Ja, es sei wahr, antwortete er auf ihre Frage, der Dienst ließe ihm wenig Ruhe. Onne sagte:

»In den Dachenauer Wäldern gibt es genug zu beachten, was tust du nachts in der Einöde? Drüben gibt es Nacht genug, verstehst du?«

Fridlin verstand. Er wurde zornig und sagte erbost:

»Gesindel gibt es überall.«

Onne nickte vor sich hin, als ob diese Tatsache ihr zu denken gäbe, dann meinte sie freundlich:

»O der Grünschnabel, wie er das Herz versteckt, und es bricht ihm doch so jammervoll aus den Augen. Du«, fuhr sie plötzlich in verändertem Tone fort, »hör auf mich, und bleib mir in der Dachenau. Aus deinem Gesicht spricht nichts Gutes mehr …« Sie kam ihm ganz nah und sah ihm, gebückt, unter seine Augen; aus ihrem roten Kopftuch schaute das winzige braune Gesicht in tausend Fältchen hervor, und das Lebenslicht ihrer Augen schien alt und still.

Fridlin war zu unglücklich, um zornig bleiben zu können. Erstaunt blickte er auf die Alte nieder, die ihn einschüchterte, er hatte immer nur gleichgültige Worte mit ihr gewechselt, was wußte sie denn, und was wollte sie von ihm? Aber als der Ausdruck ihres Gesichts sich langsam in ein Lächeln verkehrte, das nicht spöttisch oder boshaft war, packte es ihn plötzlich angesichts dieser alten befreiten Frau, die den Bedrängnissen des Lebens für immer enthoben war.

»Du solltest nicht schelten«, sagte er hilflos und lehnte sich an einen Baumstamm. Seine Übermüdung und seine Verzweiflung überwältigten ihn, und er fing an zu weinen, ohne daß sein Gesicht sich bewegte, seine Hände hingen herab.

»Setz dich nieder ins Gras, Fridlin«, sagte Onne, als merkte sie nichts. Wer keine Tränen weinen kann, der fühlt sie oft bei anderen kommen, ehe sie das Auge benetzen. Sie sprach nicht über das, was Fridlin bewegte, sondern hockte sich neben den jungen Menschen auf den Waldboden und sprach von den Wäldern und von den Wanderburschen, die durchs Land zogen.

Onne wußte längst, um was es sich handelte, aber sie wußte auch, daß man seine Tränen zuweilen bei einem Menschen weinen muß, der sie nicht sieht. Fridlin war ihr lieb. Zu Anfang hatte sie geglaubt, er spüre Gerom nach, aber dann hatte sie bald herausgebracht, daß das Anjekind schuld an diesem Unfrieden war. Da Anje nicht mit ihr über solche Dinge sprach, mußte sie selbst sehn, was sich anspann und wie es auslief. Das Mißgeschick des Pfarrers hatte sie erst in Gorching erfahren, in dem Aberglauben, dem er hatte begegnen wollen, war seine Gemeinde durch sein Erlebnis aufs neue bestärkt worden. Nun sagte sie unvermittelt zu Fridlin: