Er sagte nur:

»Ich erscheine dir undankbar.«

»Kannst du niemand recht lieb haben?« fragte sie, und nun sah er, daß sie weinte, denn sie konnte ihre Tränen nicht mehr verbergen.

Er schwieg.

»Ach, antworte mir doch,« bat sie heftig und schluchzte. »Laß mich nicht allein.«

Gedemütigt durch ihren Schmerz, der ihn zugleich beglückte, sagte er und suchte die Worte mühsam:

»Vielleicht ist in meinem Herzen mehr Liebe als in vielen anderen, aber ich kann sie nicht auf einen Menschen ausschütten wie ein einziges Geschenk. Mich bewahrt eine Kraft, deren Sinn und Ziel ich noch nicht kenne, der ich mich ganz vertrauen muß.«

Ohne Hoffnung, mit einem Mut der Verzweiflung, sagte sie fast zornig:

»Ich versteh dich nicht.«

Mochte er darauf in sein stolzes Schweigen verfallen, die Achseln zucken und sich ein wenig mitleidig abwenden. Ja, mochte er gehn, wenn er wollte. Ihr blieb doch die bittere Genugtuung, daß ihre Schmerzen größer waren als sein Stolz.