»Du warst lange nicht mehr in diesem Zimmer, Afra.«
»Friedel verläßt morgen das Schloß.«
»Wieso? Was soll das? Hat er es dir gesagt?«
»Ich will es.«
»Komm, tritt näher, Afra«, sagte er und tastete unter den Verwüstungen auf seinem Schreibtisch nach seiner Brille. »Es muß etwas geschehen sein, sag es mir. Was ist geschehen?«
»Du verkommst!« schrie sie ihn an. »Ich ersticke in dem Dunst, der von eurer Verlotterung ausgeht. Ihr beschimpft das Andenken des Grafen Konstantin. Jeder Atemzug, jeder Blick, der von euch zu mir kommt, erniedrigt mich!«
Er hatte zu Beginn ihrer Worte, wie in einer plötzlichen Erstarrung, sein Suchen aufgegeben, hatte sich ihr langsam zugewandt, und während er die geballten Fäuste gegen seine Brust preßte und das bleiche Gesicht, das von Ergriffenheit entstellt war, vorreckte, trat er langsam und schwankend, Schritt für Schritt, auf sie zu.
»Schweig! Schweig! Da stehst du, du, und sagst das mir? Hast du das ersonnen, entstammt das deinem Leibe, deinem Blut, deinen Gedanken, Mörderin du?! Du hast mich zu Boden getreten, hast mir alles genommen, was ich habe, und deinen frechen Fuß auf den Quellen meines Lebens, beschimpfst du mich, weil ich nichts mehr vermag als zu sterben ...?!« Er schien am Übermaß seines Hasses zu ersticken.
Afra stieß ihn mit ihren Händen zurück. Seine Worte berührten sie wie stäubender Schutt und heißes Blut, aber sie machten sie nicht einen Augenblick am Recht des Anspruchs irre, mit dem sie vor ihn hingetreten war. Vielmehr steigerten sie sie hinauf in jenes Bereich der herausgeforderten Seele, wo im Sturm der Not Bedrängnis zur Erkenntnis und Zweifel zur Gewißheit werden.
»Berühre mich nicht! Ich kenne die Hoffnungen deiner Hände. Du bist mir gleichgültig! Daß du nicht stirbst, ist deine Schuld. Ich weiß nur von einer Schuld, das ist mein Mitleid gewesen. Als mich dein Jammer überwältigte, hast du mich mit deinen Begierden besudelt.«