Was war das? — Anne-Dore lachte.
Nichts hätte ihm seine ganze Ohnmacht deutlicher vor Augen führen können. Zwar besann sie sich gleich, glich aus mit einem freundlichen Zugeständnis. Es wäre ihr verständlich, daß Enzheim manchen so erscheinen müßte, die ihn nicht kennten, aber er dürfe darüber nicht vergessen, daß es Menschen geben könnte, die sich hinter mancherlei Gebärden versteckten, weil sie sich den Tag hindurch ihrer Umgebung nicht preisgeben wollten ...
Ach, sie glaubte ihren seichten Worten selber nicht. Aber ihre Verachtung für diese plumpe Erkenntnis des erbosten jungen Mannes vor ihr war zu groß, als daß sie ihm auch nur noch einen Schatten ihrer eigenen Angst hätte verraten können. Und ohne daß sie recht wußte, wie es geschah, gelang es ihr, ihn zu beruhigen. Ihr Herz brannte ihr unter den eigenen Worten, die lau und flach alles auf ein träges Mittelmaß stellen mußten, um diesen Einfältigen zu beschwichtigen. Was sollte sie tun? Das Unheil war einmal geschehen. Sie sah in seiner Entdeckung beides, eine Warnung und eine Gefahr. O, es war kein Zufall gewesen, daß dieser Verschonte, der für sein Tun nicht zur Verantwortung gezogen werden konnte, ihr mit jenem Bibelwort entgegentreten mußte.
Gepeinigt durch die schale und unsinnige Lage, in der sie sich befand, stand sie auf und reichte ihm widerstrebend ihre Hand hin.
»Morgen,« winkte sie ab, als er reden wollte.
»Ich bin auch nur ein Mensch,« stotterte er. »Fühle ... leide — ach, entschuldigen Sie.«
Sie nickte ihm zu, hilfloser als er.
»Der liebe Gott behüte Sie,« sagte er traurig.