mich beraubt hat. – [gescheiden], sich trennen, losmachen. – [getar], von geturren, sich unterstehen, getrauen, dürfen. – [eines dinges an einen muoten], etwas von einem verlangen, ihm zumuten. Was immer ich von ihrer Güte verlangen darf, möge zu einem guten, uns beide befriedigenden Ende gebracht werden.

UNTER DER LINDE. [friedel], Geliebter. – [ê], vorher, früher. – [hêr], erhaben, vornehm, heilig: hl. Jungfrau (Maria). – [stunt], hinter Zahlwörtern: Mal. Ob er mich geküßt hat? ja, wohl tausendmal. – [alsô], verstärkend, im Sinne von: sehr. – [bettestat], Lager-, Ruhestätte. – [das pfat], der Pfad. – [bî den rôsen], an den Rosen: da wo die Rosen liegen. – [mir'z] = mir daz. – [niemer niemen], nimmer niemand, verstärkte Negation. – [bevinde], erfahre, soll das erfahren. – [wan], außer. – [getriuwe], zuverlässig, verschwiegen.

GEGENSEITIGE LIEBE. [unmære], unwert, gleichgültig, zuwider. Ob du mich liebst, weiß ich nicht, ich aber liebe dich. – [swære], schmerzlich. – [vermîden], unterlassen. – [erlîden], ertragen. – [huote], Vorsicht: tust du das etwa aus Vorsicht (vor den Spähern), daß du mich so selten anblickst? – [ze guote], zum Nutzen. – [wîzen], tadeln: so tadle ich dich deswegen nicht. – [sô dû baz enmügest], wenn du nicht weiter (gehen, mehr tun) kannst. – [swanne], wann immer. – [ich s'] = ich sie, die: ich alle diejenigen betrachte, die. – [von schulden], aus zureichendem Grunde, mit Recht. – [behagen], gefallen. – [âne rüemen], ohne Prahlerei. – [sumelîch], mancher. – [z'ihte], zu irgend etwas, einigermaßen. – [mære], wert: ob ich dir etwas gelte. – [niwet], ältere Form von niht.

SCHÖNHEIT UND ANMUT. [frouwelîn]: das Diminutivum bezeichnet die niedere Herkunft der Geliebten. – [willeclîchen], willig, bereitwillig. – [muot haben eines dinges], Verlangen, Lust, Absicht haben, etwas zu tun: dazu wäre ich gerne bereit. – [], weiter. – [wan daz], außer, als daß. Das bereitet mir Schmerz. – [verwîzen], einem tadelnd vorwerfen; verweisen, daß ich so Niedrigem meinen Gesang weihe. – [liebe], Anmut, Liebreiz. Dafür sollen sie keinen Dank empfangen; eine Verwünschung. – [getraf], bewegte, ergriff. – [guot], Geld, Vermögen, Reichtum. – [haz], Hassenswertes. – [gâch], jäh, schnell: lasse sich keiner von der Schönheit zu rasch fesseln. – [gêt nâch] = steht nach: die Anmut geht der Schönheit vor. – [schœne], unflektierte Form; verschönt die Frau. – [vertragen], ertragen, hingehen, sich gefallen lassen; nämlich den gegen meine niedere Minne ausgesprochenen Tadel. – [glesîn vingerlîn], Fingerring von Glas, im Mittelalter häufig getragen. Durch den Glasring, den der Dichter dem Goldreif einer Fürstin vorzieht, ist die Armut und niedrige Stellung der Geliebten angedeutet. – [dîn ân' angest gar], in bezug auf dich gänzlich unbesorgt. – [iemer], jemals. – [mit willen], mit Vorsatz, absichtlich.

