Sie lächelte flüchtig, ein wenig in Gedanken an Friedberg und auch, weil sie von ihrer Furcht befreit war, Mark hätte nicht kommen wollen.

Aber dann sagte sie ernst, ganz versunken in ihre schwermütige Traurigkeit:

»O, du bist nicht groß und stark, wie ich geglaubt habe, du bist haltlos und schwach. An dir ist alles halb, alles wankelmütig, und dein Herz ist ohne Hingabe. Warum hast du mich auf deinen bösen Weg gelockt, der kein Ziel hat? Wohin gehst du? Mein Weg war vielleicht leer und arm — du weißt es nicht, nur ich weiß, wie er war, er war einfach und führte zu meiner Ruhe, er ließ mir mein Wesen und ich wäre vielleicht glücklich erwacht. Du bist fremd ...«

Er richtete sich auf, hielt sie mühsam und sah sie an. Sie beugte sich immer noch gegen ihn, stützte sich schwach und hinfällig an seiner gebeugten Schulter, kniend in ihrem Bett. Es sah aus, als versänke sie weiß und erstorben, wenn nicht ihre beiden kraftlosen Arme, deren Hände sich in seinem Nacken falteten, an seinem Hals Halt gefunden hätten.

Ganz nah vor seinem Gesicht flüsterte sie fort:

»Wenn du mein eigen geworden wärst ... aber du hast mir niemals gehört.«

Sie sah sein Gesicht und in gequälter Hast fuhr sie fort:

»Glaube nicht, ich hätte dich nicht lieb gehabt, Mark. O, ich will dir ja nichts nehmen, du sollst alles behalten. Aber bitte, sag es mir doch heute, nun wird es dir ja nicht mehr Schaden tun: du hast mich nicht sehr lieb gehabt, nicht wahr? Nur ein wenig ...«

Er sah sie an, ohne zu antworten. Die tiefe Trauer in seinem Gesicht schien befleckt wie durch Gedanken. Es war, als könnte er sich auch seinem Schmerz nicht hingeben.

»Muß es denn so unter den Menschen sein, so, und nicht anders?« fragte sie wieder sehr leise. »Ist es nicht möglich auf der Erde, daß durch Liebe Kräfte erstehn, die unsere Armut zu Vollkommenem ergänzen? Daß alles gut ist und die Sehnsucht still wird, daß sie Flügel hat und ihren Weg weiß ...«