Friedel konnte nicht weiterreden, es schien in der Tat, als ränge er innerlich gegen eine Finsternis, die ihm die Sinne auslöschte. Er bewegte nur die Fäuste hin und her. Afra sah es im rötlichen Licht der Laterne. Dann tippte er wie ein Besessener mit dem Zeigefinger auf seine linke Brust und stammelte endlich mit einem häßlichen Keuchen:
»Da hindurch! Zweimal hintereinander und am Rücken glatt heraus! Durch und durch geschossen! Alles rot umher, im Zimmer gleitet man aus. Du siehst ihn nicht mehr und er dich nicht mehr. Melchior hat ihm schon seine Augen zugedrückt.«
Afra trat langsam zurück, einen Schritt, zwei Schritte. Sie stieß auf Paule.
»Entschuldigen Sie ...« sagte sie deutlich.
Ein Pferd hob den Kopf und schüttelte ihn schnaubend.
Afra empfand zuerst nur eins mit tiefem Ekel, daß Friedels Atem nach Wein roch und daß er betrunken war. Dann wurde es plötzlich in ihr wach, wie unter einem jähen Lichtschlag, und mit dieser unnennbaren Erkenntnis, die sie überfiel, war ihr, als zerrisse in ihrem Innern etwas für alle Zeit.
Friedel war wieder in ihrer Nähe:
»Sieh dich um, du Meisterin der Lebenskunst, du Begnadete unter den Reichen. Alles, was du umher siehst oder weißt — alles, bis an die Wälder von Wendalen und die Annerwehr, alles ist dein. Er hat nicht dahinkönnen, bis es für unseren ärmlichen Zeitlauf klare Sicherheit war, daß alles dein sein sollte. Und dein Popanz, der Martin, hat zwei Pferde zuschandengemacht, um dir dein Erbe zu sichern. Ihm hast du allerlei zu danken ... Zeugen mußten herbei ... Nun?«
Afra stand ganz ruhig da und hörte Friedels Worte an, die ein wenig gefaßter wurden, jetzt, da man ihn reden ließ und da die schlimmste Botschaft aus seinem Herzen gestoßen war.
»Ist Graf Helmut tot«, sagte Paule. Es war keine Frage, er sagte es ruhig aus.