»Ja, aber meinst du denn,« entgegnete die Ente, »daß wir Lebensfreude empfänden, wenn wir nichts zu essen hätten?«
»Himmel und Wolkenbruch,« rief der Enterich, »jetzt hältst du aber den Mund!«
»Ach, du lieber Gott,« schluchzte die Ente, »nun wirst du grob und beschimpfst mich, während ich nur das Beste gewollt habe. Sag’ wenigstens nicht Mund, sondern Schnabel, wie es sich für eine anständige Ente gehört.«
»Wenn du ihn hältst, so will ich ihn nennen, wie er heißt, aber begreife endlich, was mir im Sinn liegt! Schon als ganz kleines Tier war ich so, daß ich längere Zeit über alles nachdenken mußte, was ich sah oder erlebte; wenn ich dir schildern könnte, wie tief mir alle Eindrücke gegangen sind! Das Schilf in der Sonne, die Flußfahrt durch den Kiefernwald oder der erste Flug über Land. Vom Tauchen schweige ich, ich dachte damals im durchsichtigen Wasser, kein Tier ist so glücklich wie eine junge Ente. Den Schnabel im Morast und die Beine gegen die Sonne, ach, Liebe ...«
Die Ente betrachtete ihren Gatten, wie er da stolz und fest im Uferwasser saß, und wie die kleinen Bachwellen die herrlichen blauen Streifen seines Flügels bespülten; die Beine schimmerten rötlich durch die Flut, und der ungemein wohlwollende Ausdruck seines klugen Gesichts söhnte sie aus.
»Sprich nur weiter,« sagte sie freundlich, »es schadet ja nichts.«
»Es schadet nichts ...« wiederholte der Enterich langsam und dann schwieg er. Aber mitten in seinem Groll kam ihm in den Sinn, daß seine Frau in diesem Frühjahr ihre Jungen gegen einen Habicht verteidigt hatte; sie, das kleine schwache Tier, ohne Krallen und mit einem stumpfen Schnabel, der nur zum Wühlen im Schlamm und bestenfalls zum Festhalten eines kleinen Fisches oder eines Wurms geeignet war. Sie war dem Raubvogel mit einem wilden Geschrei entgegengeflogen, das er noch niemals von ihr gehört hatte, und ihre Flügel peitschten die Luft, daß es sauste. Das Herz des Enterichs schlug, als er an diesen Augenblick dachte; die Jungen hatten Zeit gehabt, ins Schilf zu flüchten, und dann plötzlich, als alle in Sicherheit waren, war seine Frau so rasch im Wasser verschwunden, als hätte ein großer Hecht sie hinabgerissen. Später hatte sie rasch ihre Kleinen wiedergefunden, und sie waren ihnen erhalten geblieben, die acht.
»Nun gut,« sagte er, »ich werde also weitersprechen.« Aber er kam nicht dazu, denn es geschah etwas sehr Merkwürdiges: über ihnen wurde ein feines Klatschen hörbar, und eine helle Stimme rief:
»Fliegt auf! Fliegt auf!«
Nun, das taten die beiden Enten sogleich mit lautem Geschrei und Flügelschlagen, so daß das Wasser aufspritzte und das Schilf rauschte. In der Natur warnen alle befreundeten Tiere einander durch Zurufe, und da die Enten die Stimme verstanden hatten, folgten sie sofort der Warnung. Sie wußten nicht, daß es der Elf gewesen war, der in die Hände geklatscht hatte, und noch weniger ahnten sie, weshalb er es getan, und in welch entsetzlicher Gefahr sie geschwebt hatten. Denn kaum machten ihre Flügel den ersten wuchtigen Schlag, der sie emporriß, als durch das Schilf mit einem langen Satz der Fuchs aufsprang und ihnen enttäuscht und zornig nachschaute. Er hatte sie bis auf knapp drei Entenlängen bereits erreicht, niemand kann leiser durch das Schilf schleichen als ein Fuchs, aber mit dem Elfen hatte er in keiner Weise gerechnet.