Ich war jung genug, nicht ohne weiteres zu dulden, daß ich mit diesen Propheten der heiligen Einfalt zusammen das Deutsche Reich in Indien repräsentieren sollte, und sagte:

„Die Leute sind einfältig.“

„Das schließt ihre Aufrichtigkeit nicht aus“, meinte Mangesche Rao, doch ich konnte mich nicht enthalten, hinzuzufügen:

„Sie müssen Ihnen wenig schaden, da Sie so nachsichtig sind.“

Mangesche Rao lächelte, meine Unvorsichtigkeit schien ihm wohlzutun, und so bemerkte er leichthin:

„Wir begegnen einander nur auf Gebieten, die wir ihnen überlassen.“

Seine Meinung über die Jesuiten unterschied sich wesentlich von der über die protestantische Mission, und aus den Ansprüchen, die er durch die Wirksamkeit und Eigenart dieses Ordens befriedigt sah, merkte ich rasch, wie wenig ihm alles galt, was nicht im Geistigen zu suchen war.

Aus keiner Einzelheit, die unsere Unterhaltung berührte, war bisher zu entnehmen, daß mein Gast sich auch nur beiläufig um Politik bekümmerte, ja auch nur das kleinste Interesse am Ergehen des Landes, an seiner wirtschaftlichen oder sozialen Lage nahm. Ich war vorübergehend in Zweifel, ob sich der Kollektor nicht mit seiner Annahme im Irrtum befand und die Unschuld seines vermeintlichen Gegners für höchste Verstellungskunst gehalten hatte.

Die Sonne trieb ihr buntes Spiel im ruhigen Raum, der Besuch saß im gedämpften Licht, und sein Anblick erfüllte mich mit der stolzen Freude des Gastgebers einem ungewöhnlichen Fremden gegenüber. Der blaue Vorhang, den ich am Tage vorher erstanden hatte, schmückte die Wand meines Zimmers als Hintergrund, und die Schultern, das glänzende schwarze Haar und das gedämpfte Seidengelb vom Turban Mangesche Raos hoben sich unwirklich und fremdartig davon ab, mir erschien der Anblick zuweilen wie ein Bild aus der Märchenwelt von TausendundeineNacht. Panja, lautlos und vorsichtig, brachte Tee und Tabak, ich war nicht wenig darüber erstaunt, als ich sah, wie tief und feierlich er den Brahminen begrüßte, der durch einen Blick dankte, ohne auch nur die Stirn zu neigen.

Es schien dem Gast nach einer Weile in Frage und Antwort doch zu hastig zu gehen. Die vornehmen Inder verkehren mit den Europäern in außerordentlich gesetzter Weise und haben sich in ihrem Umgang mit den Herren ihres Landes daran gewöhnt, das Wort als ein Mittel zu betrachten, um die Gedanken zu verbergen. Diese Kunst haben sie gewiß nicht erst in ihren Kämpfen mit den mohammedanischen oder englischen Eroberern gelernt, aber sie sind zu oft getäuscht worden, um nicht mißtrauisch zu sein, bis zur Verstecktheit. Wie ich Mangesche Rao später kennen lernte, lag seiner Natur der Freimut näher als die Verstellung, aber zu Beginn unserer Bekanntschaft prüfte er meine Äußerungen wieder und wieder darauf hin, was sie hinter ihrem Wortlaut bedeuten möchten, oder was darüber hinaus. Das ließ ihn oft zögern oder schweigen, und ich erkannte bald, daß mein bestes Mittel, ihn rascher zu Vertrauen zu gewinnen, sicherlich eine gewisse Gleichgültigkeit gegen jede Vorsicht war. Aber welcher Vorsichtige erwägt nicht, selbst vor der arglosen Gebärde einer Preisgabe, die Möglichkeit eines Mittels zu verborgenem Zweck? Mangesche Rao wählte geschickt einen Weg, der ihm Gelegenheit zu beiläufigem Beobachten und Schweigen gab, er nahm vom Nebentisch ein Schachbrett und begann, wie in Gedanken und scheinbar unbeteiligt, die Figuren zu ordnen.