Naemi
So sieh in meinem Schicksal meine Tugend!
Ich habe keinen andern Rat für dich.
Geb ich nicht willig meine ganze Jugend
und will nicht Preis noch Dank von dir für mich?
Nur sag mir, daß ich innig dich erfülle,
gib mir den Trost, daß ich dir alles bin.
Ach, mich beseligt schon dein Wunsch und Wille.
Arne
Mein Wunsch zu dir ist meiner Sehnsucht feind.
Du lenkst den Sinn zu fröhlichem Genügen.
Den warmen Wohlstand, der die Menschen eint,
sah ich noch nie in eines Kämpfers Zügen.
Was kränkt mein Herz, verbittert meinen Mund,
dir meine Liebe fröhlich zu gestehn?
Von Furcht und Scham in tiefster Seele wund,
bin ich bestimmt, allein den Weg zu gehn,
der mich zu Gott, nach meiner Hoffnung führt.
Und weiß, indem ich deine Liebe quäle,
sucht doch allein nach Liebe meine Seele,
von deinem Leid zu wehem Glück gerührt.
Naemi
Die Elemente, welche Gott verklären,
sind wohl in allem, was da lebt und schafft,
jedoch die Liebe nicht. Sie ist als Kraft
nicht mehr als Licht und Wind auf toten Meeren.
Erst als Gemeinschaft kann sie sich bewähren.
So sage mir den einen großen Sinn,
das letzte Ziel, nach dem die Guten streben.
Wie soll ich anders werden als ich bin?
Was gibt es mehr für mich als liebend leben?
Arne
Ich habe keinen andern Sinn gefunden,
als den, in jener Harmonie zu ruhn,
in welcher Unschuld mit Geduld verbunden
die lichten Wunder neuer Hoffnung tun.
Und diese Hoffnung führt zuletzt zu Gott,
und nicht Natur noch Geist umfaßt ihn voll,
du wirst ihn niemals ungewiß umschreiben.
Er ist ein Schöpfer, und er wird es bleiben!
Wahrhaftig wesenhaft und liebevoll.
Im ewigen Wechsel wird kein Herz befreit,
Gott ist als Wesen Sinn der Ewigkeit!
Es ist nicht Einfalt, die sich sinnlos beugt,
die solchen Glauben tief in mir erzeugt,
es ist mein Anspruch, dem die Welt zu klein,
ich will des ewigen Vaters Erbe sein.
Naemi
Wem sich das Liebste, was er sucht und meint,
in tiefster Seele nicht als Gott vereint,
der schließt Natur als arm und böse aus
und schilt die Heimat in des Vaters Haus.
Vergib, Geliebter, wenn mein hartes Wort
als unverständig dein Gemüt verwundet;
ich treib die Kraft, an der mein Blut gesundet,
nicht von der Schwelle meiner Seele fort.