»Steck deine Kerzen auf«, sagte Afra und ging hinaus.
Friedels langgewordenes Haar fiel ihm tief in die Stirn, als er seine braune Geige stimmte. Der Saal strahlte. Die alten Goldrahmen der Bilder blinkten auf, und die Angesichter der dargestellten Herren und Frauen sahen aufgerichtet, wie erneuert, mit belebten Zügen in den Glanz der großen blühenden Kronen. In den Wandteppichen blitzte es hier und da von einem auffunkelnden Goldfaden, und die dickfaltigen Damaste vor den hohen Fenstern wirkten nicht als Verkleidungen der Wege in die freie Nacht, sondern als schwerer Zierat an undurchbrochenen Wänden.
Friedel fiel es auf.
»Liebe Kinder«, sagte er und sah Afra an, »bedenkt, wo wir uns hier befinden. Wenn man sich vorstellen könnte, die Nacht draußen über der Welt sei Erde, so ist dieser Saal in ihr wie ein von innen erleuchteter Sarg.«
Der Prophet, der neben Afra ihm gegenübersaß, sah Friedel mit aufleuchtenden Augen an.
»Das ist ein gewaltiges Bild«, sagte er.
»Wieso?« meinte Friedel geschmeichelt, »mir kam das nur so in den Sinn, ganz zufällig.«
»Ja«, sagte der Fremde, »wenn Sie nachgedacht hätten, würde es Ihnen wohl nicht eingefallen sein.«
Friedel lachte, zugleich amüsiert und beleidigt. Dann beugte er sich wieder über seine Geige.