DIE HERRLICHE FRAU. [wunderwol], wunderbar schön. – [ich setze ir minneclîchen lîp]: ich räume ihrem lieblichen Leibe eine würdige Stelle ein in meinem kunstvollen Gesang; ich bin gern bereit, allen Frauen zu huldigen; doch habe ich mir diese auserwählt, ein anderer kennt die seinige: ich habe nichts dagegen, wenn er diese lobt, selbst wenn es mit meiner Tonweise und meinen Worten (meinen eigenen Liedern) geschieht. – [als], als wenn, wie wenn. – [joch], auch. – [dâ abe], davon, daraus. – [dâ inne], darin. – [ersehen], schauen; spiegeln. – [mir s'] = mir sie, nämlich die beiden Sterne (Augen). – [haben], halten: o daß sie mir die Augen so nahe rückte, daß ich mich darin schauen könnte! – [], dann. – [jungen], jung werden. – [und], wenn. – [mir gernden siechen], mir Sehnsuchtskranken. – [mir wirt baz], ich werde von etwas erlöst, befreit. – [seneder sühte], von der Liebeskrankheit. – [flîz haben eines dinges], Sorgfalt auf etwas verwenden. Gott verwandte auf ihre Wangen so große Sorgfalt. – [streich]: Präteritum von strîchen, streichen. – [rœseloht], rosig; [liljenvar], lilienfarbig. – [vor sünden], ohne mich zu versündigen. – [tar], mich getraue, darf. – [himelwagen], das Sternbild des großen Bären. – [hêr], vornehm, stolz: erhebe ich sie gar zu hoch, so kann es leicht geschehen, daß mein Lob meinem Herzen zum Schmerz (sêr) gereicht. – [küssen], Kissen, Polster, so nennt der Dichter wortspielend die rotschwellenden Lippen. – [ûf stân], erstehen, sich erheben. – [nôt], Drangsal: so würde ich dieser Pein ledig. – [smecken], riechen, duften. – [], wenn. – [iender], irgend, nur. – [regen], bewegen, berühren. – [allez], gänzlich, durchaus; als wenn es durch und durch aus Balsam bestände. – [so dicke], so oft. – [kel], der Hals. – [ietweder], jeder von beiden, beide. – [ze wunsche wolgetân], wie man nur wünschen kann, aufs beste, vollkommenste geschaffen; wenn ich daneben (zwischen Hals und Fuß) etwas loben darf, so meine ich allerdings noch mehr gesehen zu haben. – [decke blôz], Imperativ, decke das Bloße! vielleicht ein Ausdruck aus dem Fechtunterricht, Zuruf des Lehrers. – [mîn niht], nichts von mir, mich nicht. – [schôz], traf, verwundete. – [stichet noch], schmerzt noch (wie eine Wunde). – [als], ganz so wie, wie. – [], damals. – [die reinen stat], die reine, schöne Stätte.

TROST IM LEIDE. [ab], gekürzt für aber; will denn niemand wieder fröhlich sein, daß wir nicht immerfort in Sorgen leben müssen? – [von], vor. – [wîzen], tadeln, strafen, vorwerfen: ich weiß nicht, wem sonst ich die Schuld geben soll. – [unbetwungen], uneingeschränkt, unbehindert: die haben nichts, was sie bekümmert. – [des], darum. – [stân], schlecht oder gut anstehen, ziemen. – [Frô Sælde]: die Glücksgötter: wie (eigen, ungleich) die Glücksgöttin doch ihre Gaben austeilt. – [kumber], Bedrängnis, hier die Last der Armut. – [], umgekehrt, auf der andern Seite. – [gît s'] = gibt sie. – [daz ungemüete], Unmut. – [nien'] = niene schriet, Präteritum von schrôten, schneiden, zuschneiden; der Dichter bleibt beim Bilde des Kleidens; [guote] ist ironisch gemeint. – [verholne], insgeheim, im stillen. – [sorge], Kummer. – [trage], trägt. – [liehte tage] = die sonnigen Tage des Sommers, die Sommerfreude. – [erwelt], auserlesen. – [lâ stân]: laß ab, hör auf.

DAS HALM-MESSEN. [zwîvellîch], ungewiß, verzweifelnd. – [wân], hier etwa Gedanken. In zweifelnde Gedanken. – [was ich gesezzen], hatte ich mich gesetzt, war ich vertieft, versenkt; daß ich meine Bemühung um sie, meine Bewerbung aufgeben wolle. – [wan daz], außer daß: hätte mich nicht eine freudige Zuversicht zurück (davon ab) gebracht. – [fröwen], freuen. – [lützel ieman], wenig jemand = niemand. – [er enwizze wes], ohne zu wissen weshalb, worüber. – [er giht]: er sagt (ich solle noch die Gunst der Geliebten gewinnen). – [kleine], fein, zart. Unter dem Messen des Halmes haben wir dasselbe Spiel zu verstehen, das heute noch unter Kindern und Erwachsenen im Schwange ist und darin besteht, daß entweder die Knoten oder Ringe eines beliebigen Halmes oder auch die Blätter der Sternblume (wie von Gretchen im Faust), ja selbst die Knöpfe an Weste und Rock gezählt werden. Doch ist zu beachten, daß W. den Halm ein kleinez strô nennt, was die Deutung auf die Halmknoten unsicher macht.

DAS RECHTE MASS. [füegerinne], Schöpferin. – [zewâre], fürwahr. – [endarf]: braucht sich nicht. – [durch daz], deshalb. – [ebene], im Gegensatz zu nidere und hôhe, im rechten Ebenmaße der Mitte. – [werben], handeln, tun, werben (hier: um Minne). – [vil nâch], nahezu, beinahe. – [ze nidere, ze hôhe], durch zu niedrige, zu hohe Werbung. – [ir lât mich âne nôt], laßt mich unbehelligt, in Ruhe! – [swachen], erniedrigen. – [kranc], schwach, gering, unwürdig. – [beiten], warten, zögern. Ich möchte wissen, warum die Maße zögert (mich aus der Unmaße zu retten durch ihre Unterweisung). – [verleitet], irregeführt: kommt die Maße nicht bald, so folge ich ratlos meinem Herzensdrang.