»Schweig«, sagte er heiß und mit bleicher Stirn, »du lästerst Gott.«
Und er fuhr fort zu sprechen.
Seine gedämpfte Stimme klang ganz eigentümlich eindringlich. Sie kam aus dem Dunkel hervor und nahm die Wirkung des Nachtreichs mit in ihre bannende Gewalt. Friedel hörte hin, wider seinen Willen, und je mehr er verstand, um so tiefer sank er in die Betäubung, die die Gewalt dieser starken Worte mit sich brachte. Der Kutscher hielt die Pferde und sah um ihre Köpfe herum ergriffen und gedankenlos auf die unbewegliche Gestalt des Sprechenden.
»Ich will nichts«, schloß Paule mit traurigem Gleichmut, der seine innere Wahrhaftigkeit deutlich machte. »Aber was sprichst du von Reichtum und Gerechtigkeit, von Zeit und Gott und Liebe? Glaubst du, dein kleiner Gram, der von Mißgunst um seinen Ruhm und von Angst um sein Licht gebracht ist, wäre den Schmerzen zu vergleichen, die diejenigen erleiden, die nicht die Hilfe deiner Erbärmlichkeit haben, du Narr? Du wärest nicht gestorben, du Hund, wenn Satans Willkür triumphiert hätte.«
Es war ganz still, als er tief aufatmend eine Weile schwieg. Niemand antwortete ihm. Aber er fand die Besinnung nicht, um die er zu ringen schien.
Als Paule bis hierher gekommen war, geschah es, daß Afra mit einem raschen Schritt auf ihn zutrat und ihm ihre Hand auf die Lippen preßte.
»Du schweigst! Ich will, daß du schweigst! Hörst du? Kein Wort darfst du mehr von diesen Dingen sprechen.«
Paule stand still da, mit niederhängenden Armen. Er atmete tief und schwer, und seine großen Augen, dunkel in ihrem Schatten, schienen nichts zu sehen von allem, was um ihn her vorging, noch wo er sich befand.
Friedel hielt sich am Wagenrand. Er schaukelte hin und her und suchte mit der Hand in der dunklen Luft.
»Erdenleben ...« stammelte er. »Was ist das, was mit uns geschehen wird? Dies alles ist unwahr. Wohin bin ich geraten? Oh, gebt mich doch frei! Laßt mir doch mein armes Glück, was kümmert mich euer feuriger Himmel? Ich bin nicht stark genug ... laßt mich, umher liegen Tote ...«