Das Gesicht des Mädchens, das nun nah vor ihm am Hang kauerte, blieb ruhig und unberührt. Was konnte dem Pfarrer daran gelegen sein, es zu würdigen? Menschen, deren Einfluß wahrhaft bedeutungsvoll werden kann, fallen uns für gewöhnlich nicht sonderlich auf, weil die Gebärde der ruhenden Kraft in den meisten Fällen arglos ist.

»Ich möchte Geroms Haus finden,« begann er etwas unsicher von neuem, »kannst du mich führen?«

Das Mädchen betrachtete ihn eine Weile stumm und sagte dann einfach: »Ja.«

Er setzte sich ihr gegenüber, kaum daß er es gewollt hatte, nun war es geschehn und mochte so bleiben. Das Wasser zog mit leisem Rauschen dahin, es flimmerte durch das Schilf, das sich nicht bewegte, die Bäume standen auf stillem Grund, ließen den Duft des Waldes aus und den gedämpften Sonnenschein ein. Das Mädchen ließ sein Handeln zu und betrachtete ihn ohne Neugierde, wie es ihm schien, und ohne Scheu; aber alles umher, wie auch sie selbst, ließ ihn eigenartig allein. Er sah sich um, als suchte er nach irgendeinem Beistand, endlich fragte er sie, wer sie sei, und sie antwortete ihm:

»Ich bin Anje, Geroms Kind.«

Ihr gelbes Haar war heller als der feine Ton ihres Gesichts, es wirkte fast grell und schien ein wenig rauh, obgleich es im Licht glänzte, man hätte mit der Hand darüber hinfahren müssen, um es zu prüfen. Ihre Stirn war niedrig und die Augen lagen etwas schräg, als hätten die zarten Backenknochen, die deutlich sichtbar waren, sie in den äußeren Winkeln um ein kleines emporgedrängt. Was machte ihr Gesicht so rührend hilflos? Sicher nicht der breite Mund oder die kindliche Nase, die beinahe etwas frech wirkte, nein, es waren die Linien ihrer Wangen und das kleine Kinn.

Eigentlich ist sie häßlich, sagte sich der Pfarrer finster, aber man muß trachten, ihr Liebes zu erweisen, sie wird dankbar dafür sein. Der zierliche Körper …

Er hielt in seiner Betrachtung jählings inne, verwirrte sich und stammelte in großem Ungeschick, es wäre Zeit, es sei gut, gleich aufzubrechen, denn der Weg wäre recht lang. Dabei verfiel er in einen derben und väterlichen Ton, dessen er sich zugleich schämte.

Es blieb feierlich still im Wald, Anje hatte ihre Haltung geändert, er sah ihre bloßen Füße im Moos. Er selbst war aufgestanden und hatte sich an den Stamm einer Birke gelehnt. Mit gerunzelter Stirn, und scheinbar ernst mit sich selbst beschäftigt, sah er forschend in die Waldferne, aber seine große Hand verwirrte sich an seiner Halsbinde und an seiner Stirn.

»So komm denn nun …«, sagte er streng.