»Hier ist ein Mord geschehen«, heulte Melchior.
»Esel! Schweig! Komm erst her und hilf mir die Kranke auf das Bett legen. Worauf wartest du?!«
»Ich werde den Herrn Grafen ... o Afra, Afra, was hast du getan!«
»Gehorche! Hund du, tu, was ich sage!« Afra sprang zum Tisch und riß die Peitsche von den Blättern.
»Gehorchst du?«
»Dir? Nie. Nie mehr! Der Graf soll kommen ...«
Ehe ein zweites Unheil geschah, wurde Afra durch das Klirren der Fensterscheibe aus ihrem Rausch von Zorn und Todesangst gerissen. Martin öffnete sich in bäuerischer Gelassenheit und in unbekümmertem Vertrauen auf das erwiesene Übergewicht seiner Fäuste das Fenster nun selbst und stand plötzlich neben Afra, oder vielmehr zwischen Melchior und ihr, denn er erkannte, daß sich der Zorn seiner jungen Herrin zunächst gegen den Alten richtete. Und so war auch Afra in diesem Augenblick nichts wichtiger als die Niederlage dieses eigensinnigen Widersachers.
»Wirf ihn hinaus!« rief sie. »Sofort!«
Melchior erhob sich drohend, ganz verstört im Eigensinn einer vermeintlichen Treue, aber Martin hatte Afras bleiches Gesicht gesehen, und ihn bewegte nur ein einziger Gedanke. Es mochte ein alter Grimm gegen Melchior hinzukommen, jedenfalls sagte er mit einer Bewegung, die nicht falsch zu verstehen war:
»Du hast gehört ... also geh lieber selbst.«