»Ja, es ist spät geworden«, kam zögernd die Antwort. »Ich danke Ihnen, daß Sie die Hunde beruhigt haben. Sie kennen mich immer noch nicht.«

Es klang wie eine Anklage.

Afra sagte:

»Doch, aber Ihre Erscheinung war ihnen im Nachtlicht fremd. Sie kümmern sich auch nicht um die Tiere.« Sie wollte in ihrer Aufklärung darüber, wie man die Hunde an sich gewöhnen könnte, fortfahren, aber sie ließ es. Aja und Fenn gehören mir, dachte sie. Auch lag ihr nicht daran, der jungen Frau gegenüber, die sich in all der Zeit kaum um sie gekümmert hatte, mehr Worte als nötig zu machen.

»Darf ich für eine Weile zu Ihnen eintreten?« fragte Frau Elsbeth mit einem vernehmlichen Beben in der Stimme.

Afra nickte.

»Wir müssen durch den Hof über die Terrasse«, sagte sie.

Sie schritten nebeneinander dahin, nicht ohne daß die junge Frau sich zuvor durch einen schnellen Blick davon überzeugt hatte, daß die Lichter im Saal erloschen waren.

Als sie ins Haus eintraten, griff Afra hinter die Vorhänge des Fensters, zog eine Kerze hervor und zündete sie an. »Auf den Treppen ist es dunkel«, warf sie ein und löschte das Zündholz sorgfältig. Die Hunde waren draußen geblieben. Im hohen Flur des Schlosses verlor sich der Lichtschein, die Treppengeländer tauchten aus dem Dämmerlicht empor wie Luftbrücken, und während Afra, die voranschritt, langsam Stufe für Stufe nahm, wobei sie das Licht hochhielt, damit die Nachfolgende es leichter haben möchte, ihr zu folgen, dachte sie darüber nach, was der Grund dieses späten Besuchs sein könnte. Darüber kam ihr in den Sinn, was Martin ihr vor kurzem von Gräfin Elsbeth erzählt hatte. Sie war in das Haus eines kleinen Bauern nahe bei Wartaheim gegangen, um ihm eine Geldsumme zu erlassen, die er dem Schloß schuldig war. Sie hatte das Kind der armen Leute aus seiner dürftigen Wiege gehoben und es an ihr Herz gedrückt. Alle sprachen von diesem ungewöhnlichen Vorfall.

»Gehe ich zu rasch?« fragte Afra zurück.