»Mark, Mark, muß ich sterben?« stöhnte sie in sein Haar.
Durch ihr loses Hemd, über Schultern und Brust hin, hatte er flüchtig ihren Körper gesehn, schnell und mit jähem, furchtbarem Erschrecken. War es möglich, daß in so kurzer Zeit ein Mensch so völlig verändert werden konnte?
In einem Taumel von namenloser Wut und kaltem Entsetzen fühlte er: so kommt der Tod. Nicht wie die jugendlichen Träume unserer Kraft ihn sehn, sondern so, schleichend, allgewaltig, gemein, lieblos. Er konnte seine Opfer klein und erbärmlich machen, bevor er sie in seine ewige Nacht dahinraffte. Er entkleidete sie ihrer Schönheit und Wärme, erbarmungslos zerstörte sein Odem den jugendtrunkenen Glauben an Hoheit und fromme Hingabe an sein Friedensreich.
Mark Enz kämpfte einen harten Kampf gegen sein Mitleid, das stärker zu werden drohte, als jedes andere Gefühl. Es war ein Mitleid, in dem er seine ganze Ohnmacht erkannte, seine Todesangst vor der Macht, die hier wirkte und seinen Haß gegen sie. Erst als sie sprach, war er befreit, denn ihre Stimme war ganz die gleiche geblieben wie früher, nur erreichte sie ihn langsamer und trauriger, aber sie gehörte doch noch dem Leben an, auch seinem Leben, ihr Klang war Hoffnung, und wenn auch nur ein matter Abglanz.
Er hatte ihr nicht geantwortet. Da sagte sie deutlich und leise mit schwerfälligen Lippen:
»Wer bist du, ich kenn dich nicht, Mark. Was hast du von mir gewollt und was hast du aus mir gemacht? Ich habe geglaubt, ich sollte alles finden. Was nur? Mark, sag es. — Willst du es mir nicht sagen? Warst du auch betört wie ich, und hast mich in deine Torheit gezogen? — Sieh, es ist alles halb geblieben und ich bin verloren. Weil du bist, weil du lebst und führst, einhergehst, darum kann ich nicht mehr umkehren. Oft möchte ich, aber ich muß immer auf dich schauen. Warum bist du nicht gekommen? Es ist schon so spät ...«
Er besann sich und faßte sich:
»Hat es dir Friedberg nicht gesagt, mein Liebling?«
»Ja, er hat gesagt, du seist fortgereist.«
»So war es«, antwortete er bebend. »Ich mußte reisen.«