»Wie hast du es gemeint,« rief er unter Schluchzen, »was hast du im Wald von Anje gehört?«
Er sprach noch mancherlei Dinge, die trotz ihrer Unverständlichkeit einschüchternd wirkten, weil man sie mit seinem Leidenseindruck in Zusammenhang brachte, und weil sie durch seine Verzweiflung einen schaurigen Sinn bekamen, den keine Klarheit ihnen hätte verleihen können. Niemand begriff, daß der junge Mann sich in Hoffnungslosigkeit und Herzensangst in ihre Mitte gedrängt hatte, weil er unbewußt Hilfe von den Menschen erhoffte. Vielleicht mochte hierin der Grund zu finden sein, daß er sich plötzlich in maßlosem Zorn gegen die Nächststehenden wandte und in Schmähungen ausbrach. Als man ihn ergriff und fortführte, wurde er still und ließ mit sich geschehn, was man wollte. –
Als Gerom am Abend zur Ruhe gehn wollte, trat Anje vor ihn hin und fragte ihn schüchtern:
»Gehst du heute nacht in den Wald?«
Gerom sah erstaunt auf und bejahte ihre Frage zögernd.
»Warum willst du es wissen?« antwortete er ihr.
Anje strich sich ihr Haar gelassen über die Schulter, vom Herd her fiel ein milder Feuerschein über ihre Gestalt, ihr ruhiges Gesicht glühte im dämmrigen Rot. Geroms Stirn verfinsterte sich, er stand schwer und alt im Schatten an der Tür, und sein grauer, verwilderter Bart bedeckte seine Brust bis zur Hälfte. Er forschte in diesen Zügen, deren reines Licht von so großer Unschuld erstrahlte, daß ihn eine glückhafte Schwäche befiel, die das Herz eigensinnig zu unerreichbaren Gütern überredete. Er fühlte sich schuldig, weil er ihr kein Trostwort gesagt hatte wegen Onnes Tod, aber er brachte dererlei nicht über sich; war es nicht Tröstung genug, daß sie beide den gleichen Schmerz ertragen mußten? Aber vielleicht verlangte es sie nach einem Beweis seiner Teilnahme.
Deshalb sagte er nun:
»Onne ist gestorben …«, er stockte und fuhr fort: »so sollte es geschehn.«
Anje sah auf.