Afra trat in den heranflackernden Lichtschein. Klang nicht Gesang aus dem Wagen, oder war es ein Wimmern?
»Martin!« rief sie laut. Und dann: »Halt an! Warte!«
Den Pferden wurden beim Klang dieser Stimme die Köpfe emporgerissen, man sah deutlich, daß der Kutscher heftig erschrak und die Zügel viel zu hart anzog. Die Tiere stemmten die Füße unruhig ein, und die Deichsel des nachdrängenden Wagens hob sich zwischen ihren Köpfen.
Ein Bursche sprang vom Bock. Afra erkannte einen der Stallknechte. Er riß den Hut herunter, als er sie erblickte, und Afra bemerkte, ehe er sprach, daß sein Gesicht verstört war, daß sein Kopf ganz verwüstet aussah und daß seine Augen in ruhloser Angst wie nach Hilfe ausschauten. Da er dicht neben der Wagenlaterne stand, erkannte man seinen Ausdruck deutlich, und so kam es, daß Afras Frage hastig und bestürzt klang:
»Wohin willst du? Wen fährst du?«
»Herrin, da sind Sie! O Gott, endlich ... der Herr ... der Herr ...«
Das Wagenfenster wurde niedergestoßen: das war Friedels Stimme. Er schien niemand zu erkennen:
»Schert euch zum Teufel, Gesindel! Kennt ihr den Schloßwagen nicht? Haltet mich nicht auf. Marsch! Platz!«
»Warte noch«, sagte Afra ruhig.
Ein Ausruf des höchsten Erstaunens klang wie ein Fluch, dann machte sich von innen eine Hand in erregter Überstürzung am Wagenschlag zu schaffen.