Als der alte Diener Melchior am frühen Morgen die Tür zum Hof öffnete, flatterten die blauen Tauben von der Schwelle auf und schlugen sich in den roten Streifen der Morgensonne am Dachfirst empor. Er sah nachdenklich zu ihnen hinauf, wie sie sich in der Kühle drehten, und strich mit der Hand über die ergraute Schläfe.

Am Tor klang Martins aufgeregte Stimme, Melchior hörte den Namen fallen, an den er dachte, das gedämpfte Kreischen irgendeiner Mädchenstimme erscholl, und ein Küchenfenster wurde aufgestoßen. Er schritt in jener stetig leidenden Besorgtheit hinüber, die oft die welken, bartlosen Gesichter alternder Hausgeister überzieht, um nach dem Grund des frühen Lärms zu forschen. Da kamen sie ihm schon entgegen und trugen eine grobe Holzkiste mit einer kleinen Gittertür. Fräulein Afra sollte man rufen.

Es war ein Marder in die Falle gegangen. Der Alte ließ die Kiste niederstellen, drehte sie gegen das Licht und schaute hinein. Tief hinten, in die Ecke gekauert, erblickte er das kleine braune Tier, abwartend und tückisch kauerte es dort, nur die harten hellen Steinaugen lebten in kalter Bereitschaft zum Kampf oder zum Tode. Es flößte viel mehr Angst ein, als es verriet. Wie leicht würde es allen diesen zu entgehen wissen, wenn es nicht ihrer List erlegen wäre. Voll Verachtung und Trauer verharrte es in seiner schmachvollen Lage.

Die Köchin riet, den ganzen Käfig ins Wasser zu tauchen, das sei gefahrlos und sicher; aber Martin sah sie zornig an:

»Fräulein Afra muß zuerst den Marder sehen.«

»Warum?« fragte Melchior. »Warum muß sie ihn zuerst sehen?«

Martin starrte ihn an, er verstand nicht, wie man daran zweifeln konnte.

»Ein Marder ist keine Maus«, sagte er dann, »deine Stubenmäuse braucht niemand anzuschauen.«

Er gab einem Knecht die Falle in Gewahrsam und eilte fort zu den Wirtschaftsgebäuden.

»Da findest du das Fräulein nicht«, sagte Melchior in unnahbarer Überlegenheit und seines Wissens froh.