Er wußte wohl, welcher Worte sie bedurfte, er empfand, wie viel zu schwer sie litt, als daß sie Leiden ungestillt lassen konnte. Und als er sich nun niederbeugte über ihr regloses Gesicht, empfingen ihre Lippen, bleich und kalt, seinen heißen Mund.

»Vertraue mir,« bat er. »Sieh deinen Trost in meiner Heilung. Was soll ich tun, daß du nur einmal lächelst? Kind, sprich, glaubst du, ich wäre nicht bei dir? Die Welt, in der du glücklich warst, kann niemals meine werden. Nie. Aber ich kann uns einen neuen Himmel schenken für den, den ich dir geraubt habe.«

Sie zitterte und machte sich los.

»Nichts hast du mir geraubt,« flüsterte sie angstvoll. »Sprich nicht so. Ich kann nicht dein eigen sein, wenn ich ... ach, versteh mich, Mark. Bin ich ein Kind, sag, bin ich? Ich weiß, wofür ich einstehe, und meine Liebe zu Ihm ist stark durch Seine Kraft. Du bist ihm fremd und feind. Du hast es mir oft gesagt. O, es ist schön, daß du wahr bist, wie lieb hab ich dich darum ...«

Wieder fühlte er, wie oft zuvor, seinen Fehler, sie in diesen Dingen zu ernst genommen zu haben. Aber sein empfindsames Wesen erlag ihrer unschuldigen Wahrhaftigkeit und der Schönheit ihres kindlichen Ernstes. Leicht tat er jedem Hindernis Gewalt an, aber jede Schönheit, die ihm begegnete, war stärker als er. Er hatte im Leben zu viel empfangen, als daß die schale Lust einer blinden Gabe ihm begehrenswert erschien. Was ihm die Seele in Gluten hob, war der Kampf mit jener fernen, lichten Kraft, die es für ihn erst wahrhaftig gab, seit dieses Kinderherz ihrer bedurfte und sie empfing. Ihm war, als gelte es einen Zweifel der eigenen Brust zu überwinden.

So war ihm in heimlichem Grauen und wie in einer Liebe zu unbekannter, neuer Gefahr, als schritte ein Dritter mit ihnen durch den nächtlichen Wald. Ein Spiel mit Schuld und unsichtbaren Waffen glitt wie ein heißes, schmerzendes Feuer durch sein drängendes Blut.

Und wieder wußte Anne-Dore, erbebend, was der geliebte Mann sie gefragt hatte. Wie aufgescheucht floh ihre Seele vor der Antwort, die ihr Blut ahnte und die ihr Mund verschwieg. Sie hätte ihre beiden Hände auf seine Lippen pressen mögen, um seine Worte zu hindern, die sie ersehnte und fürchtete. Und was sie fürchtete und ersehnte, sagte er.

»Anne-Dore, wie klein ist der Himmel deiner Liebe, wenn er meine große Sehnsucht nach dir zurückstößt. Ich weiß, was mich zu dir drängt und ist dein Reichtum so gering, daß du Angst vor dem hast, was du meine Armut nennst?«

»Schweig,« stieß sie hervor. »Du lügst.«

Wie ruhig er blieb.