»Wo steckt er denn, der Prophet?«
Der Wirt lachte mit, augenscheinlich recht befreit, und meinte, ohne Bedrücktheit und um vieles freiheitlicher:
»Er ist davon, nach Cismaren. Noch nicht zu lange ... Er hat sehr auf Sie gewartet, Fräulein Afra.«
»Hör, woher weißt du das?«
Der Alte bewegte die flache Hand über der Stirn, wandte sich der Landstraße zu und blickte wie suchend in die Richtung nach Wartalun:
»Er hat nach Ihnen ausgeschaut.«
Im Hausgang hatten sich Gesinde und ein paar Gäste der Wirtsstube angesammelt, auch an den Scheiben sah Afra bärtige Gesichter. Auf der verwitterten Futterkrippe am Schlagbaum saßen Sperlinge, und neben dem Eingang lagen leere Fässer.
»Bring mir ein Glas Milch, willst du?«
»Ob ich will! — Gleich ist es da.«
Er eilte davon, so rasch es ihm seine beschaulichen Gewohnheiten gestatteten, aber befangen blieb er doch. Afra empfand es deutlich, es drang von den Ereignissen in Wartalun zu viel in entstellenden Gerüchten unter die Leute. Das Leben, das im Schloß geführt wurde, erschreckte die Landbevölkerung; ihre abergläubische Besorgnis sah in den unverständlichen Schicksalen das Walten finsterer Mächte, und es war längst Gewißheit geworden, daß Tote im Schlosse umgingen und böse Geister ihr höllisches Spiel dort trieben. Und wie es oft im Verwirrenden solcher Befangenheit geschieht, sah man im Unschuldigsten den Urheber allen Unheils. Paules fremdartiges und verschlossenes Wesen erschien den meisten der Ursprung des Verderbens. Man wich ihm um so mehr aus, als bekannt wurde, daß Afra in seinen Bann geraten sei. Das Schloßgesinde erzählte unerhörte Tatsachen seiner geheimen Macht über das junge Mädchen, das niemand jemals gefügig gekannt hatte.