»Dicker, sei löblich«, sagte er barsch. »Du denkst natürlich, ich täte dir nun den Gefallen, zu sagen: ›Lieber Helferich, nur du und deine Freundschaft ziehen mich in dieses Haus.‹ Ich gedenke dies nicht zu versichern. Denn erstens wäre es eine Lüge, und zum andren hättest du das bestimmte Gefühl, mich durchschaut zu haben. Ich komme einzig deshalb, weil ich Fräulein Wendel, oder wie sie heißt, näher kennen lernen möchte.«

Friedberg fühlte sich sehr unbehaglich. Er beschloß einen Anlauf zu seiner alten Würde, die er in Jahren der Trennung mühsam errungen hatte, verwarf ihn aber rasch und sagte fast bittend:

»Laß das sein, Enz. Es hat keinen Sinn. Wirklich nicht. Die Gesinnung der Dame macht auch jede Annäherung unmöglich, daß du es weißt.«

»So? Was für eine Gesinnung hast du entdeckt?« fragte Enzheim in einem Spott, der nur in seiner Höflichkeit lag.

»Sie ist eine gläubige Christin und sehr fromm«, sagte Friedberg mutig. Er machte heimlich Fäuste und wartete trotzig auf die Antwort.

Sie kam leise und freundlich:

»Du gottsverfluchter Heuchler von einem Kandidaten. Schiebt der Kerl wahrhaftig die Bibel als Riegel vor sein Jagdgebiet. Gib das auf, Dicker, hast du gehört?«

Friedberg war wütend.

»Ich werde mich keine Minute besinnen, Markus Enzheim, Fräulein Dore Wendel von deinen Worten Mitteilung zu machen. Das ist eine Infamie! Solange ich in diesem Hause wache, betrittst du es nicht wieder.«

»So«, sagte Enzheim, »also du machst dem Mädchen Mitteilung von meinen Absichten und meiner Bitte. Sieh mal, das ist es, was ich wollte.« Er sagte es ruhig und stillvergnügt, und war sicher, daß der andere nun auf Tod und Leben schweigen würde.