[Zweiter Aufzug]

Im Pfarrhaus von Norby. Naemi. Arne.

Naemi

Von allem unberührt, was uns bewegt,
erstrahlt der Sommerhimmel überm Meer.
Das blaue Wasser, das kein Wind erregt,
schickt seine tausend Lichter zu mir her.
Wie seltsam durch den Gleichmut der Natur
stürmt unser übereifrig Tun und Hasten
und läßt doch von uns allen keine Spur.
Sag, ist es nicht, als ob selbst unsere Lasten
und Lust, die wir als unser Teil
zu tragen glaubten, sich einst Anderen geben?
So still verhallt das ernste, eigene Leben.

Arne

Du denkst an deines alten Vaters Tod,
lebt er nicht fort in deinem Leid, mein Kind?
Erinnerung ist ein heiliges Gebot,
und die Natur ist treuer als wir sind.
Sieh, selbst die Einfalt weiß von dieser Pflicht.
Oh, wie viel mehr kennt sie der Geist im Licht.
Doch sich zu gründen, aller Welt zum Dank,
bleibt allen Geistes höchster Lebenshang.

Naemi

Du sendest dein Verlangen in ein Reich,
in das mein Herz nur zögernd folgen kann.
Was, sag mir, unterscheidet Weib und Mann,
was macht sie unter Gottes Augen gleich?
Wie soll mich selbst die höchste Lust beglücken,
weiß ich dein Herz vor meinem auf der Flucht,
wenn meine Seele nicht in allen Stücken,
der deinen ähnlich, ihre Heimat sucht?

Arne

Wie ahnst du lieblich den gespaltenen Sinn,
um dessen Harmonie ich ruhlos ringe,
doch schon, wenn ich dir meine Zweifel bringe,
geb ich mich wieder neuen Kämpfen hin.
Des Weibes Tugend und des Mannes Wert
verbindet irdisch kein bestehend Recht.
Gelobt sei, wer im Schicksal sich bewährt,
des Weibes Schicksal aber heißt Geschlecht.