Was will nur Han zu dieser Stunde in meinem Zimmer? dachte ich. Han ist die Hausgenossin eines Fischers am Meer, am Meer, an dem ich weile, aus diesem oder jenem Grund des Weltwillens, der in meinem Ich waltet.

»Geh, Han, und schlaf.«

Sie faltete die Hände und rang sie, gebeugt, über ihren Knieen.

»Es wird schon Morgen, kleine Han. Man sieht das Frühlicht auf deinem Scheitel, der hell schimmert.«

»Ja,« sagte sie gehorsam und dann stockend: »Du bist traurig ...«

»Ja, Han, ich bin traurig, gewiß, sehr traurig. Auch traurig wird man zuweilen, nimmt dies und das, ein Mensch, wie es kommt.«

»Dort steht Brot und Milch,« sagte sie hilflos, »so iß doch, stärke dich, ich habe Angst, aber ich weiß nicht warum.«

So stand sie da, hell und unwirklich, ein matter Lichtschein in der leeren Morgenstunde im dämmrigen Raum. Ich sah sie an und hörte ihre Worte, und es lief mir aus den Augen über mein Gesicht und tropfte auf den Boden in der Stille, so daß ich es hörte. —

Als ich am Margen erwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Ihre Strahlen sanken schräg an meinem Fenster vorüber und streiften die Hauswand, an der farbige Bohnen blühten. Eine der Blumen, an einer beweglichen Ranke, saß wie ein kleiner Schmetterling aus Feuer und schaukelte sich im tiefen Himmelsblau. Aus dem Garten klang die Stimme Lüdersens und verstummte, es herrschte draußen wieder die große Sonnenstille des Sommers.

Ich ging ans Meer und wusch mich. Das Boot war neu geteert worden und duftete so stark, daß sein Hauch mich wie eine Glutwelle überfiel. Das Wasser flüsterte kaum vernehmlich, die Wogen liefen träge und klein nacheinander heran, niedrig und zögernd, wie von der Lichtflut schläfrig gemacht. Ich sah zum Wasserschlößchen hinüber und erblickte fern zwei zierliche Gestalten am Ufer, Kajas rote Kappe leuchtete, und hinter diesen bildhaft feinen, fernen Strandfigürchen war die Weite lichtblau und verschwommen, ein Traumtal ohne Ende.