„Ich habe sonst kein Eigentum“, antwortete das Kind.
„Aber wenn ich dir eine große Summe gebe, so kannst du leicht neue Affen erstehen. Ich biete dir fünf Rupien.“
Panja verschluckte sich bei der Summe und mußte sie noch einmal sagen.
Der Knabe zitterte so heftig, daß ich ihn am liebsten in die Arme geschlossen hätte. Er sagte zögernd:
„Es ist kein Affe so gut wie Huc. Aber,“ fügte er schnell und mühsam hinzu: „für diese große Summe will ich ihn dir geben. Du wirst Huc weder schlagen noch töten, und wenn du erlaubst, werde ich zuweilen kommen und durch das Gartengitter schauen.“
„Weshalb verkaufst du ihn, wenn du deinen Affen liebst?“ fragte ich.
„Soll ich so was wirklich übersetzen?“ fragte Panja.
Ich sah ihn an, und er übersetzte meine Worte wie ein Automat.
„Meine Eltern hungern“, sagte das Kind einfach, ohne Klage und ohne Anklage. Und im Verlauf des Gespräches erfuhr ich eine merkwürdige Geschichte, die mich lebhaft fesselte. Der Vater dieses Knaben war von der deutschen Missionsgesellschaft in einer Weberei, die in Cannanore von den Missionen unterhalten wird, angestellt gewesen, nachdem er sich zum Christentum bekehrt hatte. Da er sich aber im Verlauf seiner Tätigkeit wiederholt Diebstähle hatte zuschulden kommen lassen, war er entlassen worden. Seine Stammesgenossen, die ihn längst als Abtrünnigen betrachtet hatten, wollten nun, bei seiner Wiederkehr in ihr Bereich, nichts mehr von ihm wissen, und er war hier wie dort ein Geächteter geworden und in Elend geraten. Nun begriff ich wohl, daß man in einer Industrie keine Diebe gebrauchen kann, aber der Gedanke, ob im Tempel eine Weberei am Platze sei, erfüllte mich nach dieser Erfahrung mit mancherlei Zweifeln. Die Wechsler und die Priester werden in keinerlei Gotteshaus zum Segen einander dienlich sein, am wenigsten in einem christlichen.
Ich sollte auf diesem Gebiet noch recht unterhaltsame Erfahrungen machen, und es stand mir noch bevor, einige dieser Gottesboten kennen zu lernen, sowie auch den Geist und Wert ihres Wesens. Panja mußte nun zu seiner Bekümmernis mit dem Knaben einen Vertrag abschließen, nach welchem mir das Recht auf den Affen Huc für zwei Monate zustand, wogegen ich die Summe von fünf Rupien im voraus als Gebühr entrichtete. Dem Besitzer stand es zu, seinen Affen zweimal in der Woche zu besuchen und ihn abzuholen, falls ich früher als in der ausgemachten Frist Cannanore verließ.