Friedel hielt inne, als er Afras Gesicht sah; Paule schwieg. Friedel, bald Helmut, bald Afra zugewandt, stammelte: »Er verteidigt sich nicht, ist das ein Ungeheuer, nein, so hört doch.«
»Warum schweigen Sie?« sagte Afra, zu Paule hingebeugt.
»Trinken Sie nicht mehr«, antwortete er ihr.
»Martin, schenk mir ein!« rief sie.
Martin kam, ein rotes, funkelndes Etwas, aus dem Hintergrund, sie fühlte ihn in ihrer Nähe, er beugte sich nieder, und sie hörte den leisen, gläsernen Gesang des Weins in ihrem Kelch. Sie trank ihr Glas auf einen Zug aus.
»Ach Afra«, klang es neben ihr. Für einen raschen Augenblick sah sie seinen stürmischen Lockenkopf. Bruder meiner Kindertage, dachte sie zärtlich. Sie ritt als Mädchen über den stillen Moosgrund der Forsten von Wartaheim, die Sonne schien durch die Zweige, Rotkehlchen sangen, der grüne Waldweg zog sich, ein lichter Laubengang, in geheimnisvolle Waldestiefe hin ...
Das Bild versank.
»Sie sprachen damals von ein paar Tagen ...«, sagte Afra zu Paule mit einer Stimme, von der Schmerz und Stolz ausgingen wie Kälte, »nun sind Sie schon Wochen hier, ohne daß jemand Sie gebeten hat.«
»Bravo!« schrie Friedel. »O verflucht, das war herrlich. Afra! Dein Glas!«
Von den Sternen der Kerzen, aus dem trüben Lichthimmel herab sank eine böse heiße Stille. Der Fremde ließ sich auf seinen Stuhl zurücksinken und schwieg. Helmut starrte über seine Fäuste, die auf dem Tisch lagen, in Afras Gesicht. Er hatte schon eine lange Weile so gesessen und sie angesehen, bald sie und bald den Fremden, mit einem wehen Ausdruck qualvoller Hellsichtigkeit. Nun stöhnte er plötzlich in dieser Stille, in der Friedel hochaufgerichtet dastand und Afra sein Glas hinreckte, aus tiefstem Herzensgrund auf, mit einem tierischen Klagelaut in der Kehle, und schrie das Mädchen heiser an: