»Ich höre, aber ich bleibe. So erbärmlich mußtest du noch werden, eine Macht zu mißbrauchen, die du nie hast brauchen können. Meinst du, ich hätte das nicht hundertmal eher gewollt als du? Aber ich kann nicht. Wartalun gehört mir, jeder Stein dieses Schlosses, jede Scholle auf den Äckern und jeder Baum, denn ich liebe Wartalun. Du kannst deine Liebe verraten und verwandeln und schänden und schwankst zwischen Totenlämpchen und dem Sonnenschein hin und her, aber ich kann es nicht. Was ich liebe, lasse ich nicht. Eher wirst du die eiserne Pforte vom Grabmal im Garten hinter mir verriegeln, ehe du mich um einen Schritt aus der Heimat des Toten verbannst. So nimm mir doch Wartalun, wenn du es wagst!«

»Sollte es ... oh, du wirst sehen. Sollte es keine Macht geben, dir zu weisen, wie weit deine Rechte gehen?! Warte eine Stunde ...«

»Für dich gibt es diese Macht nicht.«

»Du sollst sehen!«

»Weißt du nicht, wer am Tor stünde, um mich zu halten, wenn ich ginge?«

»Oh, du weißt meine Liebe zu dir als Waffe gegen mich zu brauchen!«

»Du lügst! Ich verteidige mich, du drängst mich in solche Not, in der ich nach diesem Mittel greifen muß, um zu hüten, was mein ist. Hasse mich, das ist das Recht der Furchtsamen, ich brauche deine Achtung nicht. Aber was mich von Gottes wegen an dies Schloß bindet, wirst du achten müssen. — Ja, so höre es heute: ich will es haben. Ich will reich werden, weil ihr arm seid. Verstehe es, wer will, aber hättet ihr nur einen meiner Wünsche nach eurer Kraft und eurem Herzen erfüllt, so würde ich euch eure Schollen und Scheunen gelassen haben, euer Schloß und euer Gold. Aber so nicht. Ihr habt mich dorthin gezerrt, wo solche Werte gelten, nun fühlt, daß nicht einmal sie euch zukommen. Mich hat nach keiner Frucht im Garten und nach keinem Halm auf den Wiesen verlangt, solange dies Land seinen starken Besitzer hatte, dessen Herrensinn mir mehr bedeutete als das Vergängliche, darin er sich bewährte. — Aber du bist ein verlotterter Schwächling. Die Erde, die dir gegeben ist und die ihre Rechte fordert, steht gegen dich auf, nicht ich.«

Helmut sah Afra mit großen, entgeisterten Augen an, alles Leben, jede Kraft schien aus seinen Zügen gewichen, selbst sein dumpfes Bewußtsein, daß ein richterliches Wort ihn traf, war nicht mehr stark genug, ihn zwischen Haß, Demut und Begierde zu schützen. Er keuchte:

»Daß ich nicht leben soll, um den Menschen sagen zu können, daß es dich gab, daß du lebtest, tötetest ... weißes Feuer du! Aus diesen nackten Fackeln kam Gottes Gerechtigkeit zu mir ...«

Plötzlich schrie er laut: