Naemi
zu Holger
Wend dich nicht ab, was fürchtest du?
Er sucht sein Recht an dich und an dein Leben,
er braucht sein Wort zu seiner Ruh.
Was Knechten zukommt, soll man ihnen geben.
Was kann sein Rat wohl unsrer Sache tun?
Macht eines Greises Plappern sie zu Schanden,
so möge sie in Gottes Namen ruhn.
Mein Schicksal knüpft die blutgeglühten Banden
um andre Werte als um guten Rat.
Wer wollte das Notwendige verführen?
Laß ihn. Er wird die lieben Flammen schüren,
wie guter Wind noch stets dem Feuer tat.
Jörgen
zu Holger
Wend dich nicht von mir, oh versteh mich recht.
Naemi sah, daß sie der Mann verschmähte,
dem sie mit Leib und Seele sich vertraut,
sah nicht den bittern Kampf, der ihn erhöhte,
in dem er nur sein fernes Ziel geschaut.
Mit seinem Tod wirst du ihr Klarheit bringen.
Er läßt sein Wesen nur mit seinem Leben.
Du kannst Naemi nie und nie erringen.
Du kannst sie nur dem Toten wiedergeben.
Holger
Schweig still. Verwirr mir nicht Herz und Sinn.
Vor müden Augen liegt die Erde grau.
Ich habe recht, weil ich in Flammen bin,
und weil ich ihrem heißen Sturm vertrau.
Wollt ich bedenken, was das Meer vermag,
ich ließe meinen Kahn bei Sturm am Strand.
Sahst du mich je in Zaudern abgewandt,
wenn uns ein Fahrzeug auf den Klippen lag?
Und heute glaubst du mich von Furcht erfüllt,
wo es mein Lebensschiff zu retten gilt?
Ich danke deinem Rat und glaube dir,
er war von Herzen gut und wohlgemeint.
Ich ehre den Berater und den Freund,
das Steuer aber läßt du heute mir.
Laß dir genug sein, daß dich mein Befehl
nicht zu den Helfern stellt, die ich mir wähl’!
Jörgen
Herr, Herr, dein Stolz. Oh, Oerlsunds alter Ruhm!
Sieh meine Tränen, der du mich nicht siehst.
Zur Knechtschaft sinkt dein freies Herrentum.
Oh, dunkles Schicksal, dem du nicht entfliehst.
Das Steuer brennt in eines Weibes Hand,
du bist ihr Knecht, in ihren Haß gebannt —
Oh, wer ist wert, daß dies um ihn geschieht?