Er lief fort, aus Gründen fröhlich, die er nicht verstand.
Afra stand gerade und still im Hof, ihr kurzes Tuchkleid ließ die schmalen Stiefel bis über die feinen Gelenke empor sehen, sie hatte den einen Fuß vorgestellt, hielt mit dem Ellbogen die Gerte an die Hüfte gepreßt und knöpfte ihre hohen Reithandschuhe. Es schien, als wollte die Sonne durch die Wolkenschleier brechen, es war lichter umher in der Welt, als der Morgen versprochen hatte, und die Schneedecke war geschmolzen. Aber kalt war es immer noch, der nasse, leere Park lag erstorben. Afra sah noch die Spitzen der Tannengruppe, unter der Graf Konstantin ruhte. Es ergriff sie ein Taumel von Erhobenheit, Wehmut und Kraftbewußtsein. Sie starrte hinüber, und plötzlich war ihr, als sähe sie von verworrenen, bunten und heißen Gebirgspfaden in ihr ruhiges Land zurück. Was tat sie nur? Was wollte sie denn, welch ein Vorhaben entflammte ihr Herz?
»Leb wohl, Afra«, sagte sie da leise zu jenem Mädchen hinüber, das sie einst gewesen war, bis heute.
Die Saaltür klirrte. Sie mußte verschlossen sein, denn das Rütteln hörte auf, und nun vernahm sie Melchiors Schritt im Gang zum Flügel des Schlosses. Er schien zu eilen. Da die Fenster ihres Zimmers geöffnet waren, hörte sie, wie er an ihre Tür pochte. Erst leise, dann heftiger. Endlich öffnete er vorsichtig, und sie sahen sich durchs Fenster.
»Ach, da bist du ... draußen ...« rief er. »Warte noch, ich komme.«
Sie blieb stehen und senkte die Augen. Nun schritt er rasch auf sie zu, er kam aus der Küchentür.
»Afra, der Herr bittet dich sehr, zu ihm zu kommen.«
Das junge Mädchen dachte:
Und wenn ich nun Paule nicht finde?
»Ja, ja«, sagte sie.