»Ein unerwarteter Gast,« sagte sie, »zwar unerwartet, aber ein junger Student auf der Reise. Er ist Naturforscher und hier fremd.«
Kaja machte einen strengen Knicks.
»Geh zu deinem Bad, mein Kind,« fuhr die Tante fort, »wir unterhalten uns hier noch ein Weilchen.«
»Jetzt wirst du zum Christentum bekehrt,« sagte Kaja zu mir, »nachher komm schwimmen. Du siehst schrecklich aus im Tageslicht, man schämt sich ja. Also auf Wiedersehen.«
Es war mir ein Rätsel, wie ein Mensch diese Worte aussprechen konnte und dazu ein Gesicht machen, als sagte er, betroffen und verlegen: »Guten Morgen, mein Herr, ich danke Ihnen für die Ehre Ihres Besuchs und hoffe, daß Sie sich in diesem Hause wohlbefinden werden.«
Tante Mimsey schien zufrieden, sie nickte gewissermaßen in sich hinein, und man sah den Bewegungen ihrer Hände an, daß ihr ein Hindernis als überwunden galt.
»Eine reizende junge Dame«, sagte ich zurückhaltend.
»Ja, ja, ja ...« sagte Tante Mimsey leise, als sei es die Schlußzeile eines Gedichts; sie dachte an etwas anderes.
Ich bat um die Erlaubnis, mir jetzt im Dorf eine Unterkunft suchen zu dürfen, und half ihr damit aus ihrer kleinen Verlegenheit. Während sie sich zu Niko niederbeugte, schnitt ich mit dem Taschenmesser ihre gestielte Brille von der Seidenschnur, an der sie befestigt war, und steckte sie ein, denn ich wollte mit Kaja baden. Auch hatte ich damit für alle Fälle einen Anlaß später wiederzukommen, um als glücklicher und ehrlicher Finder empfangen zu werden. —
Kaja saß auf einer schmalen Sandbank, im harten Gras des Strandes und zog sich aus. Sie hatte einen Platz gewählt, der vom Land aus nicht zu sehen war, da die Buchen dort bis dicht ans Wasser wuchsen, auf einem unterspülten Hang.