»Du bist ja ein Knabe,« sagte sie, »ein Kind. So sprich doch, ach, ich bitte dich, sprich!«

Nach einer Weile fuhr sie klagend fort:

»Kannst du nicht sprechen? Betrübe ich dich? Ich bin dir ja gern zu Willen, und du darfst nicht von mir glauben, daß ich arm und häßlich bin. Ich gehöre ja dir, kannst du es nicht glauben? Geh doch nicht fort tief innen, wohin treibt es dich denn? Aber sprich doch, sprich doch!«

Sie schmiegte den leichten, suchenden Leib inniger an mich, und schaurig still, wie Gewitter am Himmel, entzündeten Schmerz und Freiheit der Seele in mir sich über Zorn und Haß zu einem gewalttätigen Opferdank. —

Sie lachte leise auf, zitternd im Gewinnen, tief erheitert, doch ohne Stolz, plötzlich in den drohenden Ernst ihres unerbittlichen Rechts gestellt, im Eigensinn der brennenden Begabung. In März- und Sommerglut und hellen Frösten durcheilte ich die weiten Landschaften, die meine Augen gesehen hatten, Jahre vergingen, in Sekunden gedrängt, Augenblicke dehnten sich, in Silberfahnen gestaltgewordener Sehnsucht von Gestirn zu Gestirn gespannt, das Meer stürzte über die schneidende Firn der Ohnmacht aller Kraft, und mit der Rückkehr hallte es, mit der wieder emporsteigenden Nacht, über die gleitenden Grenzen der Bewußtheit hin: Tausend Jahre sind wie ein Tag. —

»Kaja, liebe Kaja, ich will einen weiten, stolzen Weg des Lebens machen, anders als alle. Ich will einen guten Gürtel haben, rasche Füße, frohe Augen. Wie offen liegt die Welt der Tage und Nächte, alles ist frei und nichts getan.«

»Du träumst ja schon«, sagte eine Stimme dicht über mir.

Zwei Hände zogen liebevoll einen Mantel über mich, wie eine Decke.

»Bald kommt der Morgen, Kaja ... sprach ich nicht vom Morgen zu dir, als ich dich noch nicht kannte, als ich im Dunkeln zu dir kam, damals unter dem Fenster?«

»Friert dich nicht?« fragte die Stimme, »schlaf nun, bald wird es hell.« —