»Wie?« fragte er und sah Mark Enz durch die Brille an.
»Ich habe nichts gesagt«, antwortete jener. Aber er ließ nun den Finger des Kandidaten mit seinen Blicken los und sah in den Garten hinaus, weil ihn die Verlegenheit seines Gegners quälte.
Friedberg lachte. Seine ganze Niederlage lag in diesem Lachen voller Zugeständnisse an den einfachen Sieg seines Gegners, und es gefiel Anne-Dore wohl, daß Enzheim keine Miene machte, seinen Erfolg in kleinlichem Triumph einzustreichen.
Friedberg wurde redselig, ihm lag an einem Ausgleich. Es war, als fühlte er sich nun dem alten Freunde gegenüber wieder am rechten Platz. Und Mark Enz überließ ihm diesen Platz und die Unterhaltung.
Die veränderte Stellung der drei zueinander und Friedbergs Worte nun, wirkten auf Anne-Dore wie eine plötzliche Stille. Sie sah mit Schrecken und Furcht auf den Fremden, der jetzt ein wenig geneigt, und den dunklen Kopf auf die Hand gestützt, schweigend auf seine Schuhe niedersah. Nun da er ihr wieder fremd erschien, fremder als je, verstand sie nicht, mit welchem Recht und dank welcher Kräfte er ihr eben noch nah gestanden hatte, wie ein vertrauter Freund. Als gäbe es Mächte in ihrer Seele, deren Leben zu erwecken nicht in ihrer Kraft stand. Ja es war ihr, als sei jener von einer Gewalt begabt, deren Rechte in seinem Geschlecht und Wesen ruhten und älter waren, als Menschengedanken zurückreichen. Aber dieser Glaube tröstete sie fast. So war nicht seine Willkür allein in ihr verschlossenes Reich gedrungen, sondern ein Wille, höher als seiner und stärker als der ihre, eine Vorsehung, der sie beide ergeben waren. Sie empfand nur unbestimmt, wie dies Wunderbare über sie gekommen war, aber ihre scheuen Regungen, die sie nicht verstand, spielten hinüber zu ihm, der sie erweckt, und ließen über seinem Scheitel einen ersten Dank ihres Herzens, der unschuldiger war, als daß ihn irdische Gedanken ereilen.
Stand er denn auf? Ging er fort? Selbstverständlicherweise und höflich gelassen, als sei nur dies noch nötig? Als er ihre Hand drückte, flog etwas in ihrer Seele auf wie Zorn. Nahm er denn wissenlos und ohne Dank nun alles mit fort? Auf seine Frage, die sie nur undeutlich zu hören glaubte, antwortete sie verwirrt; ja, es wäre ihr lieb, wenn er wiederkäme. — Mußte man das nicht, schon aus Höflichkeit? Er war sicher reich und aus vornehmem Hause, da durfte man nicht undankbar erscheinen, wenn er eine Freundlichkeit anbot. — O wie diese flachen grauen Gedanken plötzlich mit lügnerischem Ernst ihren Sinn beschatteten.
Friedberg begleitete den Freund an die Gartenpforte.
»Höre,« sagte Mark Enz, »du tust das Deine, damit es mir möglich wird, hier hin und wieder vorzusprechen.« Er sprach erregt, sein Atem ging hart. Er schien seine Worte zu bereuen.
»Ich will mich gerne bemühen, Mark, aber was kann ich denn tun? Ich bin in diesem Hause selbst ein Fremdling. Und welchen Sinn hätte es schließlich auch, du und diese Leute.«
Enzheim blieb stehen. Sie waren weit genug von der Laube fort